"The Beatles: Rock Band" verkauft die Fab Four gut
An alle, die die Sixties-Boyband nun von einem Thron gestoßen sehen, die Angst um vor Säue geworfene Perlen haben, weil es jetzt ein Beatles-Singspiel gibt: Hallo? Es ist das Wesen der Popmusik, sich an die Gegebenheit der Zeit anzupassen, das Jetzt zu illustrieren. Evergreens wie jene der Fab Four besitzen das Privileg trotz eines längeren grauen Bartes noch ansehnliche Wirkmächtigkeit in der Gegenwart zu haben, weil sie bis zum Anschlag im kollektiven Gedächtnis stecken. Super. Also warum sie nicht auch in der Sprache der Gegenwart, als digitales Entertainment, umsetzen. Kein Grund, am Heiligenschrein in Tränen auszubrechen.
Karaoke-Aktionismen
The Beatles: Rock Band macht das, was viele Musikspiele davor auch gemacht haben, ob man das nun albern oder fantastisch findet: Liedgut, das sich an große Zielgruppe richtet, in Rhythmus- und Karaoke-Aktionismen zu verwandeln. Nicht dass die Volksschullehrer jetzt ihre Orff-Instrumente einmüllen müssen. Aber immerhin ist es besser, sich auf diese Art mit Musik zu beschäftigen, als gar nicht. Noch dazu, wenn die Chancen dabei gut stehen, dass der pubertierende Nachwuchs damit vielleicht auf einen gemeinsamen Nenner mit Papa und Oma kommt.
Natürlich: Für die Stellvertreter der Musikgötter auf der kapitalistischen Erde, also für die Beatles-Plattenfirma Apple Corps, ist die befürchtete Trivialisierung auch ein heikles Thema. Bei der Morgenröte des Umsatzausblicks eines Spieleblockbusters mussten aber selbst sie Here Comes The Sun singen und das Podest herunterschrauben. Wenigstens sorgten sie als Ausgleich für etwas Anspruch in der Umsetzung.
Denn nicht nur, dass 45 der neuen, remasterten Tracks verwendet wurden, die zurzeit die Charts stürmen. Auch die Neuinszenierung der Pilzkopf-assoziierten Bildwelten von Flughafen-Kreischteenies und psychedelischer Comic-Pracht geriet zur stimmungsvollen Pop-Hommage ohne hysterische Übertreibungen oder sinnlose Grafik-Exzesse.
Mehr Songs gegen Geld
Wahrscheinlich ist es der Jedermann-Zielgruppe geschuldet, dass die Karriere von der Kellerbühne von "The Cavern" bis zum "Rooftop-Konzert" relativ einfach zu absolvieren ist. Ein Trainingsmodus ist trotzdem vorhanden, Onlinespielen möglich, weitere Songs werden künftig downloadbar sein, gegen Geld, versteht sich. Spezialfeature: Singen zu dritt - vorausgesetzt, man hat drei Mikrofone. Das perfekte Gruppenerlebnis mit Paul, Ringo, John und George braucht natürlich die gewohnten Plastikteile in Gitarren- und Schlagzeugform.
Dass die Beatles-Verwertungsschlacht anno 2009 nicht von schlecht organisierten Eltern ist, beweisen neben Spiel und neuer CD-Schwemme in leicht verbesserter Tonqualität auch die Ambitionen Disneys, Yellow Submarine neu und in 3-D zu verfilmen. "It's All Too Much", sangen die Beatles auch einmal. (Alois Pumhösel/ DER STANDARD Printausgabe, 25. September 2009)