Kelterei

Misch-Weine ohne Modergeschmack

30. September 2009, 17:09
  • Artikelbild
    foto: apa/barbara gindl

    Wissenschaftler Schwab: "In Zukunft den Modergeschmack ausschalten, ohne auf die Vorteile von US-Reben zu verzichten."

Amerikanische Rebsorten machen europäische widerstandsfähiger, geben dem Wein aber einen modrigen Geschmack - Forscher der TU München fanden heraus, wie man das ändern kann

Wenn Weinzüchter europäische und amerikanische Rebsorten miteinander mischen, hat das meist folgenden Grund: Die europäischen Reben sind für den Geschmack des Weins zuständig, die amerikanischen für die Widerstandsfähigkeit. Der Nachteil: Rebsorten aus Nordamerika - in der Fachsprache der Kelterei "Neue Welt" genannt - werden mit einem modrigen Nebengeschmack assoziiert.

Genau hier setzt die Forschung der Technischen Universität (TU) München an. Die Wissenschaftler des Fachgebiets "Biomolekulare Lebensmitteltechnologie" haben eine Methode gefunden, wie Züchter in Zukunft den Modergeschmack "ausschalten" können - ohne auf die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Rebsorten verzichten zu müssen.

"Weinpest" zerstörte fast die Weinindustrie

Die Geschichte, die hinter dem Mischen der Rebsorten zweier Kontinente steht, ist folgende: Die "Weinpest" zerstörte Mitte des 18. Jahrhunderts fast die europäische Weinindustrie. Wahrscheinlich waren es zwei aus Nordamerika eingeschleppte Raubschädlinge, die die Zerstörung der Reben verursachten. Weil die nordamerikanischen Weinsorten von Natur aus gegen die "Weinpest" resistent waren, wurden sie ab diesem Zeitpunkt von den Weinbauern für eine neue Züchtung verwendet. Ihre neuen Trauben sollten die besten Eigenschaften der europäischen Weinrebe mit der Widerstandsfähigkeit nordamerikanischer Weinsorten vereinigen. Solche Mischzüchtungen der ersten Generation waren vor hundert Jahren recht verbreitet. Allerdings wurde der daraus gekelterte Wein geschmacklich als so minderwertig beurteilt, dass die Winzer ihn nicht mit traditionellen Weinen höherer Qualität mischen durften.

Roter Weinfarbstoff wird untersucht

Die EU handhabt das heute ähnlich - weil Rebsorten aus Nordamerika mit einem modrigen Nebengeschmack assoziiert werden, prüft sie Rotweine vor dem Verkauf auf ihre Sortenzusammensetzung. Dazu wird der rote Weinfarbstoff unter die Lupe genommen: Rote europäische Rebsorten produzieren aufgrund einer speziellen Genmutation ausschließlich Farbstoffe mit nur einem angehängten Zuckermolekül, vor allem den Farbstoff Oenin. Andere Rebsorten und Mischformen aus europäischen und amerikanischen Trauben beinhalten jedoch auch Farbstoffe mit zwei angehängten Zuckern, zum Beispiel Malvin. Die EU-Prüfer gehen bisher davon aus, dass die unerwünschten „amerikanischen" Geschmackskomponenten immer zusammen mit dem Farbstoff Malvin vererbt werden.

Kein Zusammenhang auf molekularer Ebene

Genau diese Annahme widerlegt Wilfried Schwab vom Fachgebiet „Biomolekulare Lebensmitteltechnologie" der TU München mit seiner Forschung: Er hat herausgefunden, dass die Art des roten Weinfarbstoffs und der Modergeschmack auf molekularer Ebene nicht zwingend zusammenhängen. Somit sei der bestehende Qualitätstest für Wein nicht absolut zuverlässig. Um die fehlenden Details der Familiengeschichte von Rotweintrauben herauszukitzeln, analysierte Schwabs Team zusammen mit Kollegen vom Julius Kühn-Institut für Rebenzüchtung in Siebeldingen/Pfalz ihre Erbinformation und Biochemie bis ins kleinste Detail: Die Forscher schrieben bestimmte Abschnitte des Gen-Codes um und bestimmten die 3D-Struktur der entstandenen Proteine.

