"Der Fall des Lemming"

"Der Krotznig ist einfach nur grauslich"

24. September 2009, 12:44
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    foto: derstandard.at/putschögl

    Stefan Slupetzky: "Mir war's wichtig, dass der Schmäh rennt."

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    Der Autor der "Lemming"-Krimis hat im Film auch einen kurzen "Cameo-Auftritt".

Stefan Slupetzky, Autor der "Lemming"-Krimis, im Interview über die Arbeit am Drehbuch und seinen "Cameo"-Auftritt im nächste Woche anlaufenden Film

derStandard.at: Ihr erster Lemming-Roman, "Der Fall des Lemming", kommt am 2. Oktober in die Kinos (Regie: Nikolaus Leytner). Sie selbst sind ja unter anderem auch Dramatiker. Wie war die Arbeit am Drehbuch?

Stefan Slupetzky: Ja, ich mache auch Dramatisierungen fürs Theater und dachte deshalb, dass ich das locker aus dem Handgelenk schütteln kann. Ich bin dann allerdings draufgekommen, dass Drehbuch eine ganz eigene Spielklasse ist. Die Hauptarbeit hat Agnes Pluch gemacht. Sie hat strukturell das meiste gearbeitet, natürlich auch vieles verändert oder weggelassen. Ich habe mich dann eher darauf beschränkt, die Dialoge zu bearbeiten. Mir war's wichtig, dass der Schmäh rennt.

derStandard.at: Haben Sie auch das Set besucht?

Slupetzky: Ich war genau dreimal am Set und habe auch meinen kleinen Cameo-Auftritt absolviert. Ich habe mir gedacht: Was der Hitchcock und der Haas (Wolf Haas, Anm.) können, das muss ich jetzt auch abliefern (lacht).

derStandard.at: Welche Szene war das?

Slupetzky: Sie spielt im Wartezimmer der Tierärztin Klara.

derStandard.at: Durften Sie bei der Besetzung mitreden?

Slupetzky: Es gab einen Pool an Darstellern; beim Krotznig war er etwas größer, beim Lemming etwas kleiner. Mitreden, meine Anmerkungen einbringen habe ich dürfen, mitentscheiden natürlich nicht.

derStandard.at: Wie sind Sie zufrieden mit dem Casting?

Slupetzky: Fritz Karl eignet sich meiner Meinung nach wunderbar für den Lemming. Beim Bezirksinspektor Krotznig (Roland Düringer, Anm.) hätte ich persönlich allerdings einen voluminöseren Typen gesehen. Mein Favorit wäre Wolfgang Böck gewesen. Aber Düringer hat das wunderbar gespielt, ich habe den Film schon gesehen und war wirklich sehr angetan. Krotznig ist im Film zwar schon eine andere Figur als im Buch, aber nicht minder widerlich.

derStandard.at: Die Figur des Krotznig gibt es im kürzlich erschienenen vierten Band, "Der Zorn des Lemming", nicht mehr, er stirbt schon im zweiten Band. Haben Sie das beim Schreiben je bedauert? 

Slupetzky: Literarisch habe ich das überhaupt nicht bedauert, weil Krotznig für mich eine sehr eindimensionale Figur war. Er hatte wenig Facetten, war einfach nur grauslich. Und dementsprechend hat die Figur literarisch wenig hergegeben. Im Zuge der Drehbuch-Arbeiten habe ich das natürlich schon bedauert, weil doch die Hoffnung besteht, dass vielleicht auch der zweite "Lemming"-Roman verfilmt wird und eventuell auch der dritte. Und dann haben wir ein Problem, weil der Krotznig im Film natürlich sehr prominent ist.

derStandard.at: Sie haben bereits anklingen lassen, dass zunächst einmal Schluss sein wird mit den "Lemming"-Krimis. Was haben Sie als Nächstes vor?

Slupetzky: Ich plane vorerst einmal nur, wieder einen Roman zu schreiben. Ob das Wort "Kriminal-" davor stehen wird oder nicht, das überlasse ich der Entwicklung der Geschichte, die ich ja noch nicht so genau kenne.

derStandard.at: Können Sie schon verraten, worum's in Ihrem nächsten Buch gehen wird?

