Umwelt schützen? Gerne, nach der Krise

9. Oktober 2009, 13:21
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Während Experten warnen, dass für den Klimaschutz genau jetzt Investitionen nötig wären, ziert sich die Politik bei Einschnitten

Seit etwa zwei Wochen sind wir pleite. Wir, das sind in diesem Fall alle Bewohner der Erde und pleite, das bedeutet in dem Fall: mit unseren natürlichen Ressourcen am Ende. Der 25. September markiert den Tag im Jahr 2008, an dem alle Ressourcen, die unser Planet in diesem Jahr zur Verfügung stellen kann, bereits vollständig aufgebraucht sind. Die Eigenheit dieses "Welterschöpfungstags" ist, dass er jedes Jahr weiter nach vorne rückt - außer heuer. Wir kommen mit unseren Ressourcen theoretisch zwei Tage länger aus als noch 2008. Mit ein Grund dafür ist das durch die Wirtschaftskrise gebremste ökonomische Wachstum.

Das Gute in der Krise?

Endlich ein positiver Aspekt der Krise? Zu früh gefreut, warnt WWF-Naturschutzdirektor Andreas Wurzer in einer Aussendung. "Dieser Effekt wird nicht von Dauer sein, denn weltweit wollen alle politischen Kräfte wieder zum Wirtschaftswachstum zurück kommen und mit ungezielten Konjunkturpaketen und anderen Maßnahmen wird der globale ökologische Fußabdruck wieder zunehmen".

Tatsache ist: In der Krise leidet bei der Bevölkerung der Wille zum nachhaltigen Leben, etwa was den Kauf teurerer Bio-Lebensmittel angeht. Bei den österreichischen Politikern läuft die Umweltpolitik ohnehin auf Sparflamme, und in Krisenzeiten gerät sie erst recht ins Hintertreffen. Gerade jetzt, so das "Profil" vergangene Woche, wären Investitionen im Umweltbereich nötig: Eine Studie geht davon aus, dass der Aufwand für die Klima- und Umweltpolitik von derzeit einem Prozent des BIP auf bis zu zwei Prozent angehoben werden müsste, wenn man gesteckte (Klima)-Ziele erreichen will.

Unpopuläre Maßnahmen müssen warten

Und es gäbe durchaus genug zu tun: Im Klimaschutz-Index der Umweltorganisationen "Germanwatch" und "CAN Europe" liegt Österreich nur auf Platz 50 unter 57 Nationen. Davor landeten etwa der Iran, Indonesien oder Marokko.

Aber die Krux ist: In der Krise als Politiker über Maßnahmen zu sprechen, die für die Bürger Umstellung und in einer ersten Phase vielleicht Mehrkosten bedeuten? Unpopulär und damit selten praktiziert. Als im österreichischen Nationalrat über die Novelle zum Oköstromgesetz debattiert wurde, beeilte sich Bundeskanzler Werner Faymann eine "sozial verträgliche" Solarenergie zu verlangen - Nur ja nicht riskieren, dass jemand auf die Idee kommt, die Regierung würde für den Schutz der Umwelt vom Einzelnen höhere Belastungen verlangen.

Medien und Politik gefordert

Die für das Erreichen der internationalen Klimaschutzziele wichtigen Investitionen in Erneuerbare Energien sind durch die Finanzkrise weltweit ins Stocken geraten. Die dadurch entstandenen Finanzierungslücken müssten durch "staatliches Handeln" geschlossen werden, sagte der Energie-Experte Bernhard Haider von PricewaterhouseCoopers Österreich bei der Tagung "energy2020" im heurigen Spätsommer.

Auch medial ist Umweltpolitik auf österreichischer Ebene meist nur am Rande Thema. Bei der Umweltdebatte im Parlament Ende September endete die ORF-Übertragung noch vor dem Tagesordnungspunkt "Ökostromgesetz" - und mit den Fernsehkameras verließen auch viele Nationalratsabgeordnete den Plenarsaal.

Bloggen zum Klimaschutz

Dass es auch anders geht, zeigt eine umweltbewusste Gegenöffentlichkeit, die sich im Bereich von NGOs und Bloggerszene entwickelt. In den USA ist "Umwelt und Nachhaltigkeit" bereits auf Platz Drei der Themenkomplexe, die in Blogs behandelt werden, so ein Artikel der Washington Post.

Es gibt, wenn auch noch in weit geringerem Ausmaß, auch in Österreich Blogger, die sich für das Thema Umwelt interessieren und engagieren. Andreas Lindinger ist einer davon. In seinem Blog behandelt der Student, der seit Kurzem Mitglied der Grünen Oberösterreich ist, Themen wie Nachhaltigkeit und Energie. Mit zwei anderen österreichischen Bloggern nahm Lindinger am internationalen Blogwettbewerb TH!NK ABOUT IT zum Thema Klimaschutz teil. Sein Rat an Medien und Politik in Österreich: "Es gibt genug tolle Nachhaltigkeitsprojekte, etwa im Wohnbereich oder Energiebereich. Diese positiven Vorbilder muss man hervorheben und bekannt machen".  (Anita Zielina, derStandard.at, 9.10.2009)

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    Das zarte Pflänzchen Umweltbewusstsein wird in der Krise nicht gerade gehegt und gepflegt.

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