"Letztlich wollten wir europäische Rebsorten testweise wieder dazu bringen, Malvin zu produzieren", so Schwab. So kam das Team den genetischen Grundlagen des Phänomens auf die Spur: Die Forscher wiesen nach, dass keine einfache, sondern erst eine doppelte Genmutation im Vergleich zum Wildtyp bei der europäischen Weinrebe für die Oenin-Produktion sorgt. Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Weinfarbstoff-Gen auf demselben Chromosom liegt wie jenes Gen, das für das Moder-Aroma nordamerikanischer Sorten verantwortlich ist. Dank dieser Entdeckung könne man Rotweinrebsorten jetzt effektiver züchten, weil die Auswahl der gewünschten Merkmale direkt im Reagenzglas per Gentest erfolgen könne.

Rotwein-Qualitätstests präzisieren

"Anhand unserer Ergebnisse können Züchter in Zukunft den Modergeschmack ausschalten, ohne auf die Vorteile von US-Reben zu verzichten", erklärt Schwab. Die EU könne durch diese Fakten auch ihre Rotwein-Qualitätstests präzisieren. „Anstatt wie bisher nach dem nur scheinbar immer mit Fehlgeschmack assoziierten Malvin zu suchen, könnten die Prüfer sensorische Unreinheiten besser direkt über das verantwortliche Gen aufspüren." (red, derStandard.at, 30.9.2009)

Kommentar posten
19 Postings
Franz Stefan
00
18.2.2010, 08:09
"sensorische Unreinheiten"

Vielleicht finden Forscher ja auch noch das Gen, welches für "journalistische Unreinheiten" verantwortlich ist. Dann können die Chefredakteure mit einem einfachen Test feststellen, welchen Voluntär sie der Leserschaft zumuten können.

der mieter
00
7.10.2009, 11:23
lasst den europäischen wein wie er ist

der ist seit jahrhunderten perfekt

Jim Kirk
00
15.10.2009, 08:53

Du hast den Artikel gelesen? "Die "Weinpest" zerstörte Mitte des 18. Jahrhunderts fast die europäische Weinindustrie"
Von perfekt kann ja da wohl nicht gesprochen werden.

Schnapphahn
00
2.10.2009, 14:16
Lese ich jetzt Misch-Weine ohne Geschmack?

sektionschef vom salzamt
00
1.10.2009, 22:40
für die, die guten wein mögen:

www.seymann-wine.at

prost!

el hottino
02
30.9.2009, 22:28
und

übrigens war die katastrophe nicht im 18, sondern in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

clementinchen
214
30.9.2009, 18:17

also ohne jetzt fürchterlich katholisch zu sein: was gott durch einen modrigen geschmack untrinkbar macht, soll der mensch nicht im labor zusammenpanschen.

Blanca Hohn
48
30.9.2009, 17:38
ob der autor diese artikels

etwas von genetik versteht, vermag ich nicht zu beurteilen. mit wein hat er jedenfalls nichts am hut.

den ausdruck "kelterei" für weinbau hab ich noch nie gehört, den verwendet kein mensch.

ebenso die bezeichnung "weinpest" für die reblaus oder phylloxera.

drittens ist die bezeichnung für den typischen geschmack der amerikanerreben "fuchsig" und nicht modrig.

viertens ist das problem schon seit 100 jahren durch pfropfen hinlänglich gelöst.

Excul
00
1.10.2009, 21:59

also wenn ich mich recht erinnere, ist das problem der weinpest, das problem der reblaus, welche sich in den wurzeln der Weinreben einnistet und diese schädigt, und man wird es kaum glaub dieses problem wurde einfach dadurch gelöst, dass man auf einen amerikanischen wurzelstock einen europäische Rebe aufpropfte, was das mit dem artikel zu tun haben soll hat sich mir nicht ganz erschlossen

pirat2
 
00
18.11.2009, 19:33

Für mich schaut es so aus, als ob die sogenannte "Weinpest" ein Synonym für die Reblaus sein sollte. Allerdins stimmt es, dass das Problem durch aufpfropfen auf einen amerikanischen Wurzelstock gelöst wurde.
Keltern ist eher eine andere Bezeichnung für Vinifikation - also die Arbeit vom Lesen und Pressen der Weintrauben über die Kellerarbeit bis zum trinkfertigen Wein.

