Angst und Stress: Prügel machen Kinder dumm

28. September 2009, 16:02
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    foto: apa/dpa/karl-josef hildenbrand

    Chronischer Stress schränkt bei Kindern, die körperliche Gewalt erfahren, die Entwicklung der Intelligenz ein

Wer sein Kind schlägt, schädigt auch dessen Geist und Psyche - Häufiges Geschlagenwerden geht einher mit geringerer Intelligenz

Durham/Wien - Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, schädigen sie damit deren geistige Entwicklung. Das haben Forscher der University of New Hampshire auf der Internationalen Konferenz zu Gewalt, Missbrauch und Trauma in San Diego berichtet. Laut ihren Studien führt das Geschlagenwerden zu einer messbar geringeren Intelligenz auch noch Jahre später. "Je öfter Kinder geschlagen werden, desto langsamer verläuft ihre geistige Entwicklung", so Forschungsleiter Murray Straus. Die häufigen Stress- und Angstzustände, denen geschlagene Kinder ausgesetzt sind, könnten eine wichtige Ursache für diesen Zusammenhang bilden.

Untersucht wurde das zunächst in den USA mit insgesamt 1.500 zwei- bis vierjährigen sowie fünf- bis neunjährigen Kindern, die man repräsentativ für ihre Altersgruppe auswählte. Beide Gruppen durchliefen im Abstand von vier Jahren zweimal einem Test zur Ermittlung des Intelligenzquotienten (IQ). Bei den anfangs zwei- bis vierjährigen Kindern, die von ihren Eltern geschlagen wurden, war der IQ-Wert vier Jahre später um fünf Punkte niedriger als die nicht-geschlagenen Alterskollegen, während dieser Unterschied bei der etwas älteren Versuchsgruppe immerhin noch 2,8 Punkte betrug. Auch weitere, weltweite Erhebungen der Forscher wiesen in dieselbe Richtung. So zeigte etwa ein Ländervergleich, dass hohe Raten von körperlicher Bestrafung bis ins Jugendalter den durchschnittlichen IQs der Gesamtbevölkerung senkt. Weiters fragten die Wissenschaftler 17.000 Studenten in 32 Ländern, ob sie in der Kindheit geschlagen wurden. Auch hier wurde der Zusammenhang mit der Intelligenz deutlich.

Chronischer Stresszustand

Als Ursache für dieses Phänomens sehen die Studienautoren die Tatsache, dass Kinder bei körperlicher Bestrafung viel Stress empfinden. Werden Kinder regelmäßig geschlagen, begünstige das einen chronischen Stresszustand, der für viele über Jahre andauere. Die Forschung zeigt, dass dieser Stress auch posttraumatische Stresssymptome wie übertriebene Angst vor schrecklichen Ereignissen oder leichtes Erschrecken auslösen kann, die die Entwicklung der Intelligenz beeinflussen. Weiters glauben die Wissenschaftler, dass die Verbreitung der Gewalt in der Erziehung und der höhere Intelligenzquotient der Bevölkerung wichtige Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes sind.

Sicherheit und Geborgenheit kommen abhanden

"Wie sich die Intelligenz von Kindern entwickelt, wird von mehreren Faktoren bestimmt", erklärt die Wiener Gesundheitspsychologin Claudia Rupp. Beteiligt seien die genetischen Anlagen, die dem Kind zukommende Förderung und Bildung und das soziale Umfeld, jedoch auch die Art der Bindung zu seinen Bezugspersonen. "Kinder mit guter Bindung zu den Eltern lernen viel leichter. Gewaltanwendung oder Misshandlung bringt hingegen Unsicherheit oder Desorganisation in diese Beziehung und führt zu einem Stress, der Lernprozesse hemmt", so Rupp. Schädlich sei Gewalt in der Erziehung nicht nur dort, wo sie körperliche Verletzungen hinterlässt. "Allein die Tatsache, dass ein im Vergleich riesiger, älterer und mächtiger Mensch, der noch dazu als Elternteil wichtigste Quelle für Sicherheit und Geborgenheit ist, zuschlägt, ist für ein Kind schrecklich." Zwar sei es richtig, dass Kinder Grenzen brauchen, doch dürften diese nicht mit körperlicher Gewalt vermittelt werden. "Niemand wird durch Gewalt brav. Die psychische Verletzung bleibt hingegen lange bestehen", betont die Psychologin.

