Invasion der Pilzköpfe

25. September 2009, 09:12
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    foto: reuters

    EA / MTV Games / Harmonix / Pi Studios / Apple Corps, für XBox, PS3, Wii, ab ca. 45 Euro

"The Beatles: Rock Band" verkauft die Fab Four gut

An alle, die die Sixties-Boyband nun von einem Thron gestoßen sehen, die Angst um vor Säue geworfene Perlen haben, weil es jetzt ein Beatles-Singspiel gibt: Hallo? Es ist das Wesen der Popmusik, sich an die Gegebenheit der Zeit anzupassen, das Jetzt zu illustrieren. Evergreens wie jene der Fab Four besitzen das Privileg trotz eines längeren grauen Bartes noch ansehnliche Wirkmächtigkeit in der Gegenwart zu haben, weil sie bis zum Anschlag im kollektiven Gedächtnis stecken. Super. Also warum sie nicht auch in der Sprache der Gegenwart, als digitales Entertainment, umsetzen. Kein Grund, am Heiligenschrein in Tränen auszubrechen.

Karaoke-Aktionismen

The Beatles: Rock Band macht das, was viele Musikspiele davor auch gemacht haben, ob man das nun albern oder fantastisch findet: Liedgut, das sich an große Zielgruppe richtet, in Rhythmus- und Karaoke-Aktionismen zu verwandeln. Nicht dass die Volksschullehrer jetzt ihre Orff-Instrumente einmüllen müssen. Aber immerhin ist es besser, sich auf diese Art mit Musik zu beschäftigen, als gar nicht. Noch dazu, wenn die Chancen dabei gut stehen, dass der pubertierende Nachwuchs damit vielleicht auf einen gemeinsamen Nenner mit Papa und Oma kommt.

Natürlich: Für die Stellvertreter der Musikgötter auf der kapitalistischen Erde, also für die Beatles-Plattenfirma Apple Corps, ist die befürchtete Trivialisierung auch ein heikles Thema. Bei der Morgenröte des Umsatzausblicks eines Spieleblockbusters mussten aber selbst sie Here Comes The Sun singen und das Podest herunterschrauben. Wenigstens sorgten sie als Ausgleich für etwas Anspruch in der Umsetzung.

Denn nicht nur, dass 45 der neuen, remasterten Tracks verwendet wurden, die zurzeit die Charts stürmen. Auch die Neuinszenierung der Pilzkopf-assoziierten Bildwelten von Flughafen-Kreischteenies und psychedelischer Comic-Pracht geriet zur stimmungsvollen Pop-Hommage ohne hysterische Übertreibungen oder sinnlose Grafik-Exzesse.

Mehr Songs gegen Geld

Wahrscheinlich ist es der Jedermann-Zielgruppe geschuldet, dass die Karriere von der Kellerbühne von "The Cavern" bis zum "Rooftop-Konzert" relativ einfach zu absolvieren ist. Ein Trainingsmodus ist trotzdem vorhanden, Onlinespielen möglich, weitere Songs werden künftig downloadbar sein, gegen Geld, versteht sich. Spezialfeature: Singen zu dritt - vorausgesetzt, man hat drei Mikrofone. Das perfekte Gruppenerlebnis mit Paul, Ringo, John und George braucht natürlich die gewohnten Plastikteile in Gitarren- und Schlagzeugform.

Dass die Beatles-Verwertungsschlacht anno 2009 nicht von schlecht organisierten Eltern ist, beweisen neben Spiel und neuer CD-Schwemme in leicht verbesserter Tonqualität auch die Ambitionen Disneys, Yellow Submarine neu und in 3-D zu verfilmen. "It's All Too Much", sangen die Beatles auch einmal. (Alois Pumhösel/ DER STANDARD Printausgabe, 25. September 2009) 

Kommentar posten
10 Postings
Saansch van Hagen
 
00
28.12.2009, 19:11
Sehr lustig, aber...

wenn man eine Woche nur Beatles-Songs spielst wird man (ALSO ICH) ziemlich schnell genervt von der Lucy - auch wenns so schön is!!

Jürgen Mayer
00
26.9.2009, 15:49
Einfach ein

tolles Spiel.

Chris W.
322
25.9.2009, 14:35

Eine der meist überschätzten Bands der Welt..

Chris W.
00
29.9.2009, 11:18

Wau rote Stricherl Attacke, aber echt jetzt die Songs von den Beatles waren eher etwas zum Einschlafen. Zeitgleich die Stones hingegen haben Akzente gesetzt und nachhaltig die heutige Rockmusik beinflusst. Beatles ist gleichzusetzen mit Flowerpower, abgefuckten VW Busen und der heutigen Popmusik die nahezu genauso grottig ist wie seine Vorgänger. Wenn die Beatles in der heutigen Zeit groß geworden wären, wärs nicht mehr als ne durchschnittliche Boyband.

Walter Tiefenthaler
00
14.12.2009, 04:39
zu ihrer zeit...

...waren die beatles revolutionaer. eine solche dichte an genialen songs ist einzigartig. natuerlich hat sich die musik und der geschmack des publikums seither weiterentwickelt. oder um es mit den titel eines beatles songs zu sagen: "everybody's got something to hide except me and my monkey" ;-)

Herr J.K.
00
14.11.2009, 15:34
Viel Feind, viel Ehr.

Beiddenker
01
26.9.2009, 00:36
Hmm, naja, versuchen wir es mal konstruktiv ...

... wäre es ein bubi-band, die vor einem jahr gegründet wurde, würde ich Ihnen sogar zustimmen.

Aber die Beatles wurden eben nicht gestern gegründet, sondern in einer Zeit, in der dies alles neu war, wo noch nicht jeder in der strassenbahn sich seine mp3s bei voller lautstärke reinzieht und alles und jedes gehyped wird sei es noch so schlecht.

coldturkey
01
25.9.2009, 21:15

Das kann nur ein musikalisch Unbedarfter sagen.

Bolivar Atasco
 
17
25.9.2009, 15:41

bewertet von einem der meist überschätzten Poster des standard.at

Jürgen Mayer
00
26.9.2009, 15:51

einfach ignorieren...

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