Slupetzky: Ich habe einen ganz groben Plot, oder vielmehr eine Grundidee, im Kopf. Da gibt's zwar Tote, und es geht auch um Investigation, aber es steht kein Verbrechen im Vordergrund. Mich interessiert etwas völlig anderes; nämlich ein Phänomen, das ich zunächst bei mir und dann in weiterer Folge bei einer ganzen Reihe meiner Freunde festgestellt habe, deren Väter verstorben sind: Dass es immer wieder Momente gibt, in denen die Fantasie einem vorgaukelt, der Vater hätte sein Ableben vielleicht nur vorgetäuscht. Einfach deshalb, weil man es nicht ertragen kann, dass dieser Mensch nicht mehr existiert. Und dann schlägt einem die Fantasie wirklich unglaubliche Kapriolen: Wie hätte er das bewerkstelligen können? Lebt er jetzt vielleicht in Chile als Schuster? Dieses Thema interessiert mich. Diese Unerträglichkeit, einen wichtigen, vielleicht den wichtigsten Menschen verloren zu haben, für immer. Und das hinzunehmen scheint den meisten Leuten nicht möglich zu sein.

derStandard.at: Fürchten Sie eigentlich, dass Sie viele Leser wieder verprellen könnten, wenn Sie jetzt keinen Lemming mehr schreiben?

Slupetzky: Nein, das fürchte ich nicht. Ohne jetzt überheblich sein zu wollen: Aber ich glaube, dass viele Leute, die die Lemming-Romane schätzen, das nicht nur deshalb tun, weil hier Leichen, Morde und Aufklärungen stattfinden, sondern auch aufgrund des Stils, der Denkweise etc. Und den Stil und die Denkweise würde ich ja nicht ablegen.  (Martin Putschögl, derStandard.at, 23.9.2009)

Zur Person

Stefan Slupetzky, geb. 1962 in Wien, studierte an der Akademie der bildenden Künste, unterrichtete danach ein Jahr lang Kunst- und Werkerziehung an einem Wiener Gymnasium und lebt heute als freischaffender Autor und Illustrator in Wien.

Zum Film

"Der Fall des Lemming", Kinostart am 2. Oktober (zur Website)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Henry David Thoreau
00
6.10.2009, 13:27
langweiliger film

bis aufn düringer. der dr. grinzinger war noch ganz gut, aber die story war dünnstens und der lemming zum einpennen. der knochenmann fährt mit dem film sein programm.

Lord Schaumloeffel
43
25.9.2009, 14:14
isr nur meine persönliche, aber durch viele gelesene bücher und gesehene filme verfestigte meinung:

kriminalliteratur aus österreich ist eine blase. es gibt den wolf haas, der ist unbestritten, aber eigentlich sein eigenes genre.

und der rest (von slupetzky über benvenuti und rossmann bis raab bzw. gelegenheitswiederholungstäter wie wagner u. v. a. m.) ist an guten tagen bestenfalls mittelprächtig, an normalen tagen aber leider nicht mehr als zeitverschwendung. und zwar sprachlich, von den figuren (ich kann keine kochenden/feinschmeckerischen/weinaffinen ermittler mehr lesen!!!) bis zu den meist lähmenden nicht-stories.

aus so einem pool kommen dann halt leider die entsprechenden filme. der lemming ist da leider keine ausnahme; wird die enttäuschung des herbstes werden.

Die Tante
00
26.9.2009, 21:04
Schon mal gelesen?

Abseits der üblichen "Stars" gibt's da noch einige lesenswerte Talente, die absolut lesenswerte österreichische Kriminalliteratur abliefern: Andreas Pittler, Claudia Rossbacher, Amaryllis Sommerer, Ivo Schneider, Robert Pucher, Nora Miedler ... Garantiert rezeptfrei, spannend und gut geschrieben. Alle auf www.krimiautoren.at

dr.vordernwald
11
27.9.2009, 08:05
eine frage der ansprüche

es ist halt immer die frage: will man literatur lesen, wenn man einen krimi in die hand nimmt. oder sucht man die leichte unterhaltung. die meisten gebens billig. sowohl die leserInnen. wie die (österreichischen) autorInnen. leider. auch die preise nur ein spiegel dieser tatsache. als vorbild schwebt da philip marlowe über allem. alles anti. alles schräg. hauptsache grauslich. oder einfach irgendwie lässig anders.
ich halte die aktuelle österreichische krimiliteratur auch für äußerst entbehrlich. und bei weitem überschätzt. billiger chandler-abklatsch...leider.

