Porträts von Reich & Schön

26. März 2003, 19:42
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Zum 200. Geburtstag: Friedrich von Amerling in der Österreichischen Galerie Belvedere

Wien - Einen leicht grantig blickenden, mit weißen blickdichten Seidenstrumpfhosen angetanen Herrn Klestil oder Schüssel in Öl zu malen und damit Berühmtheit zu erlangen, so etwas kann man sich bei einem heutigen Maler nie mehr vorstellen. Bei Friedrich von Amerling war das noch so, als er Kaiser Franz I. im Königsornat samt Strumpfkleid porträtierte und damit schlagartig zum bekanntesten Porträtisten Österreichs wurde. Das blieb er auch, für das 19. Jahrhundert gesehen, wurde aber nie zum offiziellen Hofmaler erklärt. Als absolut schick galt es, sich vom Frauen nicht verschmähenden, allein viermal verheirateten Maler porträtieren zu lassen.

Amerlings Bildnisse charakterisieren die Personen, sind deshalb nicht - wie etwa bei Waldmüller - gnadenlos realistisch. Am 14. April wird diese österreichische Institution 200 Jahre. Und in ihrem wiederum 100. Bestandsjahr wagt die Österreichische Galerie eine Werkschau mit 97 Porträts des einst gefeierten, 1887 verstorbenen Malers, dessen Ruf sich laut Direktor Gerbert Frodl in letzter Zeit "verflüchtigt" hatte.

Mehr als 1200 Werke hinterließ Amerling, 40 davon besitzt die Österreichische Galerie. Zwar erstreckt sich sein Schaffen bis in die 1880er-Jahre, also in den Historismus, als beste Zeit gelten jedoch die 30er und 40er. Wenig ist da von den gemeinhin rührseligen Bildern des Biedermeier zu spüren - nur die Witwe appelliert sichtbar an das Mitgefühl der Betrachter -, auch wenig von der Genremalerei.

Erzählerisches findet sich selten auf Arbeiten, welche um die Liebe und den Klassiker Wein, Weib, Gesang kreisen. Stilistisch prägten die großen britischen Porträtisten Amerlings Bilder, später kamen italienische Einflüsse hinzu. Über ein halbes Jahr studierte der Künstler die Malweise eines Thomas Gainsborough oder Joshua Reynolds, wandelte deren kalte Brillanz und Eleganz ins eher Schwerere (Österreichische?) ab, integrierte wie sie Versatzstücke ins Bild, etwa Vorhangdraperie.

In Zeiten vor der Fotografie