Ausgerechnet jetzt, wo der Welt so richtig eingeheizt wird, soll unser Bier vor die Hunde gehen?
Da hört sich der Spaß auf: Hat der Klimawandel bisher nur Marginalien wie die Existenz ein paar flach gebauter Inseln, die Eisbären oder das Zunehmen von Hungersnöten betroffen, so geht es plötzlich um unseren persönlichen Feierabend: Bier.
Tschechische Wissenschafter schlagen im New Scientist Alarm, dass der weltbeste Aromahopfen - jener aus Saaz (Zatec) - aufgrund gestiegener Durchschnittstemperaturen inzwischen massive Qualitätseinbußen verzeichne. Zuvor hat der neuseeländische Forscher Jim Salinger bereits nachgewiesen, dass die steigenden Temperaturen das Mälzen der Braugerste beeinträchtigen.
Ausgerechnet jetzt, wo der Welt so richtig eingeheizt wird, soll unser Bier vor die Hunde gehen? Auch gut, mögen Weintrinker einwenden: Trinken wir uns die Welt eben mit Spritzer schön.
Bloß droht auch an dieser Front Gefahr. Viele Winzer sehen sich immer weniger in der Lage, dem Grünen Veltliner jene saftige Säure mitzugeben, die die Erfindung des Spritzers erst notwendig machte. Halb so wild: Dann machen wir eben Tequila Sunrise zum neuen Nationalgetränk. Oder doch Piña Colada? (corti, DER STANDARD - Printausgabe, 28. September 2009)