Faymanns Bürde

27. September 2009 21:05

Der Kanzler muss eine Antwort auf die Erfolge der FPÖ finden, sonst ist seine politische Haltbarkeit abgelaufen

Die SPÖ verliert und verliert und verliert. In Kärnten, Salzburg, Vorarlberg und jetzt wieder ganz dramatisch in Oberösterreich, aber auch im Bund oder bei der EU-Wahl. Selbst AK oder ÖH - es steht ein Minus davor. Dieses Minus ist die Bürde des Werner Faymann.

Der Wahlverlierer des Tages ist SP-Landeschef Erich Haider, der auch die Verantwortung übernommen hat. Aber hinter ihm steht Faymann, der die anhaltende Talfahrt seiner Partei nicht von sich schieben kann. Da wird es auch eine Diskussion um seinen Kurs und um seine Person geben. Jetzt ganz vehement. Will Faymann diese Diskussion abstellen oder nur auf kleiner Flamme halten, wird er Konsequenzen ziehen müssen - auch personell. Dass die Partei nicht gut aufgestellt ist, muss auch dem gemütlichsten Funktionär bewusst geworden sein. Selbst Faymann dürfte das ahnen.

Der Kanzler spricht sich Hoffnung zu: Die Legislaturperiode sei lange genug, um irgendwann auch sachliche Erfolge kommunizieren zu können. Damit lügt sich Faymann in den Sack. Das Image des Verlierers nagt bereits an ihm. Das letzte Mal, als die SPÖ bei einer Wahl noch zulegen konnte, das war 2005 in Wien. Da konnte Bürgermeister Michael Häupl die absolute Mandatsmehrheit verteidigen. Ein Ergebnis, das den Roten heute Kopfzerbrechen bereitet: Es wird sich nämlich nicht halten lassen.

Der Wahlsieger vom Sonntag heißt Josef Pühringer. Ihm scheint man im Land eine Problemlösungskompetenz zuzutrauen. Mit prozentuellen Abstrichen könnte das auch für Josef Pröll gelten. Der ÖVP-Chef ist Finanzminister, in schwierigen Zeiten kann das von strategischem Vorteil (für die Partei und die Person) sein. Pröll und die ÖVP sind gut aufgestellt. Auch dank der attraktiveren Ressorts, die sich in schwarzer Hand befinden.

Bei der Positionierung als "Sicherheitspartei" in Konkurrenz zur FPÖ hat die ÖVP keine Skrupel, während sich die SPÖ nicht entscheiden kann, wie sie sich in Migrations- und Integrationsfragen positionieren soll. Praktisch spiegelverkehrt zu den Verlusten der SPÖ gewinnt die FPÖ. Und zwar ordentlich. Antisemitische Sager? Plus zwölf Prozentpunkte. Und in Wien bahnt sich das Duell Häupl gegen H.-C. Strache an. Die FPÖ zeigt, dass man ohne Inhalte, aber mit offener Fremdenfeindlichkeit punkten kann. Das ist nicht bloß das Problem ihrer Wähler, es ist das Problem der anderen Parteien, die der Xenophobie nichts entgegenzusetzen haben oder selbst fahrlässig damit spielen.

Die einzige Partei, die hier dagegenhält, sind die Grünen. Deren politische Relevanz wurde in Oberösterreich wieder umrissen: Auf den grünen Topf scheint ein Ergebnis um die zehn Prozent zu passen, in einem Bundesland wie Kärnten deutlich weniger, in Wien etwas mehr. Ein Aufwärtstrend lässt sich aus dem oberösterreichischen Ergebnis für die Grünen noch nicht ableiten. Es ist eher verwunderlich, dass sie nicht mehr aus ihrer Regierungsarbeit machen konnten.

