Strafrecht

Wer Geld hat, soll für eigene Sicherheit sorgen

24. September 2009, 18:58

Brisante Forderungen rund um das Strafrecht bei kirchlicher Tagung in Wien

Wien - Der Ladendieb, der nicht mehr vor den Strafrichter muss. Der Mörder, dem keine zehn Jahre Mindeststrafe mehr drohen. Unternehmen, die statt der Polizei selbst für ihren Diebstahlschutz sorgen sollen. Brisante Forderungen, die beim internationalen Kongress "Das Menschenbild im Strafrecht" in Wien gestellt worden sind. Und die die evangelischen Geistlichen diskutieren möchten.

Tobias Müller-Monning ist Gefängnisseelsorger in Deutschland und Soziologe und will vor allem eines: Schäden an Gefangenen vermeiden. Denn je länger Menschen eingesperrt werden, desto stärker wird die sogenannte Prisonisierung, die Anpassung an die Gefängniskultur. Logische Folge: Die Resozialisierung nach der Entlassung wird schwieriger.

Der Wissenschafter will daher die Entkriminalisierung bestimmter Delikte. "Diebstahl zum Beispiel sollte aus dem Strafrecht genommen werden und in das Zivilrecht kommen", meint er. "Der Täter soll dann für den Schaden und die Kosten seiner Verfolgung aufkommen", eine Haft sollte ihm aber erspart bleiben.

Einen Vorschlag, den auch Strafverteidiger Richard Soyer für sinnvoll hält. "In vielen Fällen wird bei einem erwischten Ladendieb gleich Gewerbsmäßigkeit angenommen, da liegt die Strafandrohung bei bis zu fünf Jahren." Alltag seien auch wochenlange Untersuchungshaft für Diebe.

Technische Überwachung 

Wie Müller-Monning ist er der Meinung, dass die Verfolgung solcher Täter zu viele Ressourcen binde. Unternehmen wie Supermärkte sollten eher technische Überwachungsmittel einsetzen. "Wer es sich leisten kann, soll selbst für seine Sicherheit sorgen", argumentiert Müller-Monning. Gutheißen will er das Delikt nicht, ihm geht es um die Verhältnismäßigkeit zwischen Sanktion und Tat.

Den Abschied vom Vergeltungs- und Rachegedanken wünscht sich auch Matthias Geist, Theologe und Gefängnisseelsorger in Wien. Er wünscht sich unter anderem eine deutliche Verkürzung der Haftstrafen für alle Delikte. "Ich möchte mich jetzt nicht auf Zahlen festlegen lassen, aber es gab schon vor 20 Jahren die Forderung, keine Haft dürfe länger als zehn Jahre dauern." Auch der Einsatz von Fußfesseln sollte deutlich ausgeweitet werden.

Statt Haft werden Sanktionsformen für eine "restorative justice" gefordert. Das bedeutet, Verbrechen nicht als Angriff auf den Staat, sondern den Einzelnen wahrzunehmen. Daher müsse der Täter seine Schuld gegenüber dem Opfer einsehen. Und beispielsweise für Entschädigung sorgen.

"Das Problem ist aber, dass in Österreich die Opfer vom Strafvollzug ausgeschlossen sind. Sie haben kaum Chancen auf Wiedergutmachung, da Gefangenen nur 30 Prozent ihres Einkommens der Arbeit im Gefängnis bleiben, den Rest nimmt der Staat", kritisiert Geist. Ihm fehlt für eine Strafrechtsreform "der visionäre Zugang" der Politiker - die die Tagung übrigens trotz Einladungen ignorierten. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 25. September 2009)

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Posting 1 bis 25 von 99
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mkt
01
28.9.2009, 20:03
Diebstahl GmbH & Co KG

Wenn sowas kommen sollte, gründe ich eine auf professionellen Diebstahl spezialisierte Firma. Mit guter Organisation sollte das ja recht lukrativ sein, außerdem muss man sich bei verhehlen nicht mehr vor der Polizei fürchten. Die Firma selbst besitzt natürlich nix, und wird bei einer Klage leider, leider in Konkurs gehen.
Jetzt ernsthaft: Die eingeschränkte Sicht auf *ausschließlich* den Resozialisierungsgedanken ist extrem gefährlich. Strafen sind eben nicht nur dazu da, dass der Täter ein besserer Mensch wird. Noch mehr als die Resozialisierung sorgt die Generalprävention dafür, dass weniger Straftaten verübt werden. Das wird leider oft vergessen.

