"Sie gaben alles auf, um frei leben zu können"

25. September 2009, 14:27
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    Hans-Dietrich Genscher am 5. Dezemberdes Mauerfall-Jahresin Moskau.

     

Am 30. September 1989 verkündet BRD-Außenminister Genscher den DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft, dass sie in den Westen dürfen

Am 30. September 1989 verkündet BRD-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) den DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft, dass sie in den Westen dürfen. Den bewegenden Moment beschreibt er Birgit Baumann.

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Standard: Ab wann war Ihnen 1989 klar, dass die DDR nicht mehr lange existieren wird? Schon bei der Grenzöffnung zwischen Österreich und Ungarn im Mai?

Genscher: Im September 1988 hatte ich ein Gespräch mit dem sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse bei den UN in New York. Ich wies darauf hin, dass im Sommer 1989 mit Massendemonstrationen in der DDR zu rechnen sei. Ich fügte hinzu, es dürfe sich nicht wiederholen, was am 17. Juni 1953 in der DDR geschah, als sowjetische Panzer aus den Kasernen ausrückten und auf deutsche Bürger schossen.

Standard: Wie reagierte die Sowjetunion darauf?

Genscher: Schewardnadse sagte damals, nach Meinung des Kreml sei die DDR stabil, aber er wolle Michail Gorbatschow berichten. Im Mai 1989 sah man das in Moskau offensichtlich ähnlich wie ich. Die Massenflucht nach Ungarn und dann nach Prag und Warschau bestätigte mich in meinen Erwartungen. Wann die Mauer fallen würde, konnte niemand voraussehen.

Standard: Wenn Sie an das Jahr 1989 zurückdenken, welcher war der bewegendste Moment für Sie?

Genscher: Ganz sicher der Abend auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag. Das war am 30. September 1989. Tausende DDR-Flüchtlinge harrten dort im Garten aus und wollten nach Westdeutschland weiterreisen. Hinter mir lag eine Woche schwierigster Verhandlungen am Rande der UN-Vollversammlung in New York - mit den Außenministern Eduard Schewardnadse und Oskar Fischer, also Moskaus und Ostberlins. Dann hatte ich endlich ihr Ja zur Ausreise bekommen.

Standard: Als Sie dies vom Balkon der Botschaft aus den Menschen verkündeten, war der Jubel unbändig. War Ihnen da schon klar, welche Folgen dies haben würde?

Genscher: Das erwartete ich schon, aber noch mehr erwartete ich - und auch hier hatte ich es richtig vorhergesehen - lauten Widerspruch, als ich sagte, dass die Fahrt der Züge durch die DDR gehen würde.

Standard: Sie waren damals gesundheitlich schwer angeschlagen, hatten Herzrhythmusstörungen. Warum war es Ihnen so wichtig, persönlich zu den Menschen in der Botschaft zu sprechen?

Genscher: Ich reiste selbst nach Prag, weil ich für die Menschen im Garten der Botschaft einer von ihnen war. Ich hatte ja auch meine Heimat in der DDR verlassen. Ich konnte auch ihre Sorgen verstehen, aber mir vertrauten sie auch, als ich sagte, es werde ihnen nichts geschehen.

Standard: War der Abend in Prag ein Wendepunkt?

Genscher: Als die Ungarn am 10. September die Grenze nach Österreich öffneten, gab es noch heftigsten Protest der DDR-Führung. Nur zwanzig Tage später stimmte die DDR-Führung der Öffnung der Botschaft in Prag zu. Das war eine Kehrtwendung. Nun war die Mauer auf Dauer nicht zu halten.

Standard: Wer sind für Sie die "Helden" des Jahres 1989?

Genscher: Es waren die Menschen, die ihr Schicksal in die Hand nahmen und versuchten, über Ungarn, Polen und über Prag in den Westen zu kommen. Sie gaben alles auf, um frei leben zu können. Es waren aber in ganz besonderer Weise die friedlichen Demonstranten, die mit den Rufen "Wir sind das Volk" , "Wir sind ein Volk" , "Keine Gewalt!" das Ende der DDR einläuteten. Der Westen konnte mit der Politik der Ostverträge und der KSZE stabile Rahmenbedingungen schaffen für die revolutionären Entwicklungen im sowjetischen Machtbereich. Aber zum Einsturz gebracht wurde die Mauer von den Menschen in der DDR, Polen, der Tschechoslowakei, aber auch von der Revolution von oben, in Moskau und in Budapest.

