Zehn Tote bei Protesten

24. September 2009, 23:50

Rechtmäßiger Präsident spricht von Attentat auf sein Leben - Putschisten heben Ausgangssperre auf

Tegucigalpa - Die honduranische Putschistenregierung unter Roberto Micheletti hat für Donnerstag ab 06.00 Uhr Ortszeit (14.00 MESZ) die Aufhebung der am Montag verhängten landesweiten Ausgangssperre verfügt. Wie die Behörden mitteilten, wurde auch die Öffnung der Flughäfen ab 06.00 Uhr angeordnet, die nach der heimlichen Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya in das zentralamerikanischen Land geschlossen worden waren. Die Sicherheitsbehörden würden für Ruhe und Ordnung sorgen, hieß es weiter.

Bereits nach dem Putsch vom 28. Juni, als das Militär Zelaya außer Landes brachte, hatten Micheletti und seine Gefolgsleute für die Dauer von zwei Wochen eine Ausgangssperre verfügt. Diese war später für einige Tage ausgesetzt, Mitte Juli aber erneut verhängt worden, um "Chaos" seitens der Zelaya-Anhänger vorzubeugen.

Demonstrationen

Nach Aufhebung der Ausgangssperre sind Tausende auf die Straßen gegangen und haben für den gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya oder dessen Widersacher demonstriert. Zelayas Anhänger setzten ihren Widerstand gegen Micheletti fort und versuchten erneut, ins Botschaftsviertel der Hauptstadt vorzudringen. Sie fordern die Rückkehr Zelayas an die Macht.

Der von der internationalen Staatengemeinschaft als rechtmäßiger Präsident anerkannte Zelaya hatte zuvor die Bevölkerung aufgerufen, Micheletti die Unterstützung zu verweigern und sich stattdessen dem von ihm gesteuerten Widerstand anzuschließen. Doch zogen am Donnerstag Tausende seiner Gegner in weißen Hemden vor die Vertretung der Vereinten Nationen. Sie wandten sich gegen jede "Einmischung in die inneren Angelegenheiten". Sie verlangten zudem, dass sie für Ende November dieses Jahres geplanten Wahlen respektiert und nicht zum Verhandlungsobjekt der aktuellen Krise werden.

Die EU und die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) haben inzwischen angekündigt, ihre im Juli abgezogenen Botschafter wieder nach Honduras zu schicken. Sie sollen Zelaya unterstützen, hieß es. Die OAS will in den kommenden Tagen eine Delegation nach Tegucigalpa schicken, um dort Gespräche zu beginnen.

Internationaler Druck

Nach der Rückkehr Zelayas wächst der internationale Druck auf die Übergangsregierung, den Machtkampf friedlich beizulegen. Die UNO entzog Honduras am Mittwoch ihre Unterstützung für die geplanten vorgezogenen Wahlen, Brasilien forderte Beratungen im UN-Sicherheitsrat über die Krise. In Tegucigalpa kamen mindestens zwei Zelaya-Anhänger ums Leben.

Die technische Unterstützung für die geplanten Präsidentschaftswahlen am 29. November werde vorerst ausgesetzt, ließ UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in New York erklären. Derzeit erfülle das mittelamerikanische Land offenbar nicht die Voraussetzungen "für die Abhaltung glaubwürdiger Wahlen, die Frieden und Stabilität voranbringen", hieß es zur Begründung.

Der brasilianische Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva forderte den UN-Sicherheitsrat auf, die Krise in Honduras zum Thema zu machen. Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft appellierte am Mittwochabend in Brüssel an die honduranische Übergangsregierung, Zelayas Unversehrtheit sicherzustellen. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kündigte an, am Wochenende erneut eine Vermittlungsdelegation nach Honduras zu schicken. Die Putschisten haben dem zugestimmt, sagte OAS-Generalsekretär Jose Miguel Insulza in New York.

Zelaya war Ende Juni wegen seines Strebens nach einer weiteren, in der Verfassung nicht vorgesehenen Amtszeit vom Militär abgesetzt und außer Landes gebracht worden. Nach zwei vergeblichen Versuchen kehrte er am Montag in sein Heimatland zurück und fand in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa Zuflucht.