Einen echten, durchgehenden Trend nach oben kann derzeit nur die FPÖ für sich verbuchen. Die Stimmen kommen von der SPÖ. Darauf muss Faymann eine Antwort finden, sonst ist seine politische Haltbarkeit abgelaufen. (Michael Völker/DER STANDARD-Printausgabe, 28.9.2009)

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sc AN
28.09.2009 22:44
G Ä Ä Ä H H H N

Christoph Karl Steininger
28.09.2009 15:36
Nach diesem Wahlkampf

in dem ja irgendwelche politischen Themen die Oberösterreich beträfen nicht zur Sprache kamen, auf die Idee zu kommen die Oberösterreicher hätten J. Pühringer gewählt und sonst ist nichts passiert, ist aberwitzig.
Diese Wahl ist bundespolitisch zu verstehen. Beispielsweise das Absacken in der Wählergunst des Welser Bürgermeisters: Über 30% minus ist rational nicht mit der Politik von Herrn Koits zu erklären. Insbesondere da die anderen roten Bürgermeister insgesamt ihre Position halten konnten.
Das war ein Denkzettel. Ein Weckruf verzweifelter Sozialdemokraten die sich schon halb abgewendet haben. Nach dem Motto: hört die Signale!

Man hört sie nicht.

der schnucklige sven
 
28.09.2009 17:19

ich stimme dem zu. auch mir scheint fällt immer wieder auf, dass eine partei, die in der bundesregierung wenig populär ist auch in den ländern und gemeinden stimmen verliert, und jene parteien, die in der bundesregierung eher beliebt sind, auch in den anderen ebenen davon profitieren. dass herr faymann nach so eklatanten wahlniederlagen sich noch immer keine gedanken über die zielsetzung und arbeitsleistung seiner partei macht, ist für mich enttäuschend.

aunty
28.09.2009 16:25

aber der kleine schöne werner faymann wird schon noch irgend einen grund finden, um es nicht auf die bundes spö schieben zu müssen....

Bank Rott
28.09.2009 13:30

So viele Analysen, jetzt gebe ich meine auch ab.

Ich analysiere und komme zum Schluss, Schuld ist der standard.at!!

Der standard.at setzt "unnötig" in Verbindung mit "rot".

Freue mich, geholfen zu haben! ;)

orso minore
28.09.2009 14:52

Warum haben die Gruenen dann nicht mehr Stimmen ;-)

Bank Rott
28.09.2009 15:11

Weil die Grünen nur "interessant" und nicht "brillant" sind.

Also nur ein kümmerliches Grünes!! ;)

Erisian Liberation Front
28.09.2009 12:11
Faymanns Bürde

Nöö, wohl eher "Die Bürde Faymann"
Für die Paddei und das Land.

Die letzte Personalreserve der Paddei war Klima und der hat schon nach überlagert gestunken.

schnurri (so heisst mein auto)
28.09.2009 11:05

was man sagt beinhaltet auch, was man nicht sagt.
es ist einfach provokant immer wieder ueber
- die armen asylanten
- die armen frauen
- die armen notstandsbezieher
zu hoeren, wenn man selber probleme hat.
links/ gruen hat den arbeitenden mittelstand verloren.
in oesterreich und nur hier. fuer immer.

rae spiegel
 
28.09.2009 18:49
die realität scheint bei dir ja etwas vorbei zugehen...

The Dark
28.09.2009 12:57
wie oft hört man

die armen Arbeiter, die armen Billaverkäuferinnen, die armen Freiberufler etc.?

Wie oft wird über die (arme) Billaverkäuferin im Fernsehen gesprochen wie oft über (arme) Asylanten?

mitrovic dejan
28.09.2009 11:04
Fayman ist kein"Führer"

Österreicher mögen "Führer".Jemand der zum sagen hatt und der starke mann an der spitze ist.Fayman gilt als Softy.Er ist kein Populist.Früher wahr das gut aber in heutigen zeiten brauchen leute eine karismatische figur die masse bewegt und gute retorika ist,mit dehm sich sie indetifizieren können.Nach dem moto kürz und bündigt,und vom allen trefend.Angstmache von was imer noch ist erwünscht.Ein instalater macht nur geschäfte mit ihnen wehn er sie warn von austretende Gas und bevorstehende explosion sonst würde ihnen nimals neue therme verkaufen können.Angst mache egal in Wirtschaft oder in Politik ist was normales und profitables.Övp ist zimlich gut in dem anprangen von bedrohungs szenario.Nur Spö ist eine grupe von diletanten und anfänger.