Standard: Wenn man zwanzig Jahre später zurückblickt: War es richtig, dass die damalige Regierung sofort die Chance zur Einheit ergriffen hat?

Genscher: Jedes andere Verhalten wäre falsch gewesen, denn es hätte bedeutet, dass die Bundesregierung den Menschen in der DDR in ihrem Streben nach Freiheit und Einheit die kalte Schulter gezeigt hätte. Ich hatte es ja vorher auch abgelehnt, die deutschen Botschaften in meinem Geschäftsbereich für DDR-Flüchtlinge zu schließen, wie die DDR das verlangt hatte.

Standard: Die Wiedervereinigung kam dann schnell. Wurde sie zu teuer erkauft?

Genscher: Weder kam die Wiedervereinigung zu schnell, noch wurde sie zu teuer erkauft. Es gibt Anlass zur Kritik an der Arbeit der Treuhand nach der Ermordung des ersten Präsidenten Detlev Karsten Rohwedder, und es gab auch Fehler bei der steuerlichen Förderung von Investitionen im Osten. Aber das ist Vergangenheit. Heute wissen alle, wir hatten eine getrennte Entwicklung über Jahrzehnte, aber nur eine gemeinsame Zukunft. (DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.9.2009)


ZUR PERSON: Hans-Dietrich Genscher (82) war von 1969 bis 1974 deutscher Innenminister und danach bis 1972 Außenminister - der am längsten dienende in Deutschland. Von 1974 bis 1985 war er auch FDP-Chef. Heute ist er Ehrenvorsitzender der Liberalen.

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Konrad Chreeb
04
2.10.2009, 09:43
Genscher ist ein ...... Schwätzer

"Sie gaben alles auf, um frei leben zu können" Hahaha Ja, Ja.... und jetzt die große Ernüchterung. In Prag mit den Zug abgefahren und bei Harz IV ankommen. Seien wir doch mal ehrlich, bei allen Unzulänglichkeiten die es in der DDR gab, hat doch die Mehrheit gar nicht so schlecht gelebt. Niemand musste Arbeits- oder Obdachlos sein. Leider sind doch zu viele dem westlichen Propagandamüll auf den Leim gegangen, und haben geglaubt genauso ein Leben im Luxus führen zu werden wie etwa Genscher und Konsorten, der noch immer mit fast 12000 EUR Monatlich dem Steuerzahler auf der Tasche liegt, während viele ehemalige DDR Bürger kaum genug Geld zum Leben haben. Die DDR Bürger wurden doch einfach verarscht (Verzeihung für die ausdrucksweise) Ja, Gensc

Dagmar Rehak
 
41
27.9.2009, 01:59
Ich hab das anders in Erinnerung.

Genscher sagte damals am Balkon: "Ich bin heute hier, um Ihnen zu sagen, dass Ihre Ausreise..." Weiter ist er nicht gekommen, weil da schon alle geschrieen haben. Später hat er dann gesagt, dass es mit einem "nicht" weitergegangen wäre, dass also die Ausreise nicht genehmigt war. Die Massen waren aber rein physisch stärker und wollten in den goldenen Westen - keine Ahnung, woher sie das hatten, dass der Westen golden war - und haben drei Wochen nur Bananen gegessen und drei Jahre nur die Scorpions gesungen.

Der Kohl damals hat sich schon in den Jahren davor Sorgen gemacht, wie einmal die Pensionen finanziert werden können. Die deutschen Frauen haben nämlich damals keine Kinder gekriegt. In den Jahren vor der "Wende" waren in den großen bunten deutschen Zeitschriften nur mehr Werbungen für private Pensionsversicherungen geschalten, keine Zigaretten, kein Whisky, nichts. Mit der Okkupation der DDR war das Problem mit den zukünftigen Pensionszahlern mit einem Schlag gelöst - glaubte man, war aber nicht so. Erstens passten sich die Ost-Frauen geburtenmäßig augenblicklich an die West-Frauen an, und außerdem wurden viele der neuen Pensionseinzahler totgefahren. Die Ost-Kinder wussten nämlich nicht, dass ein Auto das Recht hatte, sie tot zu fahren. Vorher haben die immer gebremst.
Nackt ausziehen und baden gehen ging nicht mehr. Handtasche einfach wo abstellen ging nicht mehr. Und die Bananen waren auch irgendwann fad. Aber da war es schon zu spät.

KaMaKo
00
27.9.2009, 13:17
wie immer ist ihr beitrag

geprägt von halbwissen, verschwörungstheorien, unterstellungen und vorurteilen.

