Ein Studio in Brooklyn hat da eine Idee, wie das Leben bunter wird: weiße, grüne, blaue Striche bis hin zu blutroten Flecken
Mit Contrail hat das Studio Gelardi ein Werkzeug erfunden, mit dem der Radl-Alltag bunter wird. Es handelt sich dabei um eine kleine Box aus Kunststoff, die unter dem Sattel am Rahmen montiert wird. Und zwar so, dass jenes kleine Rad, das aus der Box ragt, durch den Hinterreifen angetrieben wird. In dem Behälter unter dem Sattel befindet sich Kreidepulver, welches über das Rädchen auf den Reifen übertragen wird. So hinterlässt man beim Fahren einen Strich am Boden - mit farbiger Kreide können mitteilungsbedürftige Radfahrer ihrer Stimmung Ausdruck verleihen. Ob es schwarze Kreide geben wird, konnte ich aber noch nicht herausfinden, ist aber eh wurscht, weil, um mit dem Fahrrad schwarze Striche zu ziehen, braucht man den Contrail sowieso nicht.
Wozu das ganze Kreidenspiel? Zum einen natürlich, weil es fesch aussieht und Farbe in den Alltag bringt. Das Studio Gelardi sieht in seinem Contrail ein Tool zur Bildung von Fahrrad-Communities. Wie ein Hund beim Morgenspaziergang erkennt, ob vor ihm schon jemand an dem Hydranten lehnte, der mit ihm nicht nur die Gangart, sondern auch die Sprache teilt, weiß der Contrail-Fahrer sofort, wenn ein Contrail-Fahrer unlängst in seinem Revier radelte.
Die Kreide im Behälter reicht für über 30 Kilometer, laut Studio Gelardi. Man kann also bei Kreidespuren im Revier davon ausgehen, dass der Strichemacher kein Zugereister ist, sondern wohl eher sesshaft, weil Tourenfahrer anderes zu denken haben als, ob der Kreidebeutel eh die Verfolgung möglich macht.
Kenner werden aufgrund der Fahrrad-Reifen-Striche bald ganz neue Informationen gewinnen können. Mehr als nur "Viele Striche heißt viele Radfahrer", "So wie dieser Strich die Kurven schneidet, muss ein schnittiger Jüngling mit dem Rad unterwegs sein" oder "Das Zickzack muss mein Mann gewesen sein, als er sich gestern vom Brandweiner von seinem Rad nach Hause bringen hat lassen" oder "Die geschwungenen Linien lassen auf einen Menschen mit ausgeprägt altruistischem Charakter schließen".
Und hat man einen Strich gefunden, über dessen erzeugenden Hinterrad man ein passendes Pedant für den Kaffeetratsch vermutet, kann man sich ja an die Verfolgung machen und dann Plaudern bis die Mundwinkel platzen. Ein paar Gesprächsthemen sind ja schon aufgelegt: "Das Liebesleben der Streifenhörnchen", "Grüne Striche vor der roten Ampel", "Navigation nach der Hänsel-und-Gretl-Methode".
Das stärkste am Contrail-Konzept ist aber das Thema Sicherheit. Dort, wo es sicher ist, fahren viele Radfahrer, wo viele Radfahrer unterwegs sind, entstehen viele Striche, und somit markieren sich die sichersten und besten Radrouten von ganz allein. Mit dem Contrail-Marker werden die sichersten Radwege dann wieder Kommunikationsknotenpunkte, denn wo viel Kreide am Boden ist, werden sich nach dem Bremsen auch viele Radfahrer zur Kreide gesellen. Und bis die Rettung kommt, kann man ja lustige Bilder mit dem Nasenblut malen. Die Warnung wird den Zweck nicht verfehlen, und Contrail-Radler werden mit Kreidestrichen einen Weg um den Blutfleck markieren, bis dort einer heftiger bremsen muss.
Noch ist der Contrail nicht in Produktion gegangen - aber sobald es ihn im Handel gibt, sieht man das ohnedies auf der Straße. (Guido Gluschitsch)