Dawei
00
27.9.2009, 09:38

Wiener Zeitung vom 26. 9. 09: Die interessantesten, durchaus anspruchsvollen Wien-Romane der letzten Jahre stammen allesamt von Krimi-Autoren, (...) die es alle famos verstehen, rund um einen Plot, der mitunter zur Nebensache verkommt, ein literarisch dichtes, sprachlich funkelndes Wiener Lokalkolorit zu schaffen.
Welt online vom 26. 9. 09: Tu felix Austria - jedenfalls, was die Gewitztheit und Originalität der Krimiautoren anbelangt.

Zebulon
00
25.9.2009, 19:58

Fragt sich, ob Sie überhaupt so etwas wie gute Tage kennen: Wenn man Ihre zahlreichen Postings der vergangenen Monate überfliegt, bekommt man den Eindruck, dass Sie: a) unglaublich viel Zeit haben, um b) andere Leute anzurotzen. Etwas mehr Wohlwollen und etwas weniger prinzipielle Miesmacherei würde Ihnen sicherlich bessere Tage bescheren.

Lord Schaumloeffel
01
26.9.2009, 01:23
Hmm, vielleicht haben sie recht

Aber meine Tage sind nicht so schlecht, wie sie vielleicht annehmen, ganz im Gegenteil. Aber ich werd dennoch in mich gehen und vielleicht etwas nachsichtiger wieder rauskommen. Allerdings bei anderen Themen - bei 80 % der Austrokrimis bleib ich bei meiner Meinung "leider Zeitverschwendung".

In diesem Sinne: turnikoti, turnikota, der zeboulon ist wieder da ;-)

Dawei
04
26.9.2009, 10:24

Deutscher Krimipreis: Haas (mehrmals), Steinfest (mehrmals), Hochgatterer
Glauser-Preis: Kneifl, Komarek, Glavinic, Naber, Slupetzky, Faschinger
Burgdorfer Krimipreis: Haas, Slupetzky
Bremer Krimipreis: Slupetzky
Soviel zum Stellenwert der österreichischen Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum. Ein Glück nur, dass die Neidgenossenschaft an den österreichischen Grenzen endet.

Zebulon
01
26.9.2009, 01:07

Und noch eine Kleinigkeit: Dass etwa Heinrich Steinfest mehrmals den deutschen Krimipreis gewonnen hat, Stefan Slupetzky den "Glauser", den Burgdorfer (wie auch Wolf Haas) und den Bremer Krimipreis, wirft genügend Licht auf den Stellenwert der österreichischen Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum. Gottlob ist der österreichische Neid ein sehr begrenztes Phänomen.

Kabine Zapfinger
00
25.9.2009, 17:29
Nur aus Interesse:

Liest Du gerne Krimis? Welche Autoren gefallen Dir?

Ich bin nicht sicher, ob ich Deine Kritik vollinhaltlich teile. Aber Kritik, auch harte, ist schon wichtig, damit sich etwas weiterentwickelt. Möglicherweise ist es so: Die aktuellen österreichischen Krimischreiber ebnen den Weg für künftige Autoren. Immerhin ist der österreichische Krimi heute eine akzeptierte Größe. Vor 20 oder 30 Jahren konnte davon noch keine Rede sein - mit Ausnahme des genialen Helmut Zenker. Kurz: Es hat sich mitterweile einiges getan und zum Positiven gewandelt.

Lord Schaumloeffel
00
25.9.2009, 17:40
liebe kabine...

... ich liebe krimis und thriller. zum beispiel die skandinavier (muss gar nicht der mankell sein). zum beispiel "mensch ohne hund" war ein echter pageturner für mich. oder die jo nesbro-bücher. weil die eine sprache draufhaben, die, ich weiß kein besseres wort dafür, literarisch ist. und bei den fällen, themen und der spannung mit den anglo-amerikanern mithalten können. oder wirklich skurril sind, wie manche finnen.

ich hoffe, dass der weg für künftige autoren geebnet wird. aber ich fürchte, dass der viele, viele schrott made in austria, der den krimimarkt verstopft, dieses genre wieder implodieren lassen wird. leider. denn wie gesagt - ich liebe das zeug (wenn es gut ist).

Zebulon
00
26.9.2009, 09:51

Deutscher Krimipreis: Haas (mehrmals), Steinfest (mehrmals), Hochgatterer
Glauser-Preis: Kneifl, Komarek, Glavinic, Naber, Slupetzky, Faschinger
Burgdorfer Krimipreis: Haas, Slupetzky
Bremer Krimipreis: Slupetzky
Soweit zum Stellenwert der österreichischen Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum. Ein Glück, dass nur die Neidgenossenschaft an unseren Grenzen endet.