Hilflosigkeit der Eltern

Das Zuschlagen bezeichnet Rupp als Ausdruck der Hilflosigkeit der Eltern. "Erziehung ist die schwerste Arbeit der Welt. Viele wollen ihre Kinder gar nicht schlagen, wissen sich jedoch in bestimmten Situationen nicht mehr zu helfen." Die Vorstellung einer "gesunden" Züchtigung sei ebenso falsch wie das von Eltern oft vorgebrachte Argument, dass die Schläge in der eigenen Erziehung auch nicht geschadet hätten. "Irgendwann kommt man vielleicht drauf, dass man doch seelischen Schaden erfahren hat, denn sonst bräuchte man nicht zu Gewalt greifen." Wenn die Situation eskaliert, rät die Psychologin den Eltern, professionelle Unterstützung in Beratungsstellen aufzusuchen. Hier könne man durch externe Hilfen genauer ansehen, warum es zum Zuschlagen kommt, wie es vermieden werden kann und welche besseren Reaktionen möglich sind. Ein besserer Umgang mit dem Thema gelinge, wenn es seine Scham verliere. "Statt Bestrafung für elterliches Fehlverhalten ist rechtzeitige und präventive Hilfe wichtig. Wer in der Erziehung Hilfe braucht, muss sie auch bekommen."

Beratung für Risikogruppen

Die Bedeutung der Prävention betont auch Eveline Holzmüller, Sozialarbeiterin und Kinderschutz-Expertin beim Amt für Jugend und Familie der Stadt Wien. "Derzeit wird der Ansatz 'Frühe Hilfe' getestet. Sozialarbeiter versuchen hier, Eltern mit hohem Risiko für Gewalt bereits in den Geburtsspitälern gezielt anzusprechen, sie zu beraten und Maßnahmen der Unterstützung zu vermitteln, falls die Eltern diese annehmen möchten." Als Risikofaktoren, die in Fragebögen oder offenen Gesprächen erkundet werden, gelten vor allem Armut sowie die eigene Erfahrung von Gewalt. Die Körperstrafe ist in Deutschland und Österreich seit 1989 verboten. Kinder besitzen ein "Recht auf gewaltfreie Erziehung", stellt das Gesetz fest, unzulässig sind demnach körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigenden Maßnahmen. (pte)

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Posting 1 bis 25 von 52
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Charles Duchemin
01
8.10.2009, 17:36
Die (Kurz)Schlüsse aus solchen Studien sind mir teilweise suspekt!

Rein gefühlsmäßig dürfte klar sein, daß in "einfacheren" Familien öfter Gewalt angewendet wird.

Neben der Gewaltanwendung erfahren dann aber die Kinder auch weniger Förderung - einfach aufgrund des - im Schnitt sicher - niedrigeren IQs der Eltern.

Da dann herzugehen und zu sagen: Wenn das Kind geschlagen wird, wird es blöd ist unmöglich zu sagen.

anne.sche
00
30.9.2009, 10:34
was sind das für Wissenschaftler???

die schauen im Rahmen einer Studie zu, wie die Kinder zu Hause weiterhin geprügelt werden???

das ist kein Studie, sondern unterlassene Hilfeleistung

anne.sche
00
30.9.2009, 10:32
"körperliche" Bestrafung

Bestrafung hat in der Erziehung überhaupt nichts zu suchen
körperliche Bestrafung ist Mißhandlung bzw Körperverletzung

ein minderjähriges, vielleicht sogar noch dazu unmündiges Kind zu "strafen" - egal wie - ist nur ein Zeichen, dass die betreuende Person ihre Machtposition mißbracht

Intelligenz
00
29.9.2009, 12:34
Intelligenz ist die Fähigkeit, seine Umgebung zu akzeptieren.


