Autofreier Tag

"Rasen auf dem Ring" brachte Parteien zum Rasen

22. September 2009, 17:48
  • Picknick auf der Wiener Ringstraße

Die Ringsperre löste eine wilde politische Debatte aus - Auf dem flugs verlegten Rasen wurde indes ein entspanntes Fest gefeiert

Punkt 12.15 Uhr fahren die Polizisten am unteren Ende der Babenbergerstraße die Scherengitter aus. Ein Passant schlendert auf die mit einem Schlag autofreie Ringstraße und schaut in Richtung Oper. Dort, wo sich die Autokolonne in die Umleitung staut. "Scho' angenehm", grinst der Ringstraßen-Steher. "Wennsd die da hinten siehst, gspürst richtig, was die für an Schleim ham. Des hat was."

Der Passant dreht sich in Richtung Parlament um und sieht, wie der „Marchfeldrasen"-Lastwagen die Wiesenrollen anliefert. "Is das jetzt öko, wenn der Truck vorfährt? Eigentlich hätten s' den Rasen mit dem Radl anliefern müssen." Doch der Rest wird tatsächlich ausschließlich auf Lastenrädern antransportiert: Die Liegestühle, die Bierfässer, die Getränkekisten, das Essen für das Picknick.

"Rasen am Ring"

Um Punkt 14 Uhr kann die Party mehrerer Umweltorganisationen beginnen: Das Wiesenpicknick unter dem Motto "Rasen am Ring" - Festgäste liegen auf dem Gras, Kinder spielen Fangerln, Hunde sind auch ein paar da - aber müssen sich zurückhalten. 

Es war der zehnte EU-weite autofreie Tag, an dem sich am Dienstag 375 österreichische Gemeinden beteiligten. Laut Peter Czermak vom Klimabündnis Österreich, das die Aktionen koordiniert, soll damit gezeigt werden, „wie und wann man auch ohne Auto gut unterwegs sein kann. Das ist viel öfter möglich, als die meisten glauben. Immerhin sind die Hälfte der Autofahrten unter fünf Kilometer."

Heftige politische Diskussionen

Dass am zehnten von der EU initiierten autofreien Tag erstmals die Ringstraße für acht Stunden gesperrt wurde, löste eine heftige politische Diskussion aus. Noch am Vortag hatte Verkehrsstadtrat Rudi Schicker (SP) betont, dass dies "keine Aktion der Stadt Wien" sei: "Aktionen bei denen das Demonstrationsrecht bewusst nur deshalb in Anspruch genommen wird, um im Wiener Straßenverkehr zur Hauptverkehrszeit künstlich Hindernisse zu erzeugen, schätze ich absolut nicht."

Kritik musste die SP trotzdem einstecken: "Diese Ringsperre wird als Provokation empfunden", empörte sich City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, VP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier sah gar die ganze Stadt „lahmgelegt". Die Grünen wiederum erinnerten die VP daran, dass Vizekanzler Pröll im Jahr 2004 die Ringsperre am autofreien Tag „groß zelebriert hat und sich auf dem Rad ablichten ließ". Damals halt noch als Umweltminister. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD; Printausgabe, 23.9.2009)

Cremers Photoblog
Rasen am Ring

Kommentar posten
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shoemaker
00
11.10.2009, 18:33

Da meine postings der zensur zum opfer fallen, nehme ich an, der standard ist nicht an einer diskussion interessiert, sondern nur an der verbreitung bestimmter meinungen.

werwolfi
00
10.10.2009, 20:25

diese bigotte VP-partie, die's immer grad so hat, wie sie es zur desavouierung des politischen gegners oder zur zelebrierung der eigenen großmannssucht grade braucht, möge sich doch bittte irgendwo verlieren und den rest der menschheit nicht mehr behelligen, dankeschönvielmals.

sput nik
11
10.10.2009, 18:24
autofahrer haben täglich ihre autodemos

autofahrer haben täglich ihre autodemos auf der ringstrasse und für nur einen einzigen tag wollen die autolosen auch mal ihren spass haben.
http://www.youtube.com/watch?v=d38LvHrf7H4

hanslblasta
00
10.10.2009, 13:44
" (SP) betont, dass dies 'keine Aktion der Stadt Wien' sei"

Mut kann man nicht kaufen

Shevchenko
10
9.10.2009, 17:29
Die Provaktion

für den 1. Bezirk ist die Frau Stenzel selbst. Den Rudolfplatz hat sie erfolgreich eingezäunt, mit zwei Toren verschlossen, dann renovieren lassen, um dann wieder zei neue Tore anzubringen. Geldverschwendung. Frage: Warum muss man um einen Park einen Zaun hochziehen. Die Stadtsandler hat niemanden gestört.

seemsaint
01
2.10.2009, 13:36
Nicht durchdacht

Ein Problem in Österreich mit den Öffis ist, dass sie sich (meist) nur rentieren, wenn man überhaupt kein Auto hat. Habe ich ein Auto, muss ich sowieso Versicherung, Steuer, Garagenkosten etc. bezahlen. Da ist die Monatskarte teurer, als es dann auch für den Weg in die Arbeit zu nutzen. Weil nurmehr reiner Spritpreis anfällt.

