Richter: "Illegale Downloads gibt es nicht"

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Expertenrunde diskutierte über die Chancen des Internets und die Probleme mit Urherberrechtsgesetzen

Vergangene Woche lud die ISPA (Verein der heimischen Internet-Provider) zu einem Hintergrundgespräch im Vorfeld der Internet Summit Austria am 29. September ein. Gegenstand der Expertendiskussion war "Das Urheberrecht auf dem Prüfstand". Vertreter aus der Musik- und Verlagsbranche, sowie Rechtsexperten gaben einen Einblick in die modernen Probleme von Künstlern und versuchten mit Mythen zur Österreichischen Rechtslage aufzuräumen.

Umsatzeinbrüche...

Mit der Erfindung des Internets wurde die Medienlandschaft auf den Kopf gestellt. Anstatt eine CD kaufen zu müssen, kann man sich Musik oder gar Filme und Spiele direkt und bequem aus dem Netz herunterladen. Das traditionelle Geschäft mit physischen Tonträgern geht dramatisch zurück, während kostenpflichtige Online-Angebote die Verluste kaum abfangen können. "Der Musikmarkt erfährt durch das Internet bzw. mp3 eine Umgestaltung wie kaum eine andere Branche", fasst Georg Hitzenberger, Geschäftsführer der Musik-Streaming-Plattform Play.fm, die Lage zusammen. Die Musikindustrie und später auch die Fimindustrie versuchten die Ursache für den Umsatzeinbruch rasch an Tauschbörsen festzumachen und lancierten eine massive Abmahnkampagne gegen Filesharer, die ihre Musik über das Internet tauschten.

und Milchmädchenrechnungen

Franz Schmidbauer, Richter und Domainbeirat der IPA, hält diesen Schluss allerdings für unzutreffend. "Dass Downloads den Musikmarkt zerstören, ist eine Milchmädchenrechnung", so Schmidbauer. Seiner Ansicht nach läge der Grund für den zurückgehenden Musikkonsum schlicht darin, dass jüngere Zielgruppen heute seltener Musik hören bzw. Musik als primäre Unterhaltungsquelle suchen, als vor zehn bis 20 Jahren. Die Internet-Generation sucht sich seine Inhalte aktiv aus und schöpft dabei aus einem breiten Angebot von kostenlosen Video- und Musik-Plattformen wie Youtube und Videospielen. Anstelle des CD-Players stünde die Spielkonsole im Mittelpunkt. 

"Die Frage, die man sich eher stellen sollte ist, wie man die Leute dazu bekommt, Musik legal zu konsumieren", meint Play.fm-Chef Hitzenberger. Gleichzeitig müsse man damit aufhören, Konsumenten einzuschüchtern, führt Schmidbauer fort. "Es gibt keinen illegalen Download. In Österreich besteht das Recht auf eine Privatkopie", erläutert der Richter, wenngleich das Anbieten von Musik über Tauschbörsen rechtswidrig sei.

Remix-Generation

Durch die Konvergenz der Medien kommt es zu immer komplexer verstrickten rechtlichen Problemen. Über das Web werden nicht nur Dateien getauscht, sondern Inhalte rasend schnell neu zusammengewürfelt und weiterverarbeitet. Einmal tanzt jemand vor einer Webcam zu Popmusik, ein anderes Mal vermischt jemand Bilder und Klänge zu einem komplett neuen Kunstwerk und stellt es kostenfrei einem Millionen-Publikum zur Verfügung. Über Lizenzabgaben macht sich hierbei niemand Gedanken - zumindest nicht die User.

Aber selbst die Betreiber von Internet-Plattformen, die sehrwohl an der Legalität ihrer Dienste interessiert sind, haben es schwer Verträge mit Urheberrechtsinhabern zu schließen. "Im Bereich der On-Demand-Musikdienste ist es eigentlich unmöglich geworden rechtlich 100 Prozent legal zu agieren", so Hitzenberger. "Musik, die beispielsweise auf Last.fm oder Youtube gespielt wird, stammt zu einem Großteil von Major-Labels, aber auch zigtausend kleineren Labels." Das Problem sei, dass es keine Verwertungsgesellschaft gäbe, die für alle existierenden Labels Lizenzrechte vergeben darf. Unabhängige Herausgeber werden dadurch meist ignoriert.

Undurchschaubar

"Ganz legal war der Musikmarkt noch nie", ergänzt Komponistin Johanna Doderer. Dennoch müsse es klare Richtlinien und Maßnahmen geben, um die Arbeit von Künstlern zu schützen. "Der bewusste Schritt zum Musikhören ist positiv", aber es müsse auch klar gemacht werden, dass "unerlaubtes Remix nicht cool, sondern ein Verbrechen" sei.

