Madoff-Familie soll zahlen

4. Oktober 2009, 15:58
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Konkursverwalter will 200 Millionen Dollar und beschuldigt Söhne, Bruder und Nichte der Beihilfe zum Betrug

New York/Wien - Der Treuhänder, der die Firma des New Yorker Milliarden-Betrügers Bernard Madoff abwickelt, will bei dessen Familienmitgliedern fast 200 Mio. Dollar (137,6 Mio. Euro) holen. Er wirft ihnen in einer vor dem Wochenende veröffentlichten Klage vor, das Geld unrechtmäßig aus Madoffs Betrügereien erhalten zu haben. Es geht um Madoffs Bruder Peter, seine Söhne Mark und Andrew und seine Nichte Shana. Sie alle hatten im legalen Teil des Madoff-Unternehmens, dem Aktienhandel, gearbeitet. Sein milliardenschweres Schneeball-System ließ Bernard

Madoff über einen separaten Investment-Arm laufen, er beteuerte mehrfach, dabei allein gehandelt zu haben.

Der staatlich bestellte Insolvenzverwalter Irving Picard, dessen Aufgabe es ist, Geld für geschädigte Investoren zu sammeln, macht nun geltend, zur Bezahlung der Manager im Aktienhandel seien auch Gelder aus dem Milliardenbetrug geflossen. Insgesamt will er 198 Mio. Dollar zurück, von denen 141 Millionen angeblich in den sechs Monaten vor Madoffs Enttarnung geflossen seien.

Zwischen den Konten von Madoffs Investmentfirma BLMIS und den Privatkonten der Beschuldigten seien 380 betrügerische Überweisungen festgestellt worden, die sich auf insgesamt fast 200 Mio. Dollar belaufen.

Private Geschäfte und persönlicher Luxus

Die Beschuldigten hätten aus dem Unternehmen erhebliche Summen abgezogen und damit private Geschäfte oder persönlichen Luxus wie Immobilien, Autos oder Yachten finanziert, erklärte Picard weiter. Sie hätten sich ihrer Verantwortung entzogen und die Investmentfirma als "Sparschwein der Familie" betrachtet. Ohne die Mithilfe der Beschuldigten, hätten die illegalen Machenschaften nicht so lange unentdeckt bleiben können.

So habe Peter Madoff, der bei der Aktienhandelsfirma die Einhaltung der Vorschriften überwachen sollte, unrechtmäßig mehr als 60 Mio. Dollar erhalten, lautet der Vorwurf des Treuhänders. Unter anderem seien für ihn Immobilien in Manhattan und in Florida aus Kundengeldern bezahlt worden.

Den Madoff-Söhnen Mark und Andrew wirft Picard vor, jeweils 66,9 und 60,6 Millionen Dollar unrechtmäßig bekommen zu haben. Er behauptet in der Klage auch, die Gelder seien zum Teil durch fingierte Transaktionen geflossen. Mark und Andrew Madoff hatten im Dezember ihren Vater bei den Behörden angezeigt, nachdem er ihnen den Milliardenbetrug gestanden hatte. Ihr Anwalt betont, die Brüder hätten zuvor nichts von dem Schneeball-System gewusst. Das sagte mehrfach auch der Anwalt von Peter Madoff.

Bernard Madoff hatte in seinem Schneeball-System die hohen Zinsen früher Investoren mit den Geldern späterer Anleger bezahlt und sich selbst einen luxuriösen Lebensstil geleistet. Er war zur Höchststrafe von 150 Jahren verurteilt worden.

Forderung von 15 Milliarden Dollar

Picard fordert von Investoren, die von Madoffs Betrug profitiert hätten, insgesamt 15 Mrd. Dollar zurück. Allein von dem Investor Jeffry Picower will er 7,2 Milliarden Dollar haben. Dessen Anwälte weisen die Vorwürfe zurück. Bei der Erhöhung der Forderungen gegen Picower um zwei Milliarden Dollar am Freitag hatte der Treuhänder auch die Klage gegen die Madoff-Familienmitglieder angekündigt.

Picard hat den Auftrag, verschwundene Madoff-Milliarden aufzuspüren, damit echte Opfer - von denen viele ihr gesamtes Vermögen verloren - entschädigt werden könnten. Kurz vor seiner Festnahme und dem Zusammenbruch seines komplexen Schneeballsystems im vergangenen Dezember hatte Madoff seinen Kunden mitgeteilt, sein Fonds habe einen Wert von knapp 65 Milliarden Dollar. Picard allerdings geht davon aus, dass das Fondsvermögen eher bei 36 Mrd. Dollar gelegen habe. Bisher gelang es lediglich, 1,5 Milliarden Dollar sicherzustellen - aus dem Verkauf von Vermögenswerten Madoffs.

Nach der Verhaftung von Madoff im Dezember wurde deutlich, dass auch österreichische Banken und Anleger vom Milliardenbetrug betroffen sind. Am stärksten traf dies auf die Bank Austria und die ehemalige Bank Medici zu, an der die Bank Austria mit einer Sperrminorität beteiligt ist. Die kleine Wiener Privatbank zählte mit einem Volumen von umgerechnet 1,5 Mrd. Euro zu den vier größten Geldbeschaffern für Madoff. Der Bank wurde die Konzession entzogen, gegen Organe der Bank wird wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt. Die Bank selber sieht sich als Opfer des Betrugs von Madoff. (APA/AP)

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    Bernard Madoff hatte in seinem Schneeball-System die hohen Zinsen früher Investoren mit den Geldern späterer Anleger bezahlt und sich selbst einen luxuriösen Lebensstil geleistet. Er war zur Höchststrafe von 150 Jahren verurteilt worden.

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