Solange die Politik es nicht fördert, dass man zwar ein Auto besitzen kann, aber für den Weg in die Arbeit (oder andere Strecken) auch mal die öffis benützt; und solange die hardcore grünen uns alle zum völligen Verzicht auf Autos verdonnern möchten - solange ist das alles kontraproduktiv und solange wird sich nichts tun.

hanslblasta
00
10.10.2009, 13:49
wenn ich mit dem Auto fahre,

fahre ich mit dem Auto

wenn ich mit dem Zug fahre - lese ich den STANDARD am Laptop;

wenn Öffis bequem sind, sind sie ein Gewinn an Lebensqualität, damit um ein paar Hausecken herum auch ein volkswirtschaftlicher Gewinn, weil natürlich die Arbeitsleistung steigt;
aber Sie haben schon recht und mir gehts auch so: Monatskarte und mehr als viermal im Monat mit dem Auto zur Arbeit fahren ist von der Kostenseite gesehen teuer;

anna b
00
6.10.2009, 14:37
nicht verzichten heißt nicht automatisch besitzen

Wieso muss man ein Auto besitzen? Heutzutage gibt's schon fast überall die Möglichkeit (zum. in Bezirkshauptstädten) bei Bedarf eines auszuleihen: http://www.carsharing.at

Dann klappt's auch mit der billigen Monatskarte, weil die laufenden Kosten wegfallen (durchschnittl. Auto macht immerhin ca. 600 €/Monat aus). Und es bleibt auch noch genügend Geld für ein paar Taxifahrten im Monat.

jumpingjack flash
00
6.10.2009, 16:34

das ist sehr hoch angesetzt - aber wenn sie ein paar mal mit den denzltarifen fahren kommen sie sogar auf die €600 (ohne die karte für öffis).
nahezu alle die es sich leisten können (und die sind nicht alle deppert) fahren mit dem auto - und das hat gründe.
sharing ist umständlicher und teuer - sonst würden es ja viel mehr menschen inanspruch nehmen.

Fleisch
11
6.10.2009, 13:25

man kann jedenfalls auch den rückschluss ziehen: das auto rentiert sich nicht. es ist finanziell sinnnvoller, in einer ÖV-mässig gut erschlossene gegend zu ziehen und kein auto zu haben.
die politik hat ja nur auf die steuer direkten einfluss. und von einer umverteilung der nova und der motorbezogenen versicherungssteuer auf eine kilometerabh. steuer würde sich das grundvh. nicht ändern. die einzige änderung, die in die von ihnen vorgeschlagene richtung wirken würde, wäre es, die straßen langsam in richtung kostendeckung zu entwickeln. derzeit ist es so, dass die straßenerrichtung und erhaltung (abgesehen von autobahnen) selbstverständlich aus steuergeld bezahlt werden, während öffis "defizitär" sind und daher (ÖBB) gekürzt wird.

shoemaker
00
11.10.2009, 16:21
kostendeckung

straßenerrichtung und erhaltung wird nicht aus steuergeldern bezahlt, sondern aus den abgaben der autofahrer. die einiges mehr blechen als dafür notwendig ist.

hcl
01
29.9.2009, 21:16

"Die Parteien"? Da steht nur was von SPÖ und ÖVP. Daß Schicker keine Politik für öffentlichen Verkehr und Radfahrer macht, ist eh klar und Stenzl ist sowieso eine Blödquatsche.

Gerhard Schwarz
 
26
29.9.2009, 01:24

Autofreier Tag. Ohne Auto oder im Stau. Richtig so.

Cape Of Green Hope
52
26.9.2009, 19:06
1.+2.+3.

