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Unis vor bewegtem Studienjahr

24. September 2009 12:28
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    grafik: apa

Ein neuer Kollektivvertrag tritt in Kraft, die Senate müssen neu gewählt werden und künftig sind alle Doktoratsstudien dreijährig

Wien - In ein bewegtes Studienjahr starten die Universitäten mit 1. Oktober. Mit diesem Tag tritt der neue Kollektivvertrag (KV) für die rund 30.000 Uni-Beschäftigten in Kraft. Erstmals ist der weitgehende Entfall der Studiengebühren am Beginn eines Studienjahres wirksam, weshalb die Unis einen neuerlichen Studentenansturm befürchten. Zumindest einzelne Unis werden von der neuen Möglichkeit für qualitative Zugangsbedingungen für Masterstudien Gebrauch machen. Und bis Jahresende müssen die Hochschulen im Rahmen der Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Unis ihr Budget für 2010 bis 2012 aushandeln.

Erster Kollektivvertrag für Uni-Bedienstete tritt in Kraft

Mit 1. Oktober tritt der erste KV für die rund 30.000 allgemeinen, wissenschaftlichen und künstlerischen Uni-Bediensteten in Kraft. Eckpunkte des neuen Regelwerks sind ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung. Noch wird an den Unis auf Hochtouren an Betriebsvereinbarungen zu einzelnen Punkte des KV gearbeitet, damit dieser in der Praxis funktioniert.

Wegen der neuen Studiengebühren-Regelung blicken die Hochschulen mit einiger Sorge auf den Herbst: Beim "schiefen" Einstieg ins Uni-Jahr im Sommersemester gibt es üblicherweise nur wenige Studienanfänger. Doch der weitgehende Entfall der Studiengebühren hat heuer mit einem Plus von rund 27 Prozent Erstzugelassenen gegenüber dem Sommersemester davor einen kleinen Studentenansturm ausgelöst. Beim regulären Beginn des Uni-Jahrs befürchten die Rektoren deshalb einen starken Zuwachs an Studierenden. Uni Wien-Rektor Georg Winckler etwa rechnet mit einem Anstieg der Studentenzahl an seiner Uni von bisher 74.000 auf rund 80.000.

Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Hochschulen stehen an

Vielleicht kommt den Unis ein solcher Run gar nicht so ungelegen, hätten sie damit doch ein Argument für mehr Budget bei den Verhandlungen über die neuen Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Hochschulen für die Periode 2010 bis 2012. Die Vereinbarungen müssen bis Jahresende abgeschlossen sein. Allerdings ist das Gesamtbudget für alle Unis fixiert, bei den Verhandlungen geht es nun vor allem darum, wie groß das Kuchenstück ist, das jede einzelne Universität erhält. In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der Verhandlungsführung des Wissenschaftsministeriums laut, der Rektor der Montanuniversität Leoben, Wolfhard Wegscheider, sprach von "Vergewaltigung der Unis" und "apodiktischen Forderungen" des Ressorts.

WU definiert für Masterstudien Zugangsvoraussetzungen

Noch keine Auswirkungen wird die Verpflichtung für Studieneingangsphasen haben, wie sie die vor dem Sommer beschlossene Novelle zum Universitätsgesetz (UG) vorsieht. Damit haben die Universitäten bis Herbst 2011 Zeit. Dagegen gibt es Hochschulen, die bereits die ebenfalls im UG fixierten Möglichkeiten für qualitative Zugangsbedingungen für Master- und Doktoratstudien nutzen: An der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien wurden in den Masterstudien Wirtschaftsrecht, Wirtschaftspädagogik, Finanzwirtschaft und Volkswirtschaft fachspezifische Voraussetzungen definiert, die die Studenten erstmals erfüllen müssen. Zudem wurden für diese Studien Eingangsphasen gestaltet, die auch der Orientierung dienen sollen. "Wir hoffen dabei auch auf eine Selbstselektion der Studenten", sagte Senatsvorsitzende Edeltraud Hanappi-Egger. Noch nicht so weit ist man an der Uni Wien. Dort beginnen in diesem Studienjahr erst einmal die Diskussionen um die Eingangsphase auf Bachelor-Niveau, die Zugangsbedingungen auf Master-Level seien ein Folgethema und würden frühestens im kommenden Studienjahr wirksam, sagte eine Sprecherin der Uni Wien.

