Palm schweigt, Apple stottert

28. März 2003, 14:27
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Immer mehr Computer-Hersteller eröffnen Online-Shops. Mit Reklamationen steht man dann aber oft vor versperrten Türen

Bequemer geht es kaum: Montag auf der Palm-Homepage um 17 Uhr einen Tungsten-Organizer samt Zubehör bestellt und mit Kreditkarte bezahlt. Dienstag um 8 Uhr früh steht das Paket auf dem Schreibtisch. Die lassen nichts anbrennen.

Negative Überraschung

Wenige Tage später zeigt sich, dass der Tungsten zu Bildschirm-Flimmern mit anschließendem Datenverlust neigt und auch sonst beim Heraussuchen von Adressen absturzgefährdet ist. Nicht so schlimm, dazu wurde ja eine Datensicherungskarte gleich mitbestellt - aber irgendwie nervt das dann schon bei einem neuen Gerät.

Fragen über Fragen

Also Anruf bei der Palm-Hotline. Nach nur 25 Minuten Wartezeit gibt's dann ein teutonisch-straff geführtes Verhör: "Wo ist Ihre Bearbeitungsnummer, Seriennummer, Zugangsnummer, und wie lautet Ihr Code, hä?" Nach einer weiteren 20-minütigen Datenaufnahme und der feierlichen Übergabe eines Bearbeitungscodes gibt es die Weiterschaltung zum Techniker. "Wie lautet die Bearbeitungsnummmerrrrrr?" Stolz wird die vorhin ergatterte 12-stellige Zahl präsentiert. Sie ist zu lang. Im Übrigen, teilt mir der Techniker unter der Hand mit, sei mein Palm möglicherweise sogar fehlerhaft. Genaueres sei unmöglich zu sagen. "Sie müssen ein Mail an den Kundendienst schreiben. Aber flott. Weil nur in den ersten 30 Tagen bekommen Sie ein neues Ersatzgerät. Danach nur ein gebrauchtes. Tschühüs."

Immer weiter...

Das Mail wird abgeschickt: Wenige Minuten später kommt eine automatische Antwort: Danke für ihr Mail, wir bestätigen den Erhalt und bearbeiten den Inhalt so schnell wie wir können. Das war dann das letzte Lebenszeichen von PalmDirect. Auch Wochen später ist das Mail unbeantwortet. Palm schweigt. Eisern.

Auch nicht besser

Ähnliche (teure) Brösel gibt es auch mit Apple. Unbeeindruckt von der gesetzlich vorgeschriebenen zweijährigen Gewährleistungsfrist sprechen die Apple-Techniker der Hotline mit dem gemeinen Volk nur in den ersten 90 Tagen nach Kauf. Ab dann kostet bereits ein kurzes Räuspern stolze 47,19 Euro. Wenn also bei einem Laptop um 4000 Euro plötzlich nach vier Monaten eine unerklärliche Fehlermeldung auftaucht, will Apple erneut Geld. "Sie können das aber ausschließen, indem sie mit ,Apple-Care' die Garantie auf drei Jahre ausdehnen. Dann sind auch unlimitierte Gespräche mit unseren Technikern inkludiert, kostet nur 442,80 Euro."

Baba

Um das Geld machen andere Urlaub. Die Frage, an wen man sich im gesetzlichen Gewährleistungsfall wenden kann, bleibt unbeantwortet: "Ohne Apple-Care keine Auskunft. Tschühüs." (Michael Moravec / DER STANDARD Printausgabe, 28.3.2003)

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