Staberl und die Mondlandung

28. September 2009, 18:14
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    foto: apa/epa/nasa

    Ein kleiner vorsichtiger Schritt ...

Wie haben österreichische Zeitungen die Mondlandung kommentiert? Eine Seminararbeit blickt zurück

Zum 40. Mal jährte sich vergangenen Juli die bemannte Mondlandung der amerikanischen Apollo 11 Mission. Übertragen via TV vermochte die NASA es weltweit Millionen von ZuseherInnen zu bannen. Bernhard Blank hat sich auf erfrischender Weise im Rahmen seines Geschichte-Studiums mit der medialen Rezeption der Mondlandung in Österreich auseinandergesetzt.

Sputnik und Apollo: Wie war das noch mal?

Als die Exkursion ins All am 16. Juli 1969 startete, hatten die Sowjets nicht nur drei Tage zuvor ebenfalls die (unbemannte) Sonde Luna 15 zum Mond gestartet, sie waren ebenso schon seit 18 Jahren erfahrene Weltraumfahrer. Nachdem 1957 Sputnik 1 erfolgreich in den Orbit verfrachtet wurde, folgte noch im selben Jahr die Hündin Laika. Vier Jahre später schoss man ihren menschlichen Berufskollegen Juri Gagarin in eine Erdumlaufbahn. Und die Amerikaner? Die schickten mit jeweils einem Jahr Verspätung Satellit und Mensch ins All. Der Imageschaden als wegweisende Nation wurde daher ebenso mit Sorgen betrachtet, wie die Entwicklung reichweitenstarker sowjetischer Raketen. John F. Kennedy stimmte daher 1961 der Finanzierung einer bemannten Mondlandung zu, die fast so viel kosten sollte wie später der Vietnamkrieg.
Längst vergessen ist allerdings die Luna 15, mit der die Sowjets versuchten den Amerikanern in letzter Minute den Rang abzulaufen, in dem sie mit der Sonde Material vom Mond auf die Erde holen wollten. Kein Wunder, ist sie doch bei der Landung auf dem Mond zerschellt.

Ein großer Schritt für die Menschheit?

Österreichische Zeitungen feierten die Mondlandung der Amerikaner als neues Jahr Null, äquivalent mit der Erfindung von Dingen wie Faustkeil, Rad, Hebel oder Schrift. Doch der Anfang des damals von der Presse proklamierten lunaren Zeitalters ließ Tageszeitungen nicht wie gewünscht ausschließlich über die USA als technische Großmacht berichten. Im Gegenteil, die mediale Inszenierung technischer Mächtigkeit lenkte den Blick förmlich auf die sozialpolitischen Probleme der USA. "Triumph der Wissenschaft! Triumph der Technik! Triumph der Vereinigten Staaten von Amerika! Triumph der Menschheit! Doch die Schande wohnt gleich nebenan!", resümierte Staberl in der Kronenzeitung.

Und außerdem: Was hatte Österreich damit zu tun?

Wie Blank herausstreicht, litt die österreichische Presse auch schon am Ende der 1960er Jahre an dem, was man als kleinstaatliches Unwichtigkeits-Syndrom bezeichnen könnte: So konstruierten verschiedene JournalistInnen einen österreichischen Beitrag am Raketenstart herbei, der speziell über jene Mitarbeiter des nationalsozialistischen V2-Raketenprogramms hergeleitet wurde, die aus Österreich stammend nach dem Krieg zur Raketenentwicklung in die USA auswanderten.

TV-Ereignis Apollo

Die aktive und offene Medienpolitik der USA machte die Mondlandung allerdings zu einem der wichtigsten Medienereignisse des 20. Jahrhunderts. "Alle" saßen vor dem Schirm, als der ORF seine bis dahin längste Sendung von insgesamt 27 Stunden präsentierte. Zum ersten Mal teilte die Welt die Zeugenschaft an einem Geschehen, das ohne TV nicht bezeugt werden konnte. Dabei war die Sache für die USA keineswegs risikofrei. Als man 1957 noch vor der Sowjetunion einen Satelliten ins All schießen wollte, war die Trägerrakete Vanguard nach einsekündigem Flug als gigantischer Feuerball explodiert.

Das traurige Schicksal der Mondlandung

Dass die Mondlandung heute oft als potenzielles Hollywoodprodukt öffentlich diskutiert wird, liegt möglicherweise auch am geschulteren TV-Auge späterer TV-KonsumentInnen. Zuletzt hat allerdings die NASA selbst mit der Nachricht von verschwundenen Originalaufnahmen die Spekulationen angeheizt (von Armstrongs erstem Schritt sind nur die live übertragenen Fernsehbilder erhalten). Die Magnetbänder mit den Livemitschnitten des ORF wurden übrigens schnell wieder neu bespielt, denn es gab wichtigeres zu dokumentieren: Skispringen zum Beispiel. 

