Opposition zeigt sich empört: "Politische Bankrotterklärung" - Causa Westenthaler abgeschlossen
Wien - Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu
diversen Spionage-Vorwürfen war am Dienstag von skurril anmutenden
"Aktenwanderungen" sowie der Causa Westenthaler geprägt. Daneben
empörte das Nein der Regierungsparteien zur gewünschten Ladung von
Ex-Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) die Opposition. BZÖ-Abgeordneter
Peter Westenthaler durfte sich über eine öffentliche Entschuldigung
von Staatsanwalt Gerhard Jarosch freuen.
Gleich zum Auftakt der Sitzung kam die von Nationalratspräsidentin
Barbara Prammer (SPÖ) vergangene Woche verschärfte Geheimhaltung
betreffend der Akten zur Sprache. Während sich ÖVP, FPÖ und Grüne
klar gegen diese Beschränkungen (Kopierverbot) aussprachen, verwies
die SPÖ auf eine für Donnerstag geplante Aussprache mit Prammer.
"Aktenwanderung"
Die Geheimhaltungsbestimmungen sorgten auch am Nachmittag für
Wirbel, weil die FPÖ eine Kiste mit geheimen Unterlagen in den
Sitzungssaal schaffen ließ. Ausschuss-Vorsitzender Martin Bartenstein
(ÖVP) ließ die Akten daraufhin wieder aus dem Saal entfernen. Später
hieß es allerdings seitens der Parlamentsdirektion, dass ohnehin alle
Akten im Ausschuss-Sitzungssaal verwendet werden dürfen - also auch
geheime Unterlagen.
Inhaltlich war der Sitzungstag von der Causa rund um die von der
Staatsanwaltschaft angeordnete Rufdatenerfassung des Handys von
BZÖ-Abgeordnetem Peter Westenthaler geprägt. Vor allem die Frage, ob
Westenthaler im Ermittlungsverfahren als Zeuge oder Beschuldigter
geführt worden war, beschäftigte erneut die Abgeordneten.
Westenthaler nie als Beschuldigter
Sowohl Staatsanwalt Gerhard Jarosch als auch sein Kollege Thomas
Vecsey betonten, dass Westenthaler nie als Beschuldigter geführt
worden war. Erst wenn konkrete Indizien für eine Straftat vorliegen,
gelte man als Beschuldigter. Bei Westenthaler sei dies nicht der Fall
gewesen. In der Causa wurde gegen einen unbekannten
Kriminalpolizisten ermittelt, so Jarosch.
Abgeschlossen wurde am Dienstag gleich zu Beginn auch die
Befragung des Leiters für Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) im
Innenministerium, Martin Kreutner. Er schloss aus, dass Akten aus
seiner Behörde an die Medien weitergegeben worden sein könnten. Die
Einvernahme des ehemaligen Leiters des Landesamts für
Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT), Werner Autericky,
fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da noch anhängige
Verfahren zur Sprache kamen.
Strasser nicht Zeuge
Abgeschmettert wurde von SPÖ und ÖVP das Begehren der Opposition,
Ex-Innenminister Strasser als Zeuge zu laden. Der Wunsch nach der
Ladung des nunmehrigen EU-Abgeordneten stand im Zusammenhang mit der
"Causa Pilz". Dabei soll ja geprüft werden, ob der Wunsch der
Staatsanwaltschaft, den Computer des Grünen-Abgeordneten Peter Pilz
wegen darauf gespeicherter E-Mails des Ex-Innenministers zu
beschlagnahmen, gerechtfertigt gewesen ist. Pilz warf der SPÖ
daraufhin "politische Jämmerlichkeit und Orientierungslosigkeit" vor.
Seitens der SPÖ erklärte man, man wolle lediglich eine "Polit-Show"
verhindern.
Auch Persönliches kam im Ausschuss zur Sprache: Jarosch
entschuldigte sich bei Westenthaler für eine seiner Aussagen. Der
Staatsanwalt hatte im Juli zu Westenthalers Handy-Daten angemerkt:
"Wenn seine Freundin eine SMS schickt, wird es wohl kaum eine
Polizeiinformation sein." Die Antwort bezeichnete Jarosch nun als
"flapsig, lausig, schlampig und dumm". Er habe nicht daran gedacht,
damit Westenthaler ein außereheliches Verhältnis zu unterstellen -
worüber sich das BZÖ ja empört hatte.
Auf Causa Westenthaler folgt Causa Pilz
Die Causa Westenthaler ist damit abgeschlossen, nächstes Thema ist
die Causa Pilz. Die nächste Sitzung findet am kommenden Donnerstag
statt.