Auf Sumpf gebaut

  • Die Welt ist ein Dorf, das um eine künstliche Marina angelegt wurde: Da
treffen sich die Senioren aus dem Beach Hotel mit den Gästen aus der
Suite.
    foto: sani-resort

    Die Welt ist ein Dorf, das um eine künstliche Marina angelegt wurde: Da treffen sich die Senioren aus dem Beach Hotel mit den Gästen aus der Suite.

Das Sani-Resort auf Kassandra ist ein schönes Stück griechischer Tourismusgeschichte

Während im schicken Restaurant Tomata Küchenchef Chrysanthos Karamolegos Tunfischtatar an Fetavinaigrette und Pita-Souvlaki mit Kitz auftragen lässt, flanieren draußen am Pier britische Senioren und bestaunen eine 50-Fuß-Yacht mit dem schönen Namen "Marge". Längst nicht alle der 215 Liegeplätze in der privaten Marina des SaniResorts auf Kassandra sind belegt, aber trotzdem gibt es genug zu schauen. Griechische Jungfamilien machen davon ebenso Gebrauch wie die Touristen und flanieren abends ausgiebig über die Shopping-Piazza, die um den Hafen angelegt wurde.

Wie auf dem Teller im Nobelrestaurant bei den jährlichen Gourmetwochen ist es auch draußen die Neuinterpretation des Altbewährten und die Mischung aus Jung und Alt, die vielleicht den Erfolg dieser Ferienlandschaft ausmacht. Bösere Zungen würden vielleicht von einem bloßen Zitat des Originals sprechen, denn die Marina ist nur das Abbild eines romantischen griechischen Fischerhafens, 2003 aus dem sumpfigen Boden gestampft und nach dem Willen der Eigentümerfamilien geformt.

Diesem ausgeprägten Willen ist jedenfalls ein Stück beispielhafter Tourismusgeschichte zu verdanken. Als Anastasios Andreadis, Leonidas F. Zisiadis und Leonidas K. Zisiadis erstmals in der Sani-Bucht landeten, war hier tatsächlich nichts anderes zu finden als Sumpf, Pinienwälder und Meer. Wir schreiben die 60er-Jahre, und Kassandra ist nur mit dem Boot zu erreichen, kein Mensch denkt an die touristische Erschließung dieses abgelegenen Fleckens. Dementsprechend bescheiden ist die Begeisterung der gestrengen Ehefrauen, als die Pioniere stolz vom Erwerb der völlig wertlosen Ländereien berichten. Den Jungs werden erst einmal Schläge angedroht - aber sie behalten recht.

Kaum ist die Straßenverbindung nach Kassandra gebaut, wird am schönsten Ende der Bucht 1971 der Sani Beach Club errichtet. Ähnlich einem amerikanischen Motel werden Bungalows gebaut, in deren Erdgeschoß die Autos parken können, mit denen die Touristen in den 70er-Jahren nach Griechenland strömen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, in mehreren Umbauphasen wurde der Beach Club dem Flugtourismus angepasst, Autos sind heute in der noblen Fünf-Sterne-Anlage verboten, die fußmüden Gäste werden in Golfcarts herumkutschiert.

1984 erfolgte mit dem Bau des Sani Beach Hotels der nächste Streich - wieder auf der Höhe der Zeit in Form eines Hochhauses, wie man es von den Küsten Spaniens und Norditaliens hinlänglich kennt. Der Massentourismus war in Sani angekommen. Heute ist der Klotz den Eignern eher ein Dorn im Auge, aber viele Stammgäste schätzen ihr Zimmer mit Balkon und halten dem inzwischen renovierten Haus die Treue.

Das 1997 errichtete Porto Sani Village atmet den Geist der Postmoderne. Ein gemütliches Dorf will es sein, und doch sieht jedes der locker hingestreuten Reihenhäuser gleich aus. Allein die Schwalbennester geben den einstöckigen Villen mit Balkon und Vorgarten so etwas wie Individualität.

Ganz auf Exklusivität setzte man 2003 bei den Sani Asterias Suites, die sogar über einen eigenen Strandabschnitt verfügen. Ein Beispiel, das hoffentlich nicht Schule machen wird - lebt das Resort doch von dem bunten Mix seiner Stilrichtungen und Gäste. (Tanja Paar/DER STANDARD/Printausgabe/19.9.2009)

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