Dieses Dreiertreffen war nicht substanzieller als andere in den vergangenen Jahren
Der Versuch Barack Obamas, durch demonstrative Strenge mit Israels Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das eigene Gesicht zu retten, ging schief: Breit lobte Israels Außenminister Avigdor Lieberman danach seine Regierung dafür, den Wunsch des US-Präsidenten nach einem Siedlungsstopp zu ignorieren, und Obamas Drängen auf eine rasche Rückkehr zum Friedensprozess tat er mit dem Hinweis ab, dass es noch andere ungelöste Konflikte auf der Welt gebe.
Und es nützte auch nichts, dass eine dem Weißen Haus nahestehende "Quelle" betonte, das Gespräch sei nicht sehr freundlich verlaufen: Israels Verteidigungsminister Ehud Barak versicherte prompt, dass sich Obama nach dem Verschwinden der TV-Kameras sofort "entspannt" habe.
Alles nur eine Show? Ja und nein. Dieses Dreiertreffen war nicht substanzieller als andere in den vergangenen Jahren. Das Einknicken Obamas, der nun von Israel öffentlich nur mehr Zurückhaltung im Siedlungsbau verlangt und Abbas gegen dessen Willen zum Gipfel kommandiert hat, ist evident. Gleichzeitig enthält das Pochen der israelischen Rechtsregierung auf ihren Erfolg auch ein schönes Stück Nervosität: Wenn Netanjahu auf CNN sagt, dass Obama vor "hunderten Millionen Muslimen" versichert habe (bei seiner Rede in Kairo, Anm.), dass das Band zwischen Israel und den USA unerschütterlich sei, so hat das auch etwas Flehentliches. Denn so zynisch kann nicht einmal Netanjahu sein, dass er Obama daran erinnern will, was dieser sonst noch alles gesagt hat - und was sich jetzt nicht erfüllt. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2009)