Nur mehr dreijährige Doktoratstudien

Mit dem neuen Studienjahr können keine viersemestrigen Doktoratstudien mehr nach dem alten Studienplan inskribiert werden. Die neuen, stärker forschungsorientierten Doktorate dauern entsprechend der Europäischen Studienarchitektur mindestens sechs Semester, für die inhaltliche Ausgestaltung sind die jeweiligen Unis zuständig. Die Übergangsfrist, innerhalb derer Doktorate nach dem alten Studienplan fertiggestellt werden müssen, läuft noch bis 2017.

Nach den Senatswahlen an den österreichischen Unis im heurigen Jahr stehen 2010 gleich wieder Wahlen an: Neu gewählt werden müssen laut der UG-Novelle im kommenden Studienjahr alle am 1. Jänner 2010 bestehenden Senate, die Funktionsperiode der "alten" Senate endet mit 30. September 2010. Übergangsregelungen gibt es demnach keine, wie auch das Wissenschaftsministerium gegenüber der APA bestätigte. Den Wahlen entkommen demnach auch nicht jene Unis, die erst jetzt im Herbst und Winter neue Senate einsetzen.

Senate müssen neu gewählt werden

Für die Neuwahl der Senate gilt die in der UG-Novelle fixierte neue Zusammensetzung: Statt bisher zwölf bis 24 Mitglieder sollen Senate künftig 18 oder 26 Mitglieder haben. Die derzeitige Mehrheit der Professoren (50 Prozent der Mitglieder plus ein weiteres Mitglied) fällt, sie haben künftig nur die Hälfte der Mitglieder. Dafür erhalten die Vertreter des akademischen Mittelbaus (z.B. Assistenten) gleich viele Mitglieder wie Studenten.

Im Zuge der Wahl wird dann auch die in der UG-Novelle fixierte Maßnahme zur Erhöhung des Frauenanteils in leitenden Funktionen zum Tragen kommen: Es ist eine 40-Prozent-Frauenquote auf dem Wahlvorschlag jeder wahlwerbenden Gruppe einzuhalten. Die Quote gilt ab dem 1. Oktober zudem für alle weiteren Uni-Gremien, also auch das Rektorat und die Uni-Räte, allerdings wird in bestehende Gremien nicht eingegriffen.

Fachhochschulen erhalten mehr Geld

Zufrieden können die Fachhochschulen ins neue Studienjahr gehen: Erstmals seit ihrem Bestehen wird die Bundesförderung erhöht, diese steigt um durchschnittlich 13,7 Prozent. Die FH werden vom Bund pro Studienplatz gefördert. Diese je nach Fachrichtung unterschiedlich hohen Zuwendungen wurden seit 1994 nicht valorisiert, was von den FH-Erhaltern seit Jahren kritisiert wurde. Nun erhalten technische Studiengänge 7.940 Euro pro Studienplatz und Jahr (bisher 6.904), technisch-wirtschaftliche Studiengänge 6.990 Euro (bisher 6.105), touristische Studiengänge 6.580 Euro (bisher 5.887) und wirtschaftliche Studiengänge 6.510 Euro (bisher 5.814).

Nur wenige, besonders begabte Studenten werden von einer neuen Regelung im UG profitieren können, die scherzhaft als "Genie-Paragraf" bezeichnet wurde: Demnach kann man gleich nach dem Bachelor-Studium ein PhD- oder Doktoratsstudium anschließen.

Allgemein schließen die Unis für die Studierenden heuer ihre Inskriptionsschalter zwischen dem 30. September (Medizin-Uni Wien) und dem 31. Oktober (Vetmed-Uni Wien, Medizin-Uni Graz, Uni Salzburg). An der WU Wien endet die reguläre Inskriptionsfrist bereits am 9. Oktober (2008/09: 24.10.). An allen Unis gibt es aber die Möglichkeit zur Inskription in der Nachfrist bis Ende November. Wer Studiengebühren zahlt, muss allerdings in der Nachfrist um zehn Prozent mehr zahlen. (APA)

 

 

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Posting 1 bis 25 von 29
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smea_gol
28.09.2009 20:11

"Demnach kann man gleich nach dem Bachelor-Studium ein PhD- oder Doktoratsstudium anschließen." - Wow, Herr Hahn geht ja offenbar davon aus, dass es Studierende gibt, die seiner eigenen Reife entsprechen, und versorgt diese gleich mit einem Doktortitel...