Schmidbauer weist darauf hin, dass das Urheberrecht allerdings nicht nur für Konsumenten, sondern auch für viele Juristen undurchschaubar ist. "Es ist sogar urheberrechtlich verboten, auf der Straße zu pfeifen", erklärt der Richter. Die in seinen Wurzeln rund 100-Jahre alte Urheberrechtsordnung müsse definitiv überholt werden. Die Rechtsgeber seien hier gefordert. "Die Anpassung des Urheberrechtsgesetzes an die Anforderungen des digitalen Zeitalters ist dringend erforderlich", bestätigt Nikolaus Futter, Geschäftsführer des Compass-Verlages. Hitzenberger erhofft sich für Künstler und Betreiber von Medienkanälen eine "Anlaufstelle für europaweite Lizenzvergaben".

Das positive am Internet

Trotz der vielen Hürden, die die Rechtswelt im Internet zu überwinden hat, sehen die Experten im Web große Chancen für Künstler. Insbesondere junge Talente haben hiermit die Möglichkeit, sich selbst und ihre Werke kostengünstig zu vermarkten. Anstatt mit CDs sein Geld zu verdienen, gäbe es laut Hitzenberger einen klaren Trend in Richtung Live-Auftritte. Kostenlose Musikvideos oder DJ-Sets sorgen für Werbung und die Abhängigkeit von großen Labels gehe deutlich zurück.

Doch auch die etablierten Herausgeber sollten die Chancen, die das Internet ihnen bietet nicht verspielen. Schon mit dem Kopierschutz habe man nur die Konsumenten vergrault und gesehen, dass Restriktionen nichts am Konsumverhalten ändern. Jetzt sollte man den "Werbewert (des Webs) nicht durch strikte Strafen zerstören", so Schmidbauer. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 30.9.2009)

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mmmh

wenn ich mir überleg das ich für eine doppel-cd um die 40 bis 50 euro hinlegen soll(BravoHits z.b.) und im grunde nur 6 Lieder gut finde -so kostet mir jedes tolle lied 9 euro. Als schüler mit einem begrenzten buged leiste ich mir dann lieber eine raubkopie für 10 euro auf den schulhof. Die ganze raubkopiererrei würde sich reduzieren wenn die preise sinken. so teuer kann eine cd nicht in der herstellung sein da sie häufig schon in diversen heften mit beiliegt die 3 bis 4 euro kosten. Früher hatte eine lp umgerechnet 7 bis 8 euro gekostet und die herstellung war wesentlich umfangreicher. vieleicht sollte man darüber mal nachdenken anstatt die preise hochzuhalten. die künstler bekommen eh den kleinsten anteil.

Wie steht es um bezahlte Downloads aus dem Ausland

Wie steht es um Downloads aus dem Russisch-sprachigen Raum. Sind eigentlich Musikdownloads gegen Bezahlung aus dem Ausland illegal?

Laut diesem Richter eindeutig:

Bei einem bezahlten Download aus dem Ausland macht sich der Anbieter strafbar und der Downloader nicht. Besonders, weil es sich dabei ausschliesslich um Download handelt und nicht sich an der Verbreitung beteiligt wird.

es sei denn der anbieter hat das recht dazu

es muss nicht zwingend für den anbieter illegal sein

Richter: "Illegale Downloads gibt es nicht"

da dann

uploads allerdings schon - dh torrents wo man ja automatisch auch uploaded dürften schon illegal sein. trotzdem eine gute aussage, da bin ich stolz auf österreich.

na bitte.. eines Tages verlieren auch die ganz altmodischen irhe Panik vor dem neuen und wir können wieder alle ganz entspannt mit dem internet chillen.

die Frau "komponistin"

soll sich einmal schlau machen ob bach die erlaubnis von vivaldi hatte...

und überhaupt sollte kuba wegen El arreglito jede Aufführungen von Carmen verhindern...

Die kath. Kirche div. Opern (Aida usw.) wegen unerlaubter Quellennutzung verbieten lassen.

*ein Verbrechen*

*plonk*

internet kulturflat einführen
dann kann jeder saugen was er will und gut is.
machen ja eh schon alle dies wollen
jaaa und die verteilung kann gerecht funktionieren

Das Geld ist nicht unedlich vermehrbar

Die Jugend hat auch nur ein gewisses Quantum an Kohle, die sie ausgeben kann. Im Moment ist sicher etwas anderes dran als Musik und wenn es etwas umsonst gibt, dann wird es gerne angenommen.
Sie würden andere Wege finden, um zu tauschen. Das Internet ist im Moment der einfachste Weg.
Der Ursprung der Musik war sicher als Erheiterung, Besinnung, Beseelen der Menschen gedacht. Der Dank war eine Spende. Wird Zeit, dass wir uns dessen wieder erinnern und den Kommerz etwas beiseite lassen. Wenn die Musikindustrie weiter so macht, wird sie sich selbst ins Knie schießen, weil die Menschen keine Lust mehr haben Musik aus der Dose zu konsumieren, wo alle darum streiten.

Hörts doch einfach auf...

...mit dem Affentheater.

Urheberrecht aufheben, Medienindustrie abschaffen und endlich wieder richtige Kultur, ohne kommerzielle Zwischenrufe, genießen.

Studio kann heute jeder selber eins haben und zur Verteilung gibts das Internet.

