Nachweis von Gammalicht aus "Starburst"-Galaxie gelungen

25. September 2009, 18:22
5 Postings

Dazu bediente sich eine internationale Forschergruppe der H.E.S.S.-Teleskope in Namibia

Innsbruck - Einer internationalen Forschergruppe ist jetzt der Nachweis gelungen, dass "Starburst"-Galaxien Gammalicht aussenden. Die Wissenschaftler hatten in 119 Stunden Beobachtungszeit in den Jahren 2005 bis 2008 in Namibia mit den H.E.S.S.-Teleskopen zum ersten Mal hochenergetische Gammastrahlung aus einem Sternenentstehungsgebiet einer Spiralgalaxie gemessen, hieß es in einer Aussendung.

"Starburst"-Galaxien sind große Sternensysteme, in deren Zentrum Geburtsstätten von zahlreichen massiven Sternen liegen. Diese explodieren später als Supernovae. In den Überresten dieser Supernovae werden Teilchen zu sehr hohen Energien beschleunigt. Mit den H.E.S.S.-Teleskopen konnten die Wissenschafter, unter denen sich auch der Innsbrucker Astrophysiker Olaf Reimer befand, hochenergetische Gammastrahlung aus einer solchen Galaxie (NGC 253) erstmals messen. Die Studie des Teams ist in der jüngsten Ausgabe von "Science Express" erschienen.

Interessante Galaxie

"Es zeigte sich, dass diese Strahlung wie vorhergesagt tatsächlich aus der Region höchster Supernova-Aktivität von NGC 253 stammt", erklärte Reimer. NGC 253 sei die am südlichen Himmel in dieser Hinsicht interessanteste Galaxie. Im Gegensatz zu unserer Milchstraße habe sie in ihrem Zentrum ein kleines Gebiet mit einer hohen Sternentstehungsrate, wie aus Beobachtungen im sichtbaren, Infrarot- und Radiobereich bekannt sei, erklärte der Astrophysiker.

"Es handelt sich um die schwächste bisher detektierte Quelle im sehr hochenergetischen Gammastrahlungsbereich", erläuterte Reimer. Der gemessene Gammastrahlungsfluss bedeute eine Dichte der kosmischen Teilchenstrahlung im Sternentstehungsgebiet von NGC 253, die mehr als tausendmal größer sei als im Zentrum der Milchstraße.

Die H.E.S.S.-Teleskope

Die vier H.E.S.S.-Teleskope mit je 107 Quadratmeter Spiegelfläche stehen in Namibia im südlichen Afrika und hätten seit ihrer Inbetriebnahme schon zu zahlreichen wichtigen Entdeckungen geführt, hieß es in der Mitteilung. Unter anderem zu dem ersten astronomischen Bild eines Supernova-Überrestes in hochenergetischer Gammastrahlung und dem Nachweis von Galaxien mit aktiven Kernen im Gammalicht.

Das derzeit in Bau befindliche fünfte, wesentlich größere Teleskop werde die Empfindlichkeit des Systems deutlich verbessern und den beobachtbaren Energiebereich ausdehnen. Die H.E.S.S.-Kollaboration besteht aus mehr als 150 Forschern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Tschechien, Irland, Österreich, Schweden, Armenien, Südafrika und Namibia. Namensgeber war der Innsbrucker Wissenschafter Viktor Franz Hess, der als erster die kosmische Strahlung nachgewiesen hat und dafür 1936 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archivbild: Hubbles Blick auf einen Teil der Spiralgalaxie NGC 253

Share if you care.