Techno

Das Ende des Frontalunterrichts

25. September 2009, 17:44
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    foto: dpa

    Von der Anarchie der frühen Tage nach dem Mauerfall zum global vermarkteten Freizeitunternehmen: Techno aus Berlin.

Mit dem Mauerfall stieg Techno zur globalen Bewegung auf

Wien - Der deutsche Musiker und Schriftsteller Thomas Meinecke beklagt in seinem aktuellen, im Nautilus-Verlag erschienenen Gesprächsband Die Bundesrepublik Deutschland den Herbst 1989 spitzfindig wie vermutlich nicht ganz unrichtig als jene Zeit, in der gleich nach dem Mauerfall aus dem Osten "noch mehr Nazis" in den Westen gekommen seien.

Mit den aus dem Realsozialismus flüchtenden Unbelehrbaren kam dann allerdings auch eine Welle von Leuten, die das Feld einer damals längst in die Breite der (westlichen) Realpolitik ausstrahlenden Popkultur entscheidend verändern sollte. Unter den frühen Gästen war etwa auch die legendäre, damals vom Satiremagazin Titanic unfreiwillig zur frühen Ikone der deutsch-deutschen Verbrüderung gebastelte "Ostzonen-Gabi" . Diese verzehrte auf einem legendären Coverfoto eine halb geschälte Speisegurke: "Ostzonen-Gabi im Glück: Meine erste Banane!"

Die am 1. Juli 1989 erstmals mit nur gut 100 Leuten gefeierte Love Parade in (West-)Berlin war nur die Vorstufe. Richtig groß wurde die damals noch in ihren bescheidenen Anfängen steckende Techno-Bewegung erst mit dem Mauerfall. Das Motto "Drei Tage wach" verdankt sich demnach nicht nur vor dem Wehrdienst ins alte Westberlin geflüchteten zukünftigen Studienabbrechern, Klein- und Lebenskünstlern. Die aus dem Schwäbischen oder Baden-Württembergischen zugezogenen Kreuzberger konnten schon von den späten 1960er-Jahren herauf die Nacht perfekt zum Tag machen.

Der entscheidende Durchbruch Berlins und damit gleich ganz Deutschlands zur Techno-Weltzentrale kam damals allerdings mit den Ossis. Hier war unvermutet nicht nur ein von null in die Vollen gehendes Arsenal von partywütigen Feierabend-Schichtlern vorhanden. Diese wollten gern und regelmäßig und mehrere Tage im Block nicht mehr im Alltag funktionieren.

Die fröhliche wie kurzfristige Umstellung vom gesellschaftlichen Frontalunterricht der DDR auf anonymen wie gleichmacherischen West-Hedonismus der gern auch illegalen und in verlassenen volkseigenen Fabrikshallen zelebrierten Techno-Partys mit ihren anfangs das Starprinzip ablehnenden DJ-Protagonisten sorgte auch für eines: Die Verhältnisse machten sich notwendigerweise locker.

Zehn Jahre später ballerten sich am Höhepunkt von Techno 1,5 Millionen Besucher auf der Love Parade das Kurzzeitgedächtnis weg. Der Osten war inklusive "Modernisierungsverlierern" im Westen angekommen. Die hedonistischen wie zart anarchistischen Anfänge waren laut Lehrplan des Kapitalismus in eine durchgeplante Freizeitwirtschaft übergegangen, das "Geschäft" des Techno ein millionenschweres geworden.

Heute gelten die vorzugsweise im ehemaligen Osten stehenden Clubs wie das Berghain als beliebtes Wochenend-Shangri-La für eine globale Meute von Party-Kindern, die sich ihren gesellschaftlichen Kurzzeitausstieg leisten können. Geschlafen wird am Sonntag während des Rückflugs nach New York, Paris, Tokio. Hartz IV bleibt. Und die Verballermannisierung einer kurz aufregenden Auflehnung ebenso. (Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe 26.9./27.9.2009)

Anstaltskind
00
28.9.2009, 15:32
noch nie was von TEKKNO FREE PARTY`S gehört

NA ja, ein bisschen bessere recherche wäre schon gut.
Überall in ganz Europa gibt es eine sehr strake autonom gepägte Szene die mittlerweile in ganz Europa vernetzt is und politisch wie musikalisch sehr strak aktiv. zB frankreich 5000 -10 000 Besucher usw
FREE PARTY`S FOR FREE PEOPLE !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dan Protivnosti
00
27.9.2009, 00:40

man zeige mir einen schachinger/fluch-artikel ohne recherchefehler ....

es hieß nicht "ostzonen-gabi" sonder "zonen-gaby (17) im glück (BRD): meine erste banane"!
ist doppelt so lustig und halb so falsch wie die schachinger-version.

http://data55.sevenload.com/slcom/up/... Banane.jpg

safeasmilk
11
25.9.2009, 19:23

leider ist der letzte absatz irrführend.
klar gibt es ballermann-clubs in berlin wie anderswo auch. tatsächlich aber hat die szene von der kommerzialisierung ende der 90er jahre viel gelernt und sich daraufhin gepflegt in den untergrund zurückgezogen. so abwechslungsreich und spannend wie in der jüngeren gegenwart war die berliner techno-szene noch nie zuvor. übrigens, wien wird auch immer besser. gruss von der spree.

randy handsome
00
27.9.2009, 12:03
da kann ich aus eigener

....erfahrung zustimmen. berghain und co sind nur die bekanntesten clubs, obwohl ich jetzt auch nicht ballermann dazu sagen würde, dazu ist die qualität der musik einfach zu gut im vergleich zu irgend einer mallorca disse. berlin hat aber viel mehr als das zu bieten. da dies oft im untergrund abläuft, kann die breite masse da natürlich ein anderes bild davon haben.

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