Menschenrechte in Gefahr

In Tegucigalpa war die Lage weiter äußerst gespannt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, die Menschenrechte und der Rechtsstaat seien in großer Gefahr. Die Polizei teilte unterdessen mit, dass zwei Menschen bei den Demonstration für Zelaya ums Leben gekommen seien. Ein Mann sei am Dienstagabend in der Hauptstadt bei Zusammenstößen mit der Polizei verletzt worden und später im Krankenhaus gestorben. Ein weiterer Mensch sei unter noch ungeklärten Umständen bei einer Demonstration gestorben.

Mordversuch

Laut Zelaya gab es hingegen zehn Todesopfer. Außerdem sprach er gegenüber der spanischen Zeitung "El Mundo" von einem gescheiterten Mordversuch auf ihn. Zelaya bekräftigte erneut seine Dialogbereitschaft, schränkte diese aber ein. "Mit Terroristen, die das Land als Geisel nehmen, ist ein Dialog nicht möglich." Dem staatlichen spanischen Rundfunk sagte er sogar: "Wir befürchten, dass bewaffnete Söldner die Botschaft stürmen, um uns zu ermorden."

Am Mittwoch strömten erneut bis zu 15.000 Zelaya-Anhänger in Tegucigalpa zusammen, um gegen den Putsch zu demonstrieren. Nach Berichten von AFP-Korrespondenten ging die Polizei mit Tränengas gegen etwa hundert Teilnehmer vor und nahm einige von ihnen fest. Die von Michelettis Regierung verhängte landesweite Ausgangssperre wurde vorübergehend ausgesetzt, damit sich die Menschen mit Lebensmitteln versorgen konnten.

Botschaft von Versorgung abgeschnitten

Die rund 300 Menschen in der brasilianischen Botschaft, zu der außer Zelaya und seiner Frau vor allem Anhänger des gestürzten Präsidenten gehören, waren weiter von der Versorgung mit Essen und Wasser abgeschnitten. Das Gebäude war von Sicherheitskräften abgeriegelt. (APA)


Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
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Nowotila
07
25.9.2009, 10:07
@Holger Analustia

He Holger,
wirst Du eigentlich nach Anzahl der abgesetzten Postings bezahlt oder nach eingestellten Nicknamen?

analustia
 
10
25.9.2009, 14:11
Wieso Holger?

Bitte titulieren Sie mich nicht mit fiktiven Namen, nur weil Ihnen meine Meinungsäußerung nicht passt! Auch wenn es Sie ärgert, dass das demokratische Volk von Honduras einen Chavez Knecht aus dem Amt gejagt hat, bleibt es dabei. Die Zeiten eines Zelayas als Politiker in Honduras sind Vergangenheit und werden Vergangenehit bleiben, da kann weder Chavez mit Drohgebärden, noch Lula mit seiner Mimik etwas dagegen tun.

Ernst Guevara
02
25.9.2009, 09:45
man liest hier oft von protesten, die angeblich von zelaya "gesteuert" werden und an denen tausende "zelaya-anhänger" teilnehmen.

aber diese "berichterstattung" ist sehr fragwürdig und dürfte mit der üblichen einfältigkeit, ahnungslosigkeit und propaganda-anfälligkeit der APA-"journalisten" zusammenhängen. es gehen in honduras menschen für die demokratie auf die strasse. manche von ihnen mögen tatsächlich überzeugte zelaya-anhänger sein, die meisten sind aber wohl einfach satt von den diktatur-spielchen der faschisten. nicht wenige werden auch unzufrieden mit der sozialen lage sein und sich auf dieser ebene veränderungen wünschen. aber die reduzierung des heterogenen protestes auf die "zelaya-anhänger" ist vor allem ausdruck einer simpel gestrickten denkweise und genügt sicher nicht den ansprüchen eines sachlichen und kompetenten journalismus.

analustia
 
51
25.9.2009, 06:34
"Rechtmäßig"?

Liebe Freunde, rechtmäßig war die Amtsenthebung von Zelaya, er wollte sich über die Verfassung seines Landes mit alle Gewalt an ein lebenslanges Amtsgeschäft bringen, ganz nach dem Vorbild seines "Ziehlkameraden" Hugo Chavez. Zelaya wurde rechtmäßig, nauf Grund einer Anordnung des obertsen Gerichts aus dem Amt enthoben. Das ist die Realität und deshalb kann "Rechtmäßiger Präsident" nicht Herr Zelaya sein! Wäre er ein Staatsmann, dann würde er verhindern, dass sich seine Landsleute wegen seines Machtanspruches gegenseitig jagen und töten. Zelaya ist Populist und träumt von Diktatur! Es lebe das frei Honduras!