Dagmar Rehak
 
00
27.9.2009, 18:08

Du bist noch sehr jung bzw. hast damals nicht sehr intensiv Medien konsumiert. Stimmt's?

KaMaKo
00
27.9.2009, 19:47
weder das eine noch das andere trifft zu

im gegensatz zu ihnen war ich aber live dabei und kann die situation damals und den weiteren verlauf damit entscheidend besser beurteilen als sie.

ihr `wissen` ist ein pseudowissen, eben aus den medien; dazu ein zweites mal gefiltert durch ihr persönliches weltbild. ganz ähnlich wie ihre einlassungen zu medizinischen themen.

Dagmar Rehak
 
00
28.9.2009, 10:25
Wo genau warst du live dabei?

Wolltest einfach einmal in einem See baden, hast dich ausgezogen, und dann ist nichts weiter passiert?
Hast du deine Handtasche abgestellt, bist aufs Klo gegangen, und wie du zurück gekommen bist, war sie noch da?
Auf den Landstraßen haben die Wessi-Autos immer brav gebremst, wenn Kinder auf der Straße gespielt haben?
Und die Ossi-Frauen haben im gleichen Ausmaß wie zu DDR-Zeiten Kinder gekriegt?

Willst mich jetzt vergaxeiern?

siliconvalley
00
10.11.2009, 04:00

also wenn ich die Wahl habe zwischen ueberall nackt ausziehen und baden koennen und dafuer nicht ins Ausland reisen (nicht mal zum Familienbesuch) zu koennen, und von der Stasi bespitzelt zu werden, oder nicht ueberall ausziehen und dafuer jederzeit ueber die Grenze gehen, fahren, fliegen zu duerfen.... ohne Stacheldraht und Minenfeld .... ohne Befragung wozu ich denn ins Ausland will und wen ich doert treffen werde...
Ich lebe lieber (mesitens) angezogen und darf alle Buecher lesen, alle Fernsehkanaele schauen etc. statt gleichgeschaltetem Rundfunk. Und Internetzugang incl. posten wann, wo, was ich will ist mir auch wichtiger als ueberall die Hosen runterlassen zu koennen.

KaMaKo
00
28.9.2009, 21:52
eigentlich sinnlos

mit verklärten wie ihnen sinnvoll zu diskutieren.

die `ossi-frauen`, wie sie sie in ihrer unglaublichen demagogie und dekandenz herabwürdigend bezeichnen, haben tatsächlich weniger kinder bekommen. mehr substanz enthalten ihre frauenfeindlichen postings nicht.

übrigens ist es kein problem, heute nackt in den zahlreichen seen hier in berlin oder der attraktiven umgebung zu baden und seine sachen draußen liegen zu lassen...das macht eigentlich jede(r). aber das können sie eben nicht beurteilen...

Dagmar Rehak
 
00
29.9.2009, 10:34

Berlin ist ja anders.
Es hat aber auch Zeiten gegeben, wo man sich in ganz DDR einfach nackt ausziehen konnte, wenn man Lust gehabt hat, irgendwo zu baden. Ossis, die dieser Gewohnheit nach der "Wende" im Westen nachgehen wollten, haben das eine oder andere blaue Wunder erlebt. Dort ging das nämlich nicht.

Warum empfindest du "Ossi-Frauen" als herabwürdigend? Die nennen sich selber so. Naja, jetzt nicht mehr, aber damals schon.
Der massive Einbruch an Geburten kann man nicht als "weniger Kinder gekriegt" bezeichnen. Das war ein historisch bedeutsamer von glaub ich 50%. Die Fortpflanzungsfreudigkeit der Menschen ist ein guter Indikator für ihr Sicherheitsgefühl in einem Land. Und das war praktisch weg. Das hat man ja auch an den vermeintlich rechten Gewaltausbrüchen gesehen.

Und ja, es war einfach so, dass die Wessis mit ihren Autos Ossikinder niedergefahren haben. Ok, vielleicht war das Missverständnis auf beiden Seiten. Die Ossis dachten, ein Auto bremst, wenn ein Kind auf der Straße spielt, und die Wessis wussten nicht, dass die Ossis ihre Kinder frei herumlaufen ließen.

Eigentlich gab es riesige Kulturunterschiede zwischen den Deutschen, und dadurch ist es immer wieder zu Missverständnissen gekommen. Ich wüsste nicht, was da dran verklärend sein soll.

Walter Bimini
44
26.9.2009, 09:41
wo werden sie jetzt hinfliehen um der eudssr zu entkommen?

was wird nach rauchverbot und glühbirnenverbot und der diktatur der political correctness als nächste schikane auf uns zukommen.

pez derflotte
22
26.9.2009, 19:58
nach somalia!

da gibt's keine politics.
und auch keine correctness.