Bei Filmen... hm... sind halt schwieriger, aber da wirds auch eine Lösung geben.

Aber dieser "omg Kopierer! Kopierer!" - Gejaule von den Urheberrechtsbonzen, das kotzt mich nur noch an.

Die Medienindustrie braucht man eben, dank Internet und billiger Hard- und Software nicht mehr. Also soll sie sich schleichen. Müssen dann halt wieder was hackeln, statt Privatjet fliegen und sich auf Musikmessen selber feiern, diese Bonzen.

genau, drehen wir unsere Kinofilme wieder selber und verzichten auf jegliche Spezialeffekte, usw...

Ich werds gleich mal mit Terminator 5 probieren ;-) brauch nur noch eine Handycam.

drehen wir unsere Kinofilme wieder selber

Wieso nicht? Bei Jack Black hat das doch auch gut geklappt :-)

Sein Film "Abgedreht" (Be Kind Rewind) zeigt das wie einfach das geht ;-)

ist ja auch ein ganz toller Film.

passt... und ich nehm in meiner wohnung jetzt schlagzeug auf...
liebe nachbarn nicht böse sein... :)

Ist es überhaupt wahr?

Nämlich daß die Musikindustrie so fürchterliche Einbußen erleidet?
Oder ist es vielleicht vielmehr so, daß mehr Menschen denn je zuvor Zugang zu Musik die sie interessiert bekommen hat und gleichzeitig erstmals auch Kenntnis darüber erhält, WER WELCHEN Song macht - Damit auch die Möglichkeit hat, sich zu kaufen, was einem gefällt. Und das gleich online, wo man auch all das bekommen kann, nicht so wie früher im Plattenladen, wo 2/3 der Sachen nicht lagernd waren und der Rest nur teilweise bestellbar - sofern man wußte wer der Künstler ist und wie das Album heißt.

gierige Manager

Seit auch die Musikindustrie von nimmersatten Managern (Mehrergebnis, Umsatzplus, Zukunftsprognosen von der Kirmes) beherrscht wird, haben wir doch dieses ganze Theater!

Wert und Absicht

Es hat sich nicht so viel verändert wie alle tun - der gelegentliche Konsum von Musik, die "Hintergrundmusik" die halt unterhält gabs früher im Radio - Das Medium Internet macht diese Funktion von Musik aber zugänglicher (im Bezug auf Auswahl usw).

Die, die ein gutes Album als Gesamtkunstwert schätzen und Fan des Künstlers sind kaufen gerne, solang sie diesen Mehrwert in der Hand halten können. Die, die ein Lied vom Album nebenbei hören wollen suchens auf YouTube. Und das sind keine 2 unterschiedlichen Konsumentengruppen, je nach Künstler will ich mal reinhören, und mal das Kunstwerk besitzen.
Gäbe es beide Optionen (günstig einen Song oder Mehrere + Album per Post - zB) leicht zugänglich und ohne Einschränkungen gäbs das Problem nicht

Um auf den Punkt zu kommen:

Früher war die Dienstleistung, Musik verfügbar zu machen viel Geld wert. Heute kann das jeder mit einem PC & einer Telefonleitung.

Früher hat man Arcade-Spiele auch Münze für Münze gezahlt, und musste dazu außer Haus gehen. Hallo Gameboy!

Boten & Telegraph waren irgendwann mal wichtige Dienste und vor ganz langer Zeit hat man sich sein Wasser am Brunnen geholt.

Aber es ist nunmal alles einem gewissen Fortschritt unterlegen, und so muss man sich doch früh oder später nicht überlegen, wie man die Käuferschaft zwingt am alten Modell festzuhalten, sondern mal nachdenken, und das Modell "Musik-Album" durch zugabe von digitalen Medien, Merch & durch moderne Drucktechniken für den heutigen Konsumenten wieder attraktiv zu machen.

Remix ist kein Verbrechen

Verbrechen ist ein Rechtsbruch der nach dem Strafrecht geahndet wird und Freiheitsstrafen von mehr als 3 Jahren zur Folge hat. Alles andere sind vergehen. Aber VERBRECHER hört sich theatralischer an...

ohja...

"wer filme oder musik kopiert ist ein Vergeher!"
(kommt irgendwie nicht so gut)

Räuber und Verbrecher,

Und eine Komponistin die Musik schreibt die mir nicht gefällt ist dann eine Ohrenvergewaltigerin.

Zu dem Thema gibt es einen super Vortrag

Lawrence Lessig -Professor, Stanford Law School, USA: Getting the Network the World Needs.

http://www.youtube.com/watch?v=Q... UccWm3o&yt

"Wir brauchen ein neues Copyright" das Alte ist ein Relikt, dass die Platten und Filmindustrie im letzten Jahrhundert groß gemacht hat.

Im übrigen beklagt er, dass wir im 20. Jahrhundert zu sehr passiven Musikkonsumenten geworden sind und begrüßt ausdrücklich die Möglichkeiten zu Kreativitätsentfaltung, die das moderne Internet bietet.

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