Die Österreicher halfen beim Schmuggeln

25. September 2009, 19:11
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    foto: christian thiel

    Die Angst vor dem DDR-Regime thematisiert Thomas Klingenstein noch heute in seinen Bildern. Er lebt wieder in Berlin, diesmal im Westen.

Dissident Thomas Klingenstein musste die DDR verlassen, weil er zu kritisch war

Berlin - "Aus. Vorbei. Das ist das Ende deiner Laufbahn in diesem Land." Erst 17 Jahre alt ist Thomas Klingenstein, als ihm dies klar wird. Der Ost-Berliner Schüler hatte sich 1978 geweigert, eine kritische Mitschülerin zu verraten. Das Studium der Japanologie wurde ihm daraufhin verwehrt, er durfte nur als Aufsicht im Berliner Pergamon-Museum arbeiten.

Doch das hält den jungen Mann nicht davon ab, kritisch zu denken. "Es war eine sehr einsame Zeit", sagt Klingenstein heute über diese Jahre zum Standard. "Damals gab es noch keine Oppositionsbewegung, auch aus den Kirchen kam noch kein Widerstand. Nur einzelne Künstler und Intellektuelle meldeten sich zu Wort."

Klingenstein nimmt Kontakt zu den Regimekritikern Robert Havemann und Rudolf Bahro auf. Dass er damit auch ins Visier der Stasi gerät, ist ihm klar. Und so beginnt Klingenstein sein persönliches Programm der Vorsichtsmaßnahmen: Er wohnt in verschiedenen Wohnungen zur Untermiete. Er bespricht Kritisches grundsätzlich außerhalb der Wohnung. Selbst dabei ist er immer auf der Hut: "Man hat die Schere im Kopf und überlegt immer, wem kann man etwas erzählen." Nicht alleine, weil er niemandem mehr traut, sondern auch, um Kontaktpersonen nicht auch noch selbst zu gefährden.

Diese "Disziplin" sei "unglaublich anstrengend und überhaupt nicht jugendgemäß" gewesen, erinnert sich Klingenstein. Über eine ehemalige Mitschülerin bekommt Klingenstein Kontakt zur österreichischen Botschaft in Ost-Berlin und lernt den österreichischen Pragmatismus kennen: "Wir sind zwar neutral, aber a bisserl helfen können wir schon." Von Botschafter Hans Walser abwärts übernehmen Mitarbeiter der österreichischen Auslandsvertretung Kurierdienste für Klingenstein und schmuggeln für ihn Post in den Westen. So kann der junge Mann seine eigenen Gedichte und auch die Korrespondenz anderer Schriftsteller nach Westdeutschland schaffen.

Der Münchner Piper-Verlag veröffentlicht seine Gedichte im Jänner 1981. Doch drei Monate zuvor wird Klingenstein verhaftet. "Man rechnet ja immer damit, aber als es dann so weit war, war es schon ein Schock", sagt er. Zahlreiche Künstler und Politiker, darunter auch Österreichs Bundeskanzler Bruno Kreisky, protestieren. Daraufhin stellt ihn die DDR-Führung vor die Wahl: entweder Gefängnis oder Ausreise für immer. Klingenstein zögert keine Sekunde und verlässt die DDR im Februar 1981.

Er lebt in Paris und Japan, jetzt wieder in Berlin. Noch heute wirken die Repressalien des kommunistischen Systems nach - jedoch nicht nur negativ. Klingenstein: "Wer die DDR in aller Härte kennengelernt hat, der weiß Freiheit sehr zu schätzen." (bau, DER STANDARD/Printausgabe 26.9./27.9.2009)

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