Sócrates wiedergewählt

Portugal bleibt links

28. September 2009, 18:33

Offene Koalitionsfrage nach Verlusten für Sozialistische Partei

Lissabon/Madrid - José Sócrates darf sich freuen. Mitten in der Wirtschaftskrise gelang dem portugiesischen Premier die Wiederwahl. Allerdings verlor seine Sozialistische Partei (PS) die absolute Mehrheit. Laut vorläufigem Ergebnis erzielte die PS mit 36,5 Prozent der Stimmen 96 der 230 Parlamentssitze. Die Herausforderin Manuela Ferreira Leite von der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) konnte nur 29,1 Prozent und damit 78 Abgeordnete gewinnen. Das Rechtsbündnis CDS/PP erhielt 10,5 Prozent, der Linksblock (BE) 9,9 und die kommunistisch-grüne Wahlkoalition CDU 7,9 Prozent.

"Das ist der Sieg der Reformen, der Modernisierung und der sozialen Gerechtigkeit", jubelte Sócrates am Wahlabend. Doch er muss vor allem gegen die sich verschärfende Krise kämpfen. Die Wirtschaft im ärmsten Land Westeuropas schrumpft heuer voraussichtlich um 3,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist mit 9,1 Prozent so hoch wie seit 1987 nicht mehr. Eine Erholung ist nicht in Sicht.

"Absolute Verhandlungen", titelte die Tageszeitung Jornal de Notícias und prophezeite dem Wahlsieger eine schwierige Legislaturperiode. Sócrates muss eine Mehrheit suchen. Eine große Koalition, wie sie so mancher Kommentator angesichts der Krise gerne sähe, gilt als unwahrscheinlich. Zu unterschiedlich sind die beiden Spitzenkandidaten von PS und PSD.

Bleiben zwei Möglichkeiten. Entweder Sócrates regiert in Minderheit mit wechselnden Bündnissen, oder er wirbt um eine Koalition mit einer der beiden kleinen Linksparteien. Doch das wird nicht einfach. Sócrates sei arrogant, beschwerten sich Linksblock und CDU noch am Wahlabend. Mit seinen Modernisierungsmaßnahmen in Verwaltung und Schulsystem brachte der Premier die Gewerkschaften gegen sich auf. Die linken Parteien unterstützten sie und warfen Sócrates "rechte Politik" vor. (Reiner Wandler/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2009)

Chien de Pique
42
28.9.2009, 20:40

Um seine Auswahl an linksextremen Sektierern, die aus der Geschichte teils wenig gelernt zu haben scheinen, ist Portugal auch nicht gerade zu beneiden.

Raptor Jesus
10
21.2.2010, 22:28
Du hast aus der Geschichte scheinbar wenig gelernt oder verwendest sie bewusst falsch um gewisse Personengruppen zu diskreditieren.

Hamit_Hatemi
01
11.10.2009, 18:45

Da gebe ich Ihnen eindeutig recht...

Auch wenn ich dafür sicher ganz viele rote Stricherln kassieren werde :-)

Schljapnikow der IV
10
6.10.2009, 19:52

jaja, aber die sozialdemokratie lernt und entwickelt sich weiter.

Stifter
22
29.9.2009, 00:09

Ich glaube, dass die Nachfahren der jahrzehntelang regierenden Faschisten in Portugal ein größeres Problem darstellen, als zwei Gruppierungen links von der Sozialdemokratie... Aber mit absoluter Mehrheit zu regieren, ist natürlich einfacher.

Hamit_Hatemi
01
10.1.2010, 17:29

Wirkliche Faschisten gab es in Portugal nie. Italien war ein faschistischer Staat, aber in Portugal sahen wir eine sehr abgeschwächte Form dessen.

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