Wer "EntwicklungsingenieurIn Metall und Kunststofftechnik" studiert, lernt die einzelnen Produktionsschritte in der Industrie kennen
"Viele Menschen denken an Autos oder Brücken, wenn sie das Wort ,Blech' hören", sagt Günther Schestak, "aber wo kommt das Blech dafür überhaupt her?" Bis aus dem Rohstoff Erz ein fertiges Produkt entsteht, sind viele Produktionsschritte nötig. Schestak erklärt anhand einer Darstellung, wie bei seinem Arbeitgeber, der Voestalpine
Stahl GmbH, der Rohstoff Erz zu Feinblech verarbeitet wird: Vom
Hochofen bis zum beschichteten Flachprodukt. "Unser Studium deckt fast den ganzen Produktionsprozess, der hier durchlaufen wird, ab", sagt er.
Schestak arbeitet seit zwei Jahren als Fachingenieur. Der 25-Jährige studierte an der Fachhochschule Oberösterreich "Material- und Verarbeitungstechnik" - damals noch als Diplomstudium. Heute heißt das Studium "EntwicklungsingenieurIn Metall und Kunststofftechnik" und wird seit dem Bologna-Prozess als Bachelor- und Masterstudium angeboten.
Praktikum und Diplomarbeit beim heutigen Arbeitgeber
Schestak hat sowohl das verpflichtende Berufspraktikum als auch die Diplomarbeit in Kooperation mit dem Unternehmen durchgeführt. "So ist man in der Firma auf mich aufmerksam geworden", erzählt er. Durch die bereits bestehenden Kontakte zum Unternehmen konnte er nach Studienabschluss dort zu arbeiten beginnen. "Ich schätze, 70 bis 80 Prozent der anderen Studenten sind ebenfalls in den Betrieben untergekommen, in denen sie Praktika gemacht oder Diplomarbeit geschrieben haben."
Das bestätigt auch Studiengangsleiter Daniel Heim: "Viele unserer Studenten arbeiten bei jenen Firmen, bei denen Sie das Berufspraktikum absolviert haben", sagt er. Die Jobs für Absolventen seien "lukrativ", im Vorjahr hätten alle Absolventen aus drei bis vier Jobangeboten wählen können. Die Wirtschaftskrise sei zwar spürbar, trotzdem seien die Berufsaussichten aber noch gut.
Schweißerlehrgang und Masterstudium
Wie viele andere Absolventen-Kollegen hat auch Schestak nach dem Studium den WIFI-Ergänzungslehrgang zum Internationalen Schweißfachingenieur absolviert. "Weil viele Inhalte in das Studium integriert waren, hat sich der Aufwand für den Schweißfachingenieur erheblich verkleinert", erklärt er. Obwohl der Linzer das FH-Diplomstudium bereits hinter sich hat und seit zwei Jahren im Berufsleben steht, macht er ab Oktober nebenbei den Master nach. "Damit schaffe ich mir die theoretische Möglichkeit für eine Dissertation in der Uni", erklärt der 25-Jährige.
"Globalere Denkweise"
Schestak sei übrigens der erste AHS-Absolvent gewesen, der dieses FH-Studium absolvierte. "Ich hatte zwar im ersten Semester Probleme in den technischen Bereichen, wo sich die HTL-Abgänger noch spielten", sagt er. Der Vorteil sei aber: Wenn man von der AHS kommt, denkt man nicht 100 Prozent technisch, sondern globaler." In den weiteren Semestern hätte sich die Sache außerdem umgedreht: Die HTL-Absolventen mussten sich plötzlich anstrengen, für Schestak, der das Lernen schon gewohnt war, wurde es entspannter.
Arbeit am PC und vor Ort in den Anlagen
Bei der Voestalpine ist Schestak für die Prüftechnik zuständig, "und zwar für viele prüftechnischen Fragestellungen, egal ob chemischer oder mechanischer Natur." Neben Projektmanagement und Auswertungen am PC verbringt er rund ein Drittel seiner Arbeitszeit vor Ort in den Anlagen, wo er die Produktion überprüft.
Um seinen Job besser zu veranschaulichen nimmt er ein Stück Blech in die Hand: "Für unsere Augen sieht die Oberfläche glatt aus. Aber unter dem Mikroskop merkt man, dass das nicht so ist." Es sei also notwendig, die Oberflächenrauheit der produzierten Bleche zu überprüfen: "Unsere Materialien müssen gewisse Spezifikationen erfüllen, und so kann man eine Aussage darüber treffen, wie die weitere Verarbeitung funktioniert." Ein Lackierer benötige für seine Arbeit beispielsweise eine andere Oberfläche als ein Umformer.
Eine weitere Aufgabe des FH-Absolventen ist die Zinkhaftungsprüfung: Hier gilt es festzustellen, wie gut das als Korrosionsschutz am Blech angebrachte Zink hält. Auch für die Ermittlung der mechanischen Kennwerte ist Schestak zuständig. Dabei gehe es etwa darum, zu überprüfen, wie widerstandsfähig ein Blech sei.
Nicht ablenken lassen
Die Wahl für das Studium fällte der Linzer übrigens aus ganz praktischen Gründen. "Die Fachhochschulen haben einen fixen Stundenplan, ein Abschluss ist also von Anfang an absehbar", so der 25-Jährige. Dass er in die Technik gehen würde, habe er ohnehin schon als 14-Jähriger gewusst. Wichtig sei ihm deswegen vor allem eines gewesen: Daheim zu studieren, um sich vom Studentenleben nicht zu sehr ablenken zu lassen. (mak, derStandard.at, 29.9.2009)