PS: vergessen sie ihre 20 leibwächter nicht.

Walter Bimini
11
26.9.2009, 22:57
für den wirtschaftlichen zusammenbruch sorgt schon die selbsternannte europäische elite samt bankstertum.

also wozu in ein armes land ziehen, wenn massenarbeitslosigkeit und armut bald zu uns kommen werden. übrigens es reicht schon nach lettland zu reisen. aber auch irland, spanien und ungarn sind uns noch voraus.

Joseph EU
14
26.9.2009, 13:12
sie armer.....

sie schikanierter....

Walter Bimini
12
26.9.2009, 19:19
die diktatur der brüssler politkommissare ist ja erst im aufbau.

Terence Lennox
00
26.9.2009, 06:51
man merkt sein eigenes alter..

..wenn man sagen kann: ich war dabei. ich stand am hügel. mit dem 400 2:8 auf der f3..

Träume sind Schäume
10
25.9.2009, 23:28
Geniales Zitat:

Erich Mielke, Chef der DDR Staatssicherheit, in der "Volkskammer der DDR" auf die Frage ob er sich auch für "Nicht Genossen" (Nicht Parteimitglieder) einsetzt:

Mielke: "Das ist eine formale Frage, ich liebe..ich liebe doch Alle, alle Menschen, na ich liebe doch, ich setze mich doch dafür ein, ich lieb doch ALLE!"

http://www.youtube.com/watch?v=ACjHB9GZN18

Kommunistische Liebe muss wunderschön sein ;)

MIP1
00
25.9.2009, 21:18

Die Verhandlungen hat Rudolf Seiters geführt. Genscher ist allerdings mit bewundernswerter Geschwindigkeit herbeigeeilt, um die Ergebnisse zu verkünden. Auffällig ist, daß Genscher in seinen Rückblicken Seiters nicht zu erwähnen pflegt.

byron sully
00
26.9.2009, 23:10
da gibt's viele ähnliche fälle in der geschichte,

z.b. die israelisch-palästinensischen verhandlungen, die federführend von korei und beilin geführt wurden - den friedensnobelpreis haben dann rabin, peres und arafat erhalten.

dennoch halte ich genschers rolle von der symbolik her für wichtig (was freilich nicht heißen soll, daß ich es in ordnung finde, daß seiters derart unerwähnt bleibt).

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
00
25.9.2009, 19:37
"von 1969 bis 1974 deutscher Innenminister und danach bis 1972 Außenminister - der am längsten dienende in Deutschland."

Der am längsten dienende und das -2 Jahre? Dagegen sind ja italienische Minister lange im Amt.

passante
 
02
25.9.2009, 20:11
Emil !

Der Standard hat so seine Fehler, frueher in den Anfangsjahren vor mehr als 20 Jahren, da konnten sie im Print nicht mal richtig schreiben.

Und im Standard Online sind sie oft recht schlampig.

Die Presse ist da etliches besser.

Aber egal: Genscher war bis 92 Aussenminister.

Artischocke
 
85
25.9.2009, 18:01
"Sie gaben alles auf, um frei leben zu können"

Aber die Freiheit dauerte nicht lange. Heute müssen sie ihre Fingerabdrücke abgegeben um einen biometrischen Pass zu beantragen. Heute wird wie damals die Telekommunikation überwacht und zusätzlich noch jeder Klick im Internet aufgezeichnet. Auch andere Freiheiten erscheinen heute in einem anderen Licht, wenn man einfach nicht genug Geld hat, sich diese Freiheiten auch leisten zu können.

Jürgen Rembremerding
02
26.9.2009, 19:45
"enn man einfach nicht genug Geld hat, sich diese Freiheiten auch leisten zu können."

Im Westen sind in der Wand oft so Kästen eingelassen. Da braucht man nur ein Plastikkarterl und vier Zahlen und dann kommt Geld ohne Ende aus Wand!

Walter Bimini
00
26.9.2009, 22:59
dann werfens einmal einen blick nach lettland oder irland oder spanien und sie können erahnen was uns noch bevorsteht.

Joseph EU
11
26.9.2009, 13:11
die Freiheit....

NICHT an der Mauer erschossen zu werden wird nie in einem andren Licht erscheinen, schmockerl....

Walter Bimini
11
27.9.2009, 14:19
dafür werden viele bald die menschen die freiheit "in den straßengraben zu verrecken" auskosten dürfen.

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