Alf von Melmak
 
10
27.9.2009, 01:02
er wollte sich über die Verfassung seines Landes mit alle Gewalt an ein lebenslanges Amtsgeschäft bringen


Das mit dem "lebenslang" ist wohl seit einigen Tagen die Sprachregelung der Rechten, nachdem sie gemerkt haben, daß der Vorwurf, Zelaya hätte womöglich eine zweite Amtszeit angestrebt (obwohl durch nichts belegt) auch wenn er der Wahrheit entspräche, eigentlich nichts so schreckliches beinhaltet, als daß er einen Militärputsch rechtfertigen könnte.

charles reuon
03
25.9.2009, 17:27

Hans-Hansito-Holger etc.-Du bleibst ein Dödel;wie man das bei euch so sagen pflegt.

wider den rechten Kanaillen
02
25.9.2009, 02:03
Putschisten setzen Schallwaffen gegen brasilianische Botschaft ein. Ein Geschenk Israels!

http://www.heise.de/tp/blogs/8/145858

Laut der (rechtmässigen) Aussenministerin Patricia Rodas wird damit auch die brasilianische Botschaft bestrahlt.
http://www.aporrea.org/tiburon/n... 42791.html

Die Schallwaffen sind ein Geschenk Israels und werden vom US-Hersteller für den Einsatz gegen Demonstranten beworben.

Die Achse der Guten funktioniert noch.

E. Wart.
02
25.9.2009, 01:14
www.aporrea.org/tiburon/n... 42791.html

So arbeiten die Faschisten im Bereich der brasilianischen Botschaft in Honduras ... und die Welt schaut - noch - zu.
APA oder standard oder beide lügen unverfroren weiter: "Zelaya war Ende Juni wegen seines Strebens nach einer weiteren, in der Verfassung nicht vorgesehenen Amtszeit ....." Da gehört wirklich eine unglaubliche Kaltschnäuzigkeit dazu, diese Lüge - ungestraft - immer und immer zu wiederholen. Appell an Herrn Stackl: Stellen Sie diese manipulative Desinformation ab, wenns Ihnen erlaubt ist.

Brücke
03
24.9.2009, 20:07

Die Menschen in Honduras sollten sich ein Beispiel
an den vielen Postings und Videos , die von den Protesten im Iran ins Internet fluteten , nehmen .
( Oder fehlen in Honduras die Ambitionen der westlichen Geheimdienste ? )

Gelsomina
80
24.9.2009, 19:08

In einem Interview mit dem Miami Herald hat Zelaya gesagt, dass israelische Soeldner ihn von ausserhalb der Botschaft mit bewusstseinsveraendernden Strahlen und giftigen Gasen foltern.
http://tinyurl.com/yasnf2h

Ich haette dazu gerne die Meinung der vielen, vielen Anhaenger von Zelaya in diesem Forum. Wird's nicht Zeit, dass Sie ihm ein gegen die "Zionisten" impraegniertes Aluminiumkapperl spenden?

Nowotila
02
25.9.2009, 10:49
Israel hat Honduras Schallkanonen

zur Bekämpfung von Demonstranten geschenkt.

Interessante Zusammenarbeit.

Gelsomina
10
25.9.2009, 17:52

Welche Interessen hat Israel in Honduras? In Honduras leben ca. 25 Israelis und 200 Juden. Israel hat nicht einmal eine Botschaft in Honduras.

Oder sind Sie auch einer von denen, die an eine zionistische Weltverschwoerung glauben?

wider den rechten Kanaillen
00
26.9.2009, 13:27

Die israelische Regierung hilft dem US-Außenministerium um ihre Interessen (Militärdiktaturen in Lateinamerika) durchzusetzen.

Eine Hand wäscht die andere.

Gelsomina
00
26.9.2009, 19:25

Warum schicken die USA die Schallkanone dann nicht selber? Die erzeugen die Dinger ja schliesslich. Es gibt naemlich momentan nur eine einzige Schallkanone, den LRAD, und der ist ein US-Patent.

Ausserdem - wie soll so ein LRAD denn innerhalb von ein paar Stunden von Israel nach Honduras gekommen sein?

Abgesehen davon - die USA unterstuetzen Zelaya gegen Micheletti, und sogar ziemlich aggressiv.

Und was heisst "Eine Hand waescht die andere"? Sie haben offensichtlich nicht mitbekommen, was fuer ein Klima momentan zwischen Israel und den USA herrscht.

