Gift in süß

1. April 2003, 22:54
5 Postings

Indonesische Kretek-Zigaretten sind für das etwas andere Raucherlebnis da

Rauchen ist selbstverständlich ein Laster, eine schlechte Angewohnheit, eine Zumutung für alle, die mitrauchen müssen, eine Sucht, der man sich nur schwer entziehen kann. Rauchen macht krank und ist abzuleh- nen.

Und trotzdem . . . Man würde die Sache aus Gründen der Vernunft ja sofort bleiben lassen, wären da nicht die Momente totalen Genusses, wenn man sich wieder einmal eine anheizt. Am Beginn einer langen Reise zum Beispiel, wenn man, gerade dem strikt rauchfreien Flieger entstiegen und tropische Luft inhalierend, exotischere Rauchware zu sich nehmen darf. In Asien etwa raucht kaum jemand unparfümierte Zigaretten, in den vergangenen Jahrzehnten hat hier vor allem das Menthol einen gewissen Siegeszug unternommen, doch die ursprünglichere Kunst, den Rauch in zarten Duft zu verwandeln, nennt man Kretek, und die erlebt soeben ein kleines internationales Revival.

Kretek-Zigaretten kommen ursprünglich aus Indonesien, werden aus feinen Tabaken gedreht, deren Blätter zeit ihres Wachstums dank des ewig über den Inseln hängenden Dunstes kaum je der allzu grellen intensiven Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, was der Qualität angeblich zuträglich ist. Und außerdem werden die Kreteks mit allerlei Würze veredelt, mit Zimtnelken zum Beispiel. Ein gewisses Knistern beim Abbrennen verrät die etwas anderen Inhaltsstoffe, der Rauch duftet intensiv aber nicht räucherstäbchenartig, die Zigaretten rauchen sich zugegebenermaßen zuerst etwas sonderbar, und es bedarf einiger raucherischer Übung, um wirklich als Genuss empfunden zu werden.

Irgendwie fehlt hierzulande die hohe Luftfeuchtigkeit, die die Aromen zusätzlich zu raffinieren scheint, aber dennoch bieten die Kreteks auch in unseren Breiten eine erfreuliche kleine Abwechslung zu den üblichen multinationalen Glimmstängeln, die im Übrigen auch allesamt mit irgendwelchen Aromen "veredelt" werden.

Der auffälligste Unterschied der Kreteks zu normaler Stangenware macht sich allerdings schon in dem Moment bemerkbar, in dem die exotische Zigarette in den Mund gesteckt wird: Sie schmeckt zuckersüß. Die Tabakzutat Zucker, die in hier handelsüblicher Ware kaum je bemerkt wird, ist in südlicheren Ländern tatsächlich beliebtes Beiwerk. In Brasilien zum Beispiel, wo ebenfalls diverse nationale Sorten dem Ansturm der internationalen Stangenware trotzen.

Die Kreteks, die man in Österreich in ausgewählten heimischen Trafiken kriegt, werden zumeist von der Firma Djarum produziert. Es gibt eine ganze Bandbreite von unterschiedlichen Sorten, man sollte sie durchprobieren und sozusagen die entsprechendste für sich herausfiltern. (DER STANDARD/rondo/uwo/28/03/03)

  • Artikelbild
Share if you care.