Zebulon
00
25.9.2009, 16:55

Kennen Sie so etwas überhaupt: "normale", geschweige denn "gute Tage"? Wenn man die riesige Menge Ihrer Standard-Postings der letzten Monate überfliegt, bekommt man den Eindruck, dass Sie a) unglaublich viel Zeit haben, um b) möglichst viele Leute anzurotzen.
Ein bisschen weniger Misanthropie und ein bisschen mehr Wohlwollen würde Ihnen wahrscheinlich zu besseren Tagen verhelfen, als Sie sie offenbar haben.

nebenerwerbsposter
80
25.9.2009, 07:29
ich wünsche allen

dass wenigstens der film gut ist - das buch ist, trotz teils sagenhafter "kritiken", ein mist!

Andi Arroganti
00
25.9.2009, 16:01

der film ist ok, nicht aufregend, aber gut gemacht

chilli p.
00
25.9.2009, 13:38
falsch: "die bücher sind ein mist" .

richtig: "ich finde, die bücher sind ein mist".

Fritze Flink
05
25.9.2009, 13:07
mir haben die lemming-bücher

ausgesprochen gut gefallen.
vielleicht könnten sie mir - zu vergleichszwecken - ein paar buchtitel verraten, die ihnen gefallen haben?

nebenerwerbsposter
00
28.9.2009, 12:37

wenn's um krimis geht, schätze ich die skandinavier sehr, mankell natürlich, arne dahl, jo nesbo, ake edwardson, aber auch autoren wie ian rankin, jan seghers usw.
und wenn schön ö-krimi, dann bleib ich gleich bei wolf haas.

Karla Al-Rak
00
25.9.2009, 14:42

Der Nebenerwerbsposter kann höchstwahrscheinlich nur aus folgenden von ihm gelesenen Büchern wählen: "Der Schatz im Silbersee" und, äh, äh ... aus.

amrum1
00
25.9.2009, 07:02
vorbei

gestern habe ich eine Vorschau von dem Film gesehen und mir nur gedacht: Ja der Düringer war auch schon mal witziger, der hat seine beste Zeit hinter sich. Irre tiefe Dialoge und Lacher ist mir dabei keiner ausgekommen. Schade! Die früheren Filme bzw. Kabaretts waren einfach besser.

Agent Provocateur!
00
28.9.2009, 11:23
???

Düringer spielt eine ROLLE und nicht sich selbst. Die von ihm gespielte Person ist weder witzig und geistreich noch hat sie Tiefe.

Zyan Karli
00
24.9.2009, 23:44

Hier - zur Erbauung - das Strottern-Slupetzky-Video zum Lemming-Filmsong:
http://www.youtube.com/watch?v=vFHQGyUaMu4

Chris_SM
11
24.9.2009, 15:03
Na, ich weiß nicht

Der Trailer, erstmals beim Kino unter Sternen gesehen, haut mich nicht vom Hocker. Die Szenen erinnern an typisch ö. Fernsehkrimis. Düringer ist aber herrlich grauslich Der Regisseur ist ein routinierter Fernsehmann mit wenig und schon länger zurückliegender Kinoerfahrung, von dem man kaum eine eigene Handschrift erwarten darf.

Aber natürlich sagt ein Trailer wenig aus. Der Film startet mit sehr hoher Kopienzahl. Grasser, der als "kommerziellster" ö. Filmproduzent gilt(in 3 Tagen bist du Tod), ist durchaus zuzutrauen, einen soliden puplikumsträchtigen Unterhaltungsfilm auf die Beine zu stellen. Ö braucht nicht nur hohe Kunst a la Haneke o. Spielmann sondern auch gutes Unterhaltunskino.
Es bleibt zu hoffen, dass der Film dem entspricht

mika33
00
24.9.2009, 14:31
Ich schlage hiermit "grauslich" für das Unwort des Jahrs vor.

Kabine Zapfinger
02
24.9.2009, 13:05
Ich habe ihn im Zelt beim Burgtheater gesehen.

Er kam bei seiner Lesung ziemlich sympathisch rüber (obwohl die Umstände im Zelt eher grauenhaft waren: Straßenlärm, wenige Zuhörer, keine Moderation).
Grundsätzlich finde ich es gut, dass die österreichische Krimilandschaft gut bestückt ist und hoffentlich noch weiter wächst.

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