T. Lurker
02
1.10.2009, 02:37
Weiters: "Mischen" statt "Kreuzen" von Reben ...

... hat da jemand "mix" (= engl. für kreuzen im biologischen Sinn) falsch übersetzt ???

BTW ich hätte - naiverweise - auch angemommen, dass die Hybriden im engl. als "intersection" bezeichnet werden (Irrtum - man lent nie aus).

MIP1
04
1.10.2009, 01:28

Und sechstens (fünftens kommt unten) hat es weder im 18. noch im eigentlich für die Reblaus zuständigen 19. Jahrhundert eine "Weinindustrie" gegeben. So etwas gibt es überhaupt nur im Englischen. Die Häufung von Merkwürdigkeiten läßt vermuten, daß sich da ein Außenstehender über einen fix und fertigen englischen Text hergemacht und ihn stur übersetzt hat.

Andreas Steinschaden
01
30.9.2009, 20:35
Jau da is was dran....

Andererseits geht es eher darum dass durch einkreuzen pilzresistente Sorten gezüchtet werden sollen, um weniger Spritzmittel zu verwenden. Und um dise Züchterei zu beschleunigen ist es schon interessant mittels Genanalyse die neuen Kreuzungen zu bestimmen, damit man nicht auf dei ersten Ernten warten muss. Spart Jahre....
Mir kommt übrigens vor, dass die Trauben der Amerikaner-Reben zunächst nach Zitrone schmecken bevor sie in der Vollreife den Fuchston bekommen.

Antun Zonger
00
30.9.2009, 18:33

Und fünftens heißt die "Neue Welt" im Weinbau "Winnetous Heimat"

Ob sich der Autor Gedanken gemacht hat, ob es ratsam ist, lieber amerikanische Reben gentechnisch verändert statt der europäischen Reben zu pflanzen?
Ich würde, wenn es schon über Gentechnik sein soll, dann "Österreichisch Weiß" reblausfest machen. Wenn schon, dann so.

ChesneyB
02
1.10.2009, 14:24

Winnetous Heimat ist aber das ehemalige Jugoslawien. (Ich erinnere mich mit Schaudern an die vielen Statisten, die man mit schlecht sitzenden Perücken zu Indianern machte.)

Antun Zonger
00
2.10.2009, 22:08

Ja, und die Heimat von Winnetous Vater ist Sachsen.

Aber die hatten sehr gute Weine in Jugoslawien, ich rede da garnicht von meinem Einsatz, Blaufränkisch in die Gegend von Vrsac zu bringen, Riesling und Welschriesling gibts da genug.
Den guten Roten, Marke "Kosovo Polje" gibts ja jetzt nichtmehr, weil die Kenntnisse mit den Serben gegangen wurden. Mit den Amerikanern kam wohl da auch der "Modergeschmack".

Stefan Weilhartner
 
02
30.9.2009, 20:49
Gentechnik und Gentechnik

sind auch zwei paar Schuhe. Man kann die zum Untersuchen und Klassifizieren benützen oder zum Modifizieren des Erbguts. Das sollte man schon unterscheiden. Moderne Technik einzusetzen um traditionelle Techniken nicht zu ersetzen sonder zu unterstützen sollte man nicht gleich verbannen, auch wenn es um ein Naturprodukt und um subjektiven Geschmack geht.

Antun Zonger
00
2.10.2009, 22:21

Selbst bei gentechnisch festgestellter "Elternschaft" bestimmter Sorten wird eine "natürliche" Nachzüchtung aus den gleichen Sorten nie das gleiche Produkt ergeben. Ist einmal so beim Wein.
Also kann es nur darum gehen, neue Sorten zu finden, die eben dieses Gen nicht haben. Dagegen ist nichts zu sagen.
Gerade beim Wein zeigt sich der Erfolg erst nach vielen Jahren Nachzüchtung. Da kann man es aber auch gleich lassen, weil der Rote ohnehin näher beim Ursprung der Reben ist und ein Roter, der dann innerhalb der Roten näher beim Ursprung ist, der wäre auch gegen alles mögliche zumindest teilresistent, sofern reblaussicher auf Winnetous Haupt gepfropft.
Man müßte sich nur eben auf die alten Sorten beschränken.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.