Die Regierung in Tokio erwägt eine Aufspaltung in profitable und Verlust bringende Teile
Tokio - Zur Rettung der schwer angeschlagenen Japan Airlines (JAL) erwägt die Regierung in Tokio eine Aufspaltung der Fluggesellschaft in profitable und Verlust bringende Teile. Dies sei eine ernsthafte Option und werde derzeit geprüft, teilte die von der Regierung eingesetzte Taskforce am Freitag mit. Derzeit nicht in Frage komme dagegen ein Konkursverfahren. Die JAL-Aktie sackte an der Börse in Tokio um weitere sieben Prozent ein.
Die Marktkapitalisierung der Airline hat in den vergangenen zwei Tagen 100 Milliarden Yen (747 Mio. Euro) verloren. Damit ist die JAL nur noch etwa halb so viel wert wie ihr kleinerer Rivale All Nippon Airways. Eine Aufspaltung der Gesellschaft in ihre "guten" und "schlechten" Teile ist von den Kreditgebern ins Spiel gebracht worden, wie es in Bankenkreisen hieß. Der neue Regierungschef Yukio Hatoyama schloss nicht aus, dass zur Rettung der JAL auch Staatsgeld fließen könnte. Dies könnte in welcher Form auch immer möglich werden, sagte Hatoyama am Rande des G-20-Gipfels in Pittsburgh. Er werde so schnell wie möglich darüber entscheiden. Die Taskforce soll bis spätestens Ende November einen Plan zur Rettung der JAL vorlegen. Eigene Konzepte der Airline lehnte die Regierung unlängst ab.
Staatshilfe
Konzernchef Haruka Nishimatsu hatte am Donnerstag um Staatshilfe gebeten. JAL steht wegen des Nachfrageeinbruchs infolge der Wirtschaftskrise vor dem zweiten Jahresverlust in Folge. Die Regierung hat JAL bereits Garantien für Kredite von rund 750 Mio. Euro gegeben. Das Unternehmen drückt eine Schuldenlast von rund 10,5 Mrd. Euro. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März braucht JAL noch rund 1,9 Mrd. Euro zum Überleben.
JAL wird derzeit auch von Konkurrenten umworben, die es auf das Streckennetz und die zahlungskräftige Kundschaft der Japaner abgesehen haben. Sowohl SkyTeam-Mitglied Delta Air Lines als auch eine Gruppe von Fluggesellschaften des Bündnisses Oneworld unter der Führung von American Airlines buhlen um JAL. Die rivalisierenden Fluggesellschaften verhandeln derzeit mit JAL über Finanzspritzen und engere Geschäftsbeziehungen.(APA)