R.I.P. Freie Universitäten.
wobei einem die zukünftigen Studenten leid tun können!

debian1
27.09.2009 22:29

Wirtschaftspädagogik? WTF! Wird da kleinen Kindern der Handel mit Wertlospapieren spielerisch beigebracht?

Petzi Petz
26.09.2009 09:22
Ad Kollektivvertrag

Der Kollektivvertrag hört sich ja ganz besonders toll an, 2400 Euro für 40 h für einen Akademiker, der zB Doktorat macht (derzeit sinds 1800 Euro) - Problem an der Sache: ein Gutteil der tatsächlichen Wissenschaftler (also PhDs und Postdocs) wird über Drittmittel bezahlt, die haben dann aber zumindest eine 3-Jährige Übergangsfrist. Und diejenigen, die schon vorher einen neuen Vertrag bekommen werden, sollen zwar in den Kollektivvertrag überführt werden, aber werden vermutlich nur mehr Teilzeit angestellt, PhDs zB nur mehr für 30 h, dann bekommens erst wieder gleich bezahlt wie jetzt. Und großen Dank übrigens an meinen Betriebsrat, dem das recht egal ist!

Jacksonson
27.09.2009 08:21

Also ihr Vorschlag: einfach allen weniger zu zahlen?

Ausserdem ist die Aussage wer die 'tatsaechlichen Wissenschafter' sind ziemlich arrogant uns zeigt das Sie wohl noch nie ueber den Tellerrand geblickt haben.

Petzi Petz
28.09.2009 10:32
Wie kommen Sie darauf?

Ich will, dass alle gleich behandelt werden!

Abgesehen davon: wer macht Ihrer Meinung nach tatsächlich die Forschung auf den Unis?

Jacksonson6
28.09.2009 11:10

Also 'tatsaechliche' Forschung machen wohl die Professoren (die im normalfall mindestens die Ideen liefern ohne dies ja wohl nicht geht) genauso und nicht die nur die PhDs und Post-Docs.

Bei PhDs gehe ich sogar soweit zu behaupten das diese oft mehr Arbeit fuer den Betreuer sind als Output rauskommt.

Petzi Petz
28.09.2009 13:06
Wieviele Profs stehen im Labor?

Also ich kann nur von Naturwissenschaftlern sprechen, da arbeiten PhDs fast unabhängig, manchmal gibts Besprechungen, die Techniker erledigen allgemeine Arbeiten, die Postdocs arbeiten selbstständig an eigenen Projekten. Der Prof organisiert das Geld. Ist natürlich auch Arbeit. Aber weniger wissenschaftliche als organisatorische Arbeit.

pike bishop
29.09.2009 17:54

Sehr viele Ideen kommen von unten. Die betreffenden dürfen aber auf Grund der Hierarchie die Drittmittel nicht selbst beantragen, brauchen dazu einen Prof. Hurtig ist die Idee dann offiziell die des Profs. und der eigentliche Ideenbringer mur mehr der Mitarbeiter.
Da jetzt die Drittmittel immer wichtiger werden, raffen sich immer mehr Profs. auf und schaffen selbst Ideen (die dann natürlich andere ausarbeiten müssen). Da die Professoren wegen dem ganzen Uniquatsch sehr abgekämpft sind, sind ihre Ideen oft nicht die besten, oder sagen wir nicht die frischesten, oder sie greifen halt irgendwas geade trendiges auf. damit es gut klingt.
Die Professoren-Uni ist das Ende des Geistes.
(Ich schreibe vom Standpunkt der Gesiteswissenschaften).

Jacksonson
29.09.2009 20:01

Also dem kann ich (in meinem Fach) nur widersprechen. Da kommt nichts von unten.

Petzi Petz
29.09.2009 20:18

Was da wäre?

papa_ratzi
24.09.2009 20:10

"Mit dem neuen Studienjahr können keine viersemestrigen Doktoratstudien mehr nach dem alten Studienplan inskribiert werden. Die neuen, stärker forschungsorientierten Doktorate dauern entsprechend der Europäischen Studienarchitektur mindestens sechs Semester"

Wie war das noch gleich mit der Vereinfachung der Studien und der schnelleren und praxisorientierten Ausbildung?
Anscheinend soll ein Haufen willenloser Ja-Sager herangezüchtet werden, die Wirtschaftsrecht studieren und möglichst nach dem Bachelor aufhören sollen!

karl karl5
24.09.2009 21:36

ein anständiges doktorat hats normal in sich, dass es nicht einfach ist. daher muss die vereinfachung nicht die oberste maxime sein.