Nichtsdestotrotz bleiben Mondlandung und Raumfahrt offensichtlich faszinierend, was sowohl die geplanten Weltraumflüge von Virgin Galactics zeigen, als auch Bernhards Blanks ausgesprochen lesbare und österreichbezogene Seminararbeit.

Bernhard Blanks Seminarbeit "Die Rezeption der Mondlandung in Österreich" (2007) ist auf textfeld.ac.at im Volltext nachzulesen.


Der Autor

Bernhard Blank verfasst zurzeit seine Diplomarbeit am Institut für Geschichte der Universität Wien zu den Geschworenenprozessen gegen die Eichmann-Mitarbeiter Franz Novak und Erich Rajakowitsch in Österreich (1961-1986).

Der Rezensent

Jakob Calice ist Mitarbeiter von textfeld und schreibt als Stipendiat der Leeds Metropolitan University seine Dissertation über alpinen Wellness- und Natur-Tourismus.






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Posting 1 bis 25 von 74
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safado
00
20.10.2009, 21:36

also entweder das apollo programm war so richtig teuer, der vietnamkrieg ein schnäppchen oder irgendwer hat da nicht ganz richtig gegoogelt :-)

grandw
00
22.2.2010, 18:26

Menschenleben hat es sicherlich weniger gekostet.

Dein schönster Traum
04
1.10.2009, 09:24
Ich fürchte fast...

...daß wir nie wieder ins All zurückkehren werden.

Vielleicht muß sich die Menschheit, dank unserer unfähigen und beschränkten Politikervollkoffer, damit abfinden, daß wir "Heimscheißer" sind.

Dann wäre die Mondlandung '69 eben der Gipfel unserer Entwicklung als Zivilisation, unser "peak of civilisatory development" gewesen.

grandw
00
22.2.2010, 18:29

Wohl eine Sache des Antriebes, wir kämen sowieso fast nirgends hin auch wenn wir wollten.

Mars ist wohl das weiteste realistische Ziel für bemannte Missionen. Und selbst das dauert schon 2 Jahre bei günstiger Konstellation.

Eine Kreatur
01
30.10.2009, 23:29
glauben sie mir ..

solange sich die menschheit nicht psychisch und damit sozial weiterentwickelt, will nichts und niemand die menschheit unnötig weit entfernt von unserem heimatplaneten sehen .. die menschen könnten sich ja sonst ausbreiten

die menschen - die "spaceballs" des universums ;-)

jokergirl
00
20.10.2009, 12:21

Äh... du meinst, ausser den Astronauten auf der ISS, die sich im Moment im All befinden?

Was ist denn dein Begriff von "All"?

;)

Meine Wenigkeit mit viel Senf
63
2.10.2009, 11:06
Was hat Zivilisation

mit einer Mondlandung zu tun?

Zivilisation ist wohl eher: Die Probleme auf der Erde lösen. Die wären neben Klimawandel vor allem Ausbeutung, Rassismus und Krieg.

In wie weit löst man die durch enorme Geld- und Energieverschwendung bei Weltraummissionen?

t 3
 
06
4.10.2009, 20:37
eigtl.

eine ganze menge. wenngleich es sicher entscheidend ist, dem sprunghaften technischen fortschritt des letzten jahrhunderts auch ein sozialen solchen folgen zu lassen.

ps: ich kann mir gut vorstellen, dass in den tagen der mondlandung die welt mehr "beisammen" war als jemals zuvor (und wohl leider auch danach). alleine deswegen sollte es das öfter geben statt seltener.

und verglichen mit den kriegsanstrengungen rund um den globus nehmen sich die kosten für die bemannte raumfahrt nicht einmal wie die sprichwörtlichen peanuts aus...

Eine Kreatur
01
30.10.2009, 23:32
"beisammen"

kam auf den politischen machtblock an, in dem mensch sich damals befand :-))))

abgesehen davon gebe ich ihnen voll recht .. die menschheit hat sich technologisch rasant fortentwickelt, aber psychisch hat sich die gesellschaft als solches in den letzten jahrtausenden nicht sonderlich weiterentwickelt .. das ist auch der einzige hemmschuh der menschheit, die menschen selbst ..