Kriti Kaster
28.09.2009 16:31
Faymann ist ein klassischer Fall des Peter-Prinzips

Die Wiener Wohnhäuser zu verwalten ist das ein, Bundeskanzler ist halt doch was anderes.

hundestreichlerin
28.09.2009 10:57
Hauptsache...

...der herr faymann braucht zwei pressesprecher!! Wofür?

Walter J. Ferstl
28.09.2009 13:07
Pressesprecherin von Faymann

ist Frau Feigl (die mit den bedrohlich quakenden Enten am Ufer des Bodensees, die laut ihrer Intervention beim ORF "auf keinen Fall zulassen" wollte, dass "ihr Chef" zur Lachnummer degradiert würde...)

Eine von Frau Feigl befürchtete allfällige Komödie um eine Person hat sich mittlerweile als Tragödie um eine Partei herausgestellt.

BobDuke
28.09.2009 10:56
Habe nie verstanden warum Feymann...

... mit wesentlich weniger Format (intellektuell, zielorientiertheit, etc.) als Gusi diesen ersetzen sollte.
Nur um Dichand zu huldigen? Das war schon im Sommer 2008 als sehr kurzsichtig erkennbar. Hat die SP wirklich so wenige 'Leuchten' in Reserve?

hotibaer
28.09.2009 10:48
na da wird der pfeiman wieder ein briefchen an den dichand schreiben....und alles wird wieder gut

Plinius
28.09.2009 10:47
tja, wenn man...

...einen Trampl zum Parteivorsitzenden macht darf man sich nicht wundern wenns Wahlniederlagen setzt. Einer der lieber mit einem Herausgeber eines Hetzblattls kuschelt und für alles andre blind ist, hat nichts als Parteichef verloren!

witherabbitt
 
28.09.2009 22:04


Wer nicht einmal die Rochade mit Dichand versteht (1. Taktik, 2. Gesprächsangebot an EU-Kritiker) sollte mit der Festlegung seines politischen Standpunktes zurückhaltender sein. — Das Problem der SPÖ nach Kreisky ist, daß die Genossen begonnen haben, zu verstehen, wie die kapitalistische Wirtschaft funktioniert, und allmählich eingesehen haben, daß ohne Kapitalismus keine Umverteilung möglich ist. Leider ist mit dem Schwenk zu Hayek's Ökonomie die Umverteilung grundsätzlich als gesellschaftsfeindlich erklärt worden, obwohl diese bis zur Mitte des 20. Jhdt. akzeptiert worden ist. Das ist pure Ideologie, der in einer exportorientierten Wirtschaft regional nicht entgegengetreten werden kann.

mikromalist
 
28.09.2009 10:38
Die neue SPÖ wird nur

mehr von den Alten als Anker verstanden.
Von jenen, welchen es ziemlich wurscht ist, was morgen ist.
Sie wird als Anti-Zukunftspartei verstanden.
Entsprechend werde die weiteren Ergebnisse ausfallen.

Ein über-60-jähriger.

snakeskin09
28.09.2009 10:33
Voves könnte Lafontaine Österreichs werden

Franz Voves hätte Wurzeln und Popularität für den Neuaufbau einer solchen neuen Links-Partei in Österreich. Gemeinsam mit der SPÖ und den Grünen könnte so eine linke Koalition Österreich für Jahrzehnte regieren.
Vermutlich ist ihm das aber zu mühsam.

Kriti Kaster
28.09.2009 16:33
Der Voves ist doch

so einer wie der rote Haider, nur mit besseren Anzügen.

Kriti Kaster
28.09.2009 16:32
So eine Mehrheit wie in Deutschland?

defribilator
28.09.2009 13:07
eine linkspartei wie die in deutschland

braucht keiner.

Jo H
28.09.2009 12:11

eine linke mehrheit wirds in österreich nicht so schnell spielen.

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