pez derflotte
00
27.9.2009, 02:10
was habt ihr denn?

sooo schlecht sind die meisten ideen gar nicht:

diebe etc sollen den schaden bezahlen statt (besser wäre: oder) in den häfn. wenn er kein geld hat, muss er raten zahlen (oder im häfn arbeiten, und zwar fürs opfer) bis zum st. nimmerleinstag. häfn bringt dem opfer ja eh nix.

max. 10 jahre häfn selbst für mörder ist natürlich quatsch. da ist rache und vergeltung sehr wohl verständlich und angebracht.

dass häfn allein niemanden zum besseren menschen macht, wissen wir eh alle. es gibt bessere methoden, zu strafen. ich wundere mich schon lange, warum man alle kriminellen in ein gebäude sperrt. die meisten gangsterbanden enstehen im gefängnis. diese leute sollte man voneinander fernhalten, nicht zusammenbringen.

Gerd Huber1
 
01
26.9.2009, 22:44
Die lieben frommen Männer und Frauen sollten

sich mehr um Heiligkeiten und anderen Kontemplationen kümmern. Oder haben sie hier schon das Handtuch geworfen?

Chien de Pique
00
26.9.2009, 18:53

"Der Täter soll dann für den Schaden und die Kosten seiner Verfolgung aufkommen". Das finanziert er dann durch seine nächsten, erfolgreicheren Diebeszüge. Oder er verzichtet ganz drauf.

Ein Pfarrer als Schutzpatron der Unterwelt. Weit haben wir's gebracht.

Thomas Bayer
00
26.9.2009, 11:36
Maximal 10 Jahre Haft

so stelle ich mir "Ächtung" von Gewalt vor.

Juusto Hampurilainen
02
25.9.2009, 17:21

wirklich tolle ideen haben die herren...

jemand raubt mir mein handy, wird erwischt (man darf ja noch träumen...) und ich darf ihn dann selbst verklagen, kriege recht und schaue durch die finger, weil das geld inzwischen längst wieder dahin und der räuber pleite ist. gefängnisstrafe gibts aber auch keine.

das kommt einer legalisierung von eigentumsdelikten gleich...

cHL
00
27.9.2009, 03:28

raub != diebstahl


wann wird das endlich mal jemand checken...

Nachtsonne
02
26.9.2009, 00:37

raub ist nicht gleich mit diebstahl.

diebstahl wo einfach etwas weggenommen wird. ohne gewalt gegen eine person.

aber wenn diebstahl nicht mehr straftat wird, dann
- darf man den dieb nicht mit gewalt anhalten,
- wird die polizei nicht mehr für ermittlungen zuständig.
keine verbrecherkartei, keine hausdurchsuchung, kein ermittlungsapparat mehr.

dann müssen aber auch andere vermögensdelikte wie unterschlagung, fundunterschlagung und betrug straffrei werden.

wachdienste, hausmeister mit sturmgewehr, gesperrte privatstraßen, selbstjustiz werden die folgen.

jeder bürger und jede firma kann (muß) dann mit einem privatem sicheheitsdienst ein abonnement abschließen um in not hilfe bekommen zu können.

Der alte Suderer
00
25.9.2009, 17:10
Wer Geld hat, soll für eigene Sicherheit sorgen, wer keines besitzt hat Pech gehabt.

Also bin ich für Abschaffung des Waffengesetztes.

Tobias Müller-Monning könnte in einem Internetshop Revolver verkaufen - an Selbstschützer.
Wäre sicher ein Bombengeschäft.

FranzKpunkt
01
25.9.2009, 15:55

Man sollte mal Eigentumsdelikten den Körperverletzungen anpassen. Aber die Relation ist echt a Frechheit...

Alfred Ekel
11
25.9.2009, 15:55
revolutionäre Vorstelltung, die mancherorts bereits umgesetz wird


In Johannesburg, Südafrika, reichen die Ressourcen der staatlichen Gewalt nicht mehr aus, der Kriminalität Herr zu werden.

In jenen Wohngegenden, in denen sich die Weißen und wohlhabenden Schwarzen verbarrikadiert haben, wird der Schutz von privaten Wachunternehmen wahrgenommen.