Sie leben wirklich noch im Kalten Krieg.

Raptor Jesus
00
25.9.2009, 02:10
Mike "Miami" Harald?

Der Wichser schuldet mir noch Geld!
Ist jetzt höchstwahrscheinlich in Honduras und kokst sich einen und redet mit unsichtbaren Staatsvertretern auf MEINE KOSTEN!!!

Brücke
03
24.9.2009, 23:21

Ein bisserl Wahrheit .
Die honduranische Armee hat von Isr*el
Schallkanonen bekommen , die nun gegen die
bras . Botschaft , in der sich Z. befindet ,
eingesetzt werden .

http://www.heise.de/tp/blogs/8/145858

analustia
 
60
25.9.2009, 06:38
So ein Unsinn

Wer das nun wieder in die Welt gesetzt hat. Die brasilianische Botschaft ist umstellt, damit der kriminelle, des Amtes rechtmäßig enthobene, Zelaya, der sich in der bras. Botschaft verschanzt hat, sich nicht noch einmal der Justuiz enziehen kann, sollte er die Botschaft verlassen. Lula sollte einwirken und sich um die tausende Armutstoten in seinem eigenen Land kümmern. Seit Lula in Brasilien an der MAcht ist hat sich die soziale Situation der Bevölkerung erheblich verschlechtert, die Mordrate ist gestiegen und die Fawelas sind um 35% gewachsen!

Alf von Melmak
 
10
27.9.2009, 01:07
damit der kriminelle, des Amtes rechtmäßig enthobene, Zelaya, der sich in der bras. Botschaft verschanzt hat, sich nicht noch einmal der Justuiz enziehen kann...


"noch einmal" -

wohl so wie beim ersten Mal, als er sich im Juni im Morgengrauen mit einem Militärflugzeug nach Costa Rica abgesetzt hat, um sich der Justiz zu entziehen?

Nowotila
03
25.9.2009, 12:42

Das ist der Holger H., der behauptet, er wäre gegen den Putsch.
Hofberichterstattung für die Militärjunta. Bewirb dich bei AP oder der honduranischen Militärjunta. Beide suchen Leute deines Schlages.

analustia
 
00
25.9.2009, 14:08
"Woher kennst Du meinen Namen?"

Hier scheint ein Alleswiiser seine unqualifizerte Meinung zu Kund zu geben. Die wahrheit mus Wahrheit bleiben und kann eben nicht so gedreht werrden wie die Kommunisten das wollen. Zelaya wurde tatsächlich legal aus seinem Amt enthoben! Der Chavez Freund hat nicht mit der demokratischen Kraft seines Landes gerechnet.

Gelsomina
30
24.9.2009, 23:51

Ja, ich hab's gelesen. Die zionistische Weltverschwoerung ist wieder am Werk, mit Schallkanonen und toedlichen rosa Fluessigkeiten.

Was an der Sache aber wirklich interessant ist, ist die Tatsache, dass bis jetzt niemand die CIA beschuldigt hat. Dass die USA Zelaya unterstuetzen, ist also doch schoen langsam durchgesickert.

Ferner ist interessant, dass Sie das Wort Israel mit einem Sternchen versehen haben. Es ist also ein Schimpfwort fuer Sie, und deshalb haben Sie Sorge, vom Standard zensiert zu werden, wenn Sie das Wort ausschreiben.

Johannes Morla
 
02
24.9.2009, 22:55
Erfindung, aber Du verbreitest es

Dieses Interview ist erwiesenermaßen eine Erfindung.

analustia
 
10
25.9.2009, 06:39
Erfindung

Danke, dass jemand es sagt! Das ist kommunistische Propaganda die dazu dient den Feind zu diskreditieren!

NONE
00
24.9.2009, 19:05

"der Rechtsstaat seien in großer Gefahr"

Amnesty International ist auch witzig - nach einem Putsch ist der Rechtsstaat in Gefahr... na das wusste Pinochet damals sicherlich nicht... auch AI braucht wohl noch etwas länger um zu erkennen das es nach einem Putsch kaum primär um einen Rechtsstaat geht.

analustia
 
20
25.9.2009, 06:40
Herr "NONE"

Noch einmal auch für Ihr Verständnis: In Honduras wurde nicht geputscht, sondern ein Präsident der sich über die Verfassung hinwegsetzen wollte Kraft Entscheidung des Obersten Gerichts und auf dessen Anweisung von der Nationalgarde des AMtes enthoben wurde!

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