1. Straßenflächen runter
2. Spritpreis rauf
3. Das Auto und alles drumrum sollte gerade so teuer werden, dass man es sich aus Prestigegründen kaufen kann (Erhalt des Statussymbols) aber das Fahren damit so teuer wird, dass man sich als Umweltförderer outen kann (bringt auch Prestige).

hanslblasta
01
10.10.2009, 13:52
wenn'S am Land wohnen,

spielts es ohne Auto nicht;
in einer Stadt ist der Besitz eines Autos, ohne damit Geld zu verdienen (zB auswärts zur Arbeit zu fahren), ein teurer Spaß;

Longyearbyen
 
31
25.9.2009, 11:38
Indoktriniert und neurotisiert

Es ist leichter einem afrikanischen Hexengläubigen seinen Irrglauben auszureden als einem österreichischen Autonarr dazu zu bewegen seinen Götzen stehen zu lassen.

Helmut-S
04
24.9.2009, 10:31
Zum Thema Öffis...

...keine zwei Tage und schon die nächste Anekdote:

Ich warte auf die Straßenbahn für die Fahrt um nur eine Station bis zur Schnellbahn. Ich bin 15 Minuten vor Abfahrt der Schnellbahn bei der Bim-Haltestelle, reine Fahrzeit grade mal 4 Minuten oder so, also bei einem Intervall von offiziell 6 Minuten überhaupt kein Problem.

Die Bim kommt erst nach 5 Minuten, immer noch reichlich Zeit - Leute steigen ein - dann heißts auf einmal "wird eingezogen, alle aussteigen" und warten auf die nächste. Die nächste kommt in 7 Minuten (verspätet). Die Schnellbahn ist weg, kostet nochmal 15 Minuten bis zur nächsten.

Ich will mir die Zusatzkosten eines Autos derzeit nicht leisten, aber ich versteh jeden der es tut.

Eigenverantwortung statt Abhängigkeit.

hanslblasta
00
10.10.2009, 13:57

in 15' geht ein durchschnittlich fitter Mensch eineinhalb Kilometer

und dass ein Öffi mal hin ist, kann passieren (zum Spaß wird kein Wagen eingezogen);
btw: Autos funktionieren immer klaglos;

anna b
00
6.10.2009, 14:40

Wieso fahren Sie nicht mit dem Fahrrad zur Schnellbahn (oder gleich die ganze Strecke)?

jumpingjack flash
00
6.10.2009, 16:18

das liegt halt im persönl. ermessen - wenn alle immer zu fuss gehen würden könnten alle autos, öffis und sogar die fahrraderzeugung eingespart werden.

LPFe
21
28.9.2009, 15:39
wenn's zufuss gegangen wären, hätten's die schnellbahn dawischt

sohn i
02
26.9.2009, 07:25
Eine Straßenbahn-Station ...

... sollte ein gesunder Mensch einfach zu Fuß gehen.

werwolfi
00
10.10.2009, 20:33

darum gehts nicht.
zufällig war es diesmal eben nur 1 station. wären es 10+ gewesen, wäre das mit dem zu fuß gehen nicht mehr so einfach, bei weltuntergangswetter ebensowenig.
es geht um's prinzip, nämlich dass auf allen innerstädtischen strecken außer vielleicht den U-bahnen (und auch dort nicht immer) man sich im falle von einzuhaltenden terminen nicht wirklich auf die fahrpläne/intervalle verlassen kann oder sehr große toleranzen einplanen muss.

von den lächerlichen uhrzeiten an denen manche (bus)linien den betrieb einstellen (21 uhr irgendwas...) fang ich gar nicht an.

toberfrau1
00
28.9.2009, 23:03

Natürlich kann man eine Station zu Fuß gehen, wenn man will, wenn man nicht schwer zu tragen hat und es die Gesundheit erlaubt. Tatsache ist aber daß sich, wäre man 3 Stationen vorher eingestiegen, genau die gleiche Situation ergeben hätte - Straßenbahn eingezogen + Verspätung = Schnellbahn weg. Fahre ich mit dem Auto und es staut brauche ich zwar auch länger aber immerhin ist es im Auto wesenlich angenehmer als im Wartehäusl oder am Bahnsteig, oder etwa nicht?!

mereandor
 
00
29.9.2009, 09:59
Im Auto Angenehmer als an der Straßenbahnstation ...

Also ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich an der frischen Luft sehr viel wohler fühler als in einem 1.5 Tonnen schweren Metallkäfig.
Der Einzige Grund sich dort nicht wohl zu fühlen ist für mich der Lärm und der Gestank genau dieser Metallkäfige.

Ob und wie gut man mit den Öffis sein Ziel erreicht hängt genauso wie mit jedem anderen Verkehrsmittel davon ab wie gut man die möglichen Routen kennt. Bei den Öffis kennt man relativ bald die besten Routen bzw. die Tageszeiten zu denen man hald extra Puffer einberechnen muss.

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