An Richter werdens dort net oft brauchen, weil die Wachunternehmen mit dem Griff zur Waffe bei verdächtigen Personen nicht lange zögern. Zuerst wird einmal geschossen, dann gefragt.

Das vorgeschlagene System, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen, hat durchaus revolutionären Charakter, nur sollte man halt bei "Fehlurteilen", die den Privaten passieren, auch nicht gar so streng sein.

The Dark
27
25.9.2009, 15:18
Funktioniert nur dann

wenn der Notwehrparagraph massiv geändert wird. Sprich, alles was zur Abwehr einer Tat passiert ist straffrei. Und wenn mir einer mein Handy klauen will und ich erschiesse ihn in Notwehr dann siehe oben.

Wäre sicher auch ein Weg um die Straftaten zu senken.

Girgl Galgenstein
71
26.9.2009, 10:52
Ihr Handy stellen Sie also über das Leben eines anderen Menschen?

aber sonst ist bei Ihnen noch alles in Ordnung?

Shadow
03
29.9.2009, 01:48

mir ist kein moralisches gebot bekannt sich beklauen zu lassen. und manche leute haben so etwas halt nicht gern. damit sollte man als räuber/dieb schon rechnen.

sie sollten auch nicht bei rot über die ampel gehen und sich dann wundern wenn sie überfahren werden.

Veles
06
26.9.2009, 11:52
In dem Fall warum nicht?

Wenn ein Räuber strafrechtliche Konsequenzen nicht mehr zu befürchten hat hält ihn eventuell die Möglichkeit einer "Bleivergiftung davon ab.

A Voice
00
30.9.2009, 10:57
warum nicht?

Denken Sie wirklich so? Ganz ehrlich?

Und Sie glauben nicht, daß dann eher die Raubmorde ansteigen als die Raube weniger werden?

Veles
01
30.9.2009, 12:57
JA so denke ich!

Und NEIN ich glaube nicht dass dadurch die Gefahr der Raubmorde steigen wird weil die die meinen machma schnell a Handy oder so eh nur in der Gruppe stark sind (mit dem Maul od beim hinhauen) zu mehr reicht es nicht.

600 million men
00
26.9.2009, 23:46
Eher

werden sich die Fälle häufen wo wir wegen ein paar Euro selbst von hinten erschossen werden...

Nachtsonne
00
26.9.2009, 00:47

wenn diebstahl nicht mehr straftat ist, dann diebstahl abwehren ist kein notwehr.

LGM
00
25.9.2009, 18:17

das war aber sicher nicht so gemeint!

molekühl
11
25.9.2009, 14:46

Sehr kluges Konzept. Bei einer Aufklärungsquote weit unter 50% und wertvollem Diebsgut kommt man dann (auch unter Berücksichtigung der "Verfolgungskosten") recht schnell ins betriebswirtschaftliche Plus.
Und: Leiderleiderleider funktioniert Gesetz und Ordnung nicht ohne echte Abschreckungsfunktion - auch wenn ein paar Träumer das nicht wahrhaben wollen.

zippy
01
25.9.2009, 16:08

Bei manchen schon, bei anderen gar nicht. Mir scheint, dass wir Menschen in unserer Gerechtigkeitswahrnehmung sehr unterschiedlich ticken. Mir zB sind Leute höchst suspekt, die eine Untat bloß aus Angst vor Sanktionen unterlassen.

mueller10
01
29.9.2009, 10:32
Mir zB sind Leute höchst suspekt, die eine Untat bloß aus Angst vor Sanktionen unterlassen.

Besonders edel ist das natürlich nicht.
Ein nur aus Angst vor Strafe unterlassener Einbruch in meinem Haus ist mir aber trotzdem noch lieber als ein unter Gewissensqualen begangener.

The Dark
00
25.9.2009, 16:51
erlaubt ist

was nicht verboten ist....

Lensois
02
25.9.2009, 14:03
Zukunftsträume auf UFOLOGENKONGRESS realitätsnäher

Heutzutage wird doch wirklich über jeden gesellschaftspolitischen Nasstraum berichtet!

Hat der Seelsorger auch bedacht, dass die Opfer bei Tätern, die kein oder ein unter dem Pfändungsfreibetrag liegendes Einkommen und kein Vermögen haben bei zivilrechtlicher Geltendmachung von Ersatzansprüchen dann nicht nur auf dem Schaden sondern auch auf den Verfahrenskosten sitzenbleiben würden.

Lauter Fantasten!

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