.

Ich liebe mich so toll:)
00
5.10.2009, 14:35

Es ist die Fähigkeit sich selbst zu akzeptieren und das anzuziehen, was einem entspricht. Und wenn man so intelligent ist, dann zieht man daher nur Intelligentes an.
Daher Ihr Vermeidungsverhalten?:)))

Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis
00
29.9.2009, 12:00

wie war das dann bitte nochmal mit der "gsunden watschn"?

peter schmidt
 
03
29.9.2009, 11:39
Der Zusammenhang war mir durchaus klar

Und überhaupt sollte man die Wirkungen der Kindheit nicht unterschätzen.

Jedoch sollte man auch nicht unterschätzen was Eltern aus Mittel und Oberschicht oft ihren Kindern ganz ohne schläge antun. Diese schneidenden Blossstellungen, dauernde Lieblosigkeit, das Koppeln von Liebe an erbrachte Leistungen. Das alles mag zwar dann die Kinder nicht dumm machen aber emotional jedenfalls seltsam.

Da war mir die rauhe aber herzliche erziehung bei mir zu hause wo es zumindest trotz viel schimpferei immer einen gewissen Konsens gab das man mich ja trotzdem gerne hat lieber.

Fetz Pepi
00
29.9.2009, 11:34
nicht nur

Quälen wie auch immer kommt sehr oft nicht von Überfordertheit, sondern einfach auch von Bosheit

T-Minus1
00
29.9.2009, 15:15
... Bosheit ....

ein guter,- weil konstruktiver Denkansatz. Auf andere Weise ist diese Thematik entfernt mit Mobbing verwandt. Dieses, in grausamer pysischer und psychischer Art, permanente Ignorieren der kindlichen Seele ist, aus Interessenlosigkeit und langweiliger Lästigkeit heraus, der seelische Tod des Kindes. Wenn jede formulierde Freude des Kindes VERNEINT wird und zwar von Jenen die im Schutz und Geborgenheit geben(sollten) so hat dies in dramatischer Weise die innere Emigration des Kindes zur Folge. Die Eltern schert,s in solchen Fällen in der Regel wenig.

sektionschef vom salzamt
10
29.9.2009, 10:41
1500 kinder..

.. und die hälfte davon wurde im dienste der wissenschaft geprügelt.

amerika, sei stolz auf deine bürger !!

DD1981
00
29.9.2009, 09:27

In den Postings wird immer wieder gesagt das die Eltern mit geringen IQ die Kinder öfters schlagen. Das ist doch bitte blödsinn.

Ein geistig gehandicapter Mensch kann 10 mal liebevoller zu seinen Kindern sein, als der Leiter eines Wissenschaftlichen Labors oder der Bankchef mit Havard Abschluss.

Wie man mit seinen Kindern umgeht, hat gar nichts mit dem IQ zu tun. Hier geht es um soziale Kompetenz die nicht mit der Inteligenz zusammenhängt. => siehe Tierwelt.

Kathi1609
 
03
29.9.2009, 09:09
Ein Kind zu schlagen zerstört dessen Würde.


Das allein sollte reichen.

T-Minus1
01
29.9.2009, 08:37

ANGST essen Seele auf, das wussten schon die Altvorderen. Ein Kind das solchermassen nur Negatives in seiner Kindheit erfährt, ist so meine ich, Lebens-geschädigt. D.h. es leidet mehr oder weniger ein Leben lang unter seinen Eltern. Lt. Entwicklungs psychologie sind die ersten drei Lebensjahre auch Lebensprägend. Ein Heranwachsen erfolgt unter Verleugnung der traumat. Geschehnisse welche letztendlich, um ein Leben überhaupt erst zu ermöglichen, von der Persönlichkeitsentwicklung abgespalten werden. Fazit: Borderlinesyndrom welches auf Grund fehlenden Urvertrauens lebenslanger Angst bedingt. ..... Und die essen dann langsam Seele auf.