NONE
24.09.2009 23:30

Es geht aber auch um die Hürden die man einem in den Weg legt. Das ein Doktor viel wissen muss steht ja so oder so ausser Streit.

Zenon
25.09.2009 09:02

Ein anständiges Doktorat war auch bisher nicht in 2 Jahren zu bewältigen.

Die größte Hürde, die einem in den Weg zum Doktorat gelegt wird, ist das Diplom. Ich habe schon Dissertationen aus anderen Ländern gesehen, da kann meine Diplomarbeit locker mithalten.

Panda123
25.09.2009 10:00

"Eine 'echte PhD-Arbeit' beruht immer auf eigenständiger Forschung; der Kandidat muss beweisen, dass er in der Lage ist, das gewählte Gebiet voranzubringen. Darum schreibt man auch diese Arbeit nicht, wie unsere Abschlussarbeit, mit zweiundzwanzig Jahren, sondern in einem höheren Alter, manchmal auch erst mit vierzig oder fünfzig Jahren (auch wenn es sehr junge PhD gibt)." Umberto Eco

Warum muss man es heute so fürchterlich eilig haben? Sicher ist es beeindrucken wenn jemand mit 25 Doktor ist, aber macht es jetzt wirklich so einen großen und deutlichen Unterschied ob man nun 25 oder doch schon 30 ist?

weg
27.09.2009 20:02
Eilig

Leider ja. Es macht einen Unterschied. Viele Universitaeten bevorzugen fuer ihre Assistenzprofessorenstellen Akademiker unter 36. Das Argument ist, dass verhindert werden soll, dass ein ueber vierzig-jaehriger auf der Strasse steht, wenn er nach dem Ablauf der Anstellung keine Vollprofessur erhaelt.

Zenon
27.09.2009 14:52

Der Wissenschaft selbst bekommt die Eile natürlich nicht gut.

Das Pensionssystem fordert die Eile.

es reicht ...
24.09.2009 19:17
kollektivvertrag

an der uni wien macht man sich gerade jetzt erst dran festzustellen, wer im am 1.10.kommenden kollektivvertrag wohin fallen soll - heute ist der 24.9. - was soll man dazu sagen ...

e p4
28.09.2009 09:56
nicht nur an der uni wien

aber der KV-text ist ja erst seit ein paar jahren (bis auf kleiene ämderungen) bekannt. da darf man von den professionellen personalisten nicht erwarten vorbereitet zu sein.

Zenon
27.09.2009 14:57

27.9. In den kommenden Tagen wird man sich Gedanken machen, wie man den Kollektivvertrag umgehen kann.

Dann werden irgendwelche selbsteingesetzen Gremien eine Vorgangsweise beschließen, die solange gilt, bis es eine "Klärung der Unklarheiten gibt". (Unter uns: bis sich jemand beschwert. Unklar ist da nichts.)

Agent Provocateur!
25.09.2009 09:47
Glaube mir: Vor fünf Jahren hätte man sich erst bei der ersten Auszahlung

... also in den ersten Oktobertagen Gedanken gemacht.

doef
24.09.2009 17:11
wu master

tja traurig aber wahr, allerdings hätte die WU sowieso bei den "anderen" masterstudien keine "fachspezifischen Voraussetzungen" definieren können, weil zurzeit (mit Ausnahme der 2 englischssprachigen master, welche sowieso aufnahmekriterien beinhalten) schlicht und einfach keine anderen masterstudiengänge an der WU angeboten werden! find ich ziemlich traurig für die so große wirtschaftsuniversität...

fks
25.09.2009 20:32
doef
26.09.2009 12:25

nein, is es eben leider nicht, weiß nicht wo du geschaut hast, einzig den auslaufenden wirtschaftsinformatik master hab ich nicht erwähnt, weil er eben ausläuft und dann durch "information management" ersetzt wird!!!

fks
26.09.2009 13:16

wirtschaftspädagogik und wirtschaftsrecht werden seit 07/08, dh. seit 2 Jahren, angeboten.

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