SP-Kuntzl: In Wirtschaftskrise "sicher keine zusätzliche finanzielle Belastung von Studierenden" - VP-Karl beruft sich auf OECD-Empfehlungen
Wien - Ein Jahr nach deren De facto-Abschaffung durch SPÖ, Grüne und FPÖ sorgen die Studiengebühren wieder für Zwist zwischen den Regierungsparteien. SP-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl hat am Donnerstag per Aussendung brüsk die Forderung von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) nach einer Wiedereinführung der Gebühren - zuletzt in den "Salzburger Nachrichten" (Donnerstagausgabe) - zurückgewiesen.
Kuntzl: Keine finanzielle Belastung für Studierende
Österreichs Akademikerquote sei ohnehin zu niedrig und gerade in der Wirtschaftskrise "wird es sicher keine zusätzliche finanzielle Belastung von Studierenden geben", so Kuntzl. VP-Wissenschaftssprecherin Beatrix Karl beruft sich indes auf Empfehlungen der OECD zur Einführung von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.
Kuntzl verurteilte die Einführung der Studiengebühren als "eklatante Fehlentscheidung, die vom Parlament im September 2008 revidiert wurde". Bildung, Hochschulzugang und "gesellschaftliches und berufliches Fortkommen" dürften nicht von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern oder der Studierenden abhängig sein.
Karl: "Umfassender Blick" auf die Unis notwendig
Karl empfahl der SPÖ hingegen einen "umfassenden Blick auf die Notwendigkeiten unserer Universitäten und Hochschulen statt Rosinen picken". Der Koalitionspartner könne nicht die Empfehlungen der OECD im Bildungsbereich begrüßen, sie aber in Sachen Hochschulen "rundum verschweigen." Die ÖVP habe sich im Bildungsbereich - etwa bei der gemeinsamen Schule - bewegt, nun müsse sich auch die SPÖ im tertiären Sektor einer Diskussion öffnen.
Karl verteidigte die Studiengebühren, diese hätten die Drop-out-Rate und die Zahl prüfungsinaktiver Studierender gesenkt. Sie hätten auch nicht zu sozialer Ungerechtigkeit geführt, schließlich sei parallel zu deren Einführung das Studienförderungssystem ausgeweitet worden, wovon laut OECD besonders Studierende aus sozial schwächeren Schichten profitiert hätten. (APA)