Die jahrzehntelange Erfahrung zeigt: Ohne Strafen geht es nicht
Das Kuchenstück wird ständig größer. Jetzt ist es bereits ein Viertel, das Frauen an ihre männlichen Kollegen abtreten müssen. Dabei besteht das Recht auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit seit mittlerweile 30 Jahren. Beinahe ebenso lange wird dessen Nichterfüllung beklagt. Zu Beginn nur von den Betroffenen, den Frauen. Heute von jedem, der etwas auf sich hält. Zumindest in der Theorie.
Jetzt machen sich zwei Ministerien endlich daran, nicht nur die "Begleitmaßnahmen", wie es so schön heißt, zu setzen, sondern direkt dort einzuhaken, wo es binnen kurzer Zeit zu konkreten Erfolgen kommt: bei der Einkommenstransparenz. Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern sollen deren Gehälter ab dem kommenden Jahr verpflichtend veröffentlichen – firmenintern und anonymisiert. Die Konsequenz: Wer Frauen nicht gleich bezahlt wie Männer – und auch nichts dagegen unternimmt –, soll zahlen.
Gut so.
Die jahrzehntelange Erfahrung zeigt: Ohne Strafen geht es nicht. Jedenfalls nicht ohne deren Androhung. Was hilft den Frauen die größte Kindergartenoffensive, das flexibelste Karenzmodell, die beste Berufsberatung, wenn sie dort, wo sie arbeiten, finanziell ausgepokert werden?
Keine Frage, all die erwähnten Faktoren sind wichtig. Aber sie sind unzureichend, wenn man sich nicht ans Eingemachte wagt. Die ÖVP tut sich mit diesem Schritt offenbar schwer. So ist zu befürchten, dass Frauen auch 2010 wieder an dem würgen müssen, was ihnen die Männer vom großen Ganzen übriglassen. (Karin Moser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9.2009)