Jakob60
00
2.10.2009, 21:17

Die Perspektive vom Mond aus hat den Herrschern der diversen irdischen 'Weltmächte' gezeigt, wie klein sie selbst sind (beide, die Weltmächte und erst recht die Herrscher). Nixons Besuch in der UdSSR fand in der Zeit des Mondprogramms statt, beispielsweise.

sag mir alles
02
30.9.2009, 20:05
kleinkarriertes österreich

Die Magnetbänder mit den Livemitschnitten des ORF wurden übrigens schnell wieder neu bespielt, denn es gab wichtigeres zu dokumentieren: Skispringen zum Beispiel.

daran hat sich auch heute noch nichts geändert !

jokergirl
00
20.10.2009, 12:23

Das gibt mir eher ein grosses "Na und?" auf.
Dass die Live-Mitschnitte überspielt werden... eigentlich keine grosse Sache.
Dass die Originalbänder überspielt wurden, ist allerdings eine Misere in einer viel grösseren Dimension...

;)

Eine Kreatur
01
30.10.2009, 23:34
live mitschnitte nicht zu dokumentieren ist ein drama für sich ..

glauben sie etwa, dass live-mitschnitte nicht aufgezeichnet werden?

filmdokumente globaler ereignisse zu schrotten ist aber schon eine aussergewöhnlich überragende fehlleistung ..

Dagobert Drache
00
29.9.2009, 19:57
"MEN WALK ON MOON"

schrieb die NY Times, wie ich aus "Dumm & Dümmer" weiß. Was schrieben die Zeitungen eigentlich, als die UdSSR den Wettlauf ins All gewann und den ersten Kosmonautenpiloten in die Umlaufbahn brachte?

johann potakowskyj
 
00
3.10.2009, 13:29
auch der westen gab sich sehr begeistert

... nicht ganz ohne intrige. russland hat immer erst erfolgreiche raketenstarts der presse bekanntgegeben. da es damals ja noch keine satellitenüberwachung gab, konnte man ja missglückte raumfahrabenteuer noch nicht so konrtollieren.

so vermutete man eine anzahl menschenopfer bevors das ertsmal zufällig geklappt hatte.

Dein schönster Traum
00
29.9.2009, 18:46
Laßt mich raten...

...das Kleinformat hatte ein Rufzeichen hinter der reißerischen Schlagzeile?

mayall
00
29.9.2009, 17:12
Staberl ?

Lebt der eigentlich noch ?

Para Dox
02
29.9.2009, 16:33
Staberl hat später

aber zu den Verschwörungstheoretikern gehört, die der Meinung sind, dass die Mondlandung in einem Filmstudio inszeniert wurde. Zumindest habe ich eine solche Aussage von ihm gelesen, als ich in den 80ern einmal zufällig die Kronenzeitung gelesen habe (ich weiß, das mit dem "zufällig" glaubt jetzt eh keiner).

santamonica
10
29.9.2009, 13:03
John F. Kennedy stimmte daher 1961 der Finanzierung einer bemannten Mondlandung zu, die fast so viel kosten sollte wie später der Vietnamkrieg.

ich kanns nicht glauben

aRoma
01
29.9.2009, 14:50
was können Sie nicht glauben?

die hohen Kosten der Mondlandung?
die hohen Kosten des Krieges?

Interessant: die Kosten für eine geplante Marslandung werden auch laufend mit dem Afghanistan- u. Irakkrieg verglichen.

soziale Ängste des blassen Mannes
113
29.9.2009, 11:19


Den Amis ist alles zuzutrauen, ein gewisses Misstrauen ist daher angebracht!


http://tinyurl.com/ykkjp92

yada yada yada
03
29.9.2009, 17:49
Mythbuster Folge zur Mondlandung

Wehende Fahne:
http://www.youtube.com/watch?v=9EMr8H1vmOo

Fußabdruck im Vakuum:
http://www.youtube.com/watch?v=_-W9CO1k7UY

Mondspaziergang nur Slow-Motion?:
http://www.youtube.com/watch?v=Y-DQPgHkD8A (teil 1)
http://www.youtube.com/watch?v=YyyjolYQnnQ (2)

Fotos mit mehreren Studiolichtquellen?:
http://www.youtube.com/watch?v=2YHBr7yvhwY


all myths busted ;)

4th wall commentary
10
19.10.2009, 23:45

Vor Jahren hab ich mal in eine Doku dazu gesehen. Was damals gezeigt wurde, waren Fotos, bei denen teilweise Markierungskreuze hinter Objekten auf der Mondoberfläche verschwanden. Habe dazu später nie wieder was gehört.

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