Ich liebe mich so toll:)
00
5.10.2009, 14:38

Zum Glück werden auch solche Kinder erwachsen und können dann hoffentlich irgendwann damit aufhören, sich wegen ihrer Schuldgefühle selbst zu bestrafen und ewig an negativen Gedanken und Gefühlen zu leiden, indem sie allen Opfern verzeihen, die sie so schlecht behandelt haben. Sonst sterben sie nämlich ein Leben lang an den Nachwehen. Ihrer Philosophie zufolge sucht man sich aber Eltern und Kinder selbst aus, sodass man es offenbar so braucht, um was zu lernen. Daran lerne ich noch.

erich1963
01
29.9.2009, 07:55
"Häufiges Geschlagenwerden geht einher mit geringerer Intelligenz"

...wohl einer geringeren Intelligenz der Eltern!

Ich liebe mich so toll:)
00
5.10.2009, 14:39

Dann auch der Kinder.

Kinder empfinden sich selbst als wenig wert und der Wert bestimmt sich nach der Behandlung, die man erfährt so bis 7 Jahre in etwa. So ein Mensch fühlt sich also scheiße und hält sich für den letzten Dreck, auch wenn er Superwoman/man ist.

keiner da
01
29.9.2009, 00:36

andere frage ... gibts zu der studie bzw dem ergebnis auch nen link, wo man den gesamten inhalt nachlesen kann?

keiner da
01
29.9.2009, 00:29

Die Körperstrafe ist in Deutschland und Österreich seit 1989 verboten. Kinder besitzen ein "Recht auf gewaltfreie Erziehung",

---

schön, wenn man das dann erfährt, wenn es zu spät ist. und ich glaube kaum, daß man rückwirkend ...

dr mike
00
29.9.2009, 10:48

Stimmt nicht. Mütter dürfen in Österreich ihre Kinder prügeln und seelische Gewalt ausüben ohne befürchten zu müssen dafür bestraft zu werden oder dass ihnen die Obsorge entzogen wird. Sollte ein Kind bevor es gestorben ist körperlicher Gewalt die von der Mutter zugelassen worden ist ausgesetzt ausgesetzt gewesen sein so drohen der Mutter Geldstrafen in der Höhe von 3000 €. s Fall Luca. Ein Bankräuber bekommt mindestens 2 Jahre.

LPFe
00
15.1.2010, 11:18
Sie haben geenrell ein Problem gel ?

nur weil Sie sich so auf die Mütter versteifen

dr mike
00
15.1.2010, 16:38

Wenn für sie diese Tatsachen keine Probleme machen haben wohl sie ein Problem

eva lindt
 
02
29.9.2009, 00:25
klingt plausibel

wir sind in der volksschule noch geschlagen worden. ich erinnere mich an zahllose situationen, wo ansonsten kluge kinder im angesicht des schon wutschnaubenden lehrerekels nicht einmal allereinfachste antworten geben konnten.

T-Minus1
01
29.9.2009, 12:36
.. allereinfachste Aufgaben ........

kindliche Sensibilität = psychische Erkrankung.
(in Zeiten wie Diesen.) so schaut,s doch aus.

Bei (weil Kreativ, weil philosophisch,eben weil
introvertiert) Abweichung von der Norm = psycholog. Konsequenz.Es ist die Frage zu stellen, - Was soll aus Kindern werden dennen man jegliches Eigenleben abspricht die an willkürlich festgesetzten Normen der Gesellschaft zerbrechen.

A Voice
00
29.9.2009, 11:53
das ist aber ein anderer Effekt

schlicht und einfach Panik. Der Körper schaltet auf Flucht und sonst geht nix mehr.

eva lindt
 
00
11.10.2009, 20:11
und ein gehirn

das die halbe zeit im panikmodus laeuft, kann sich halt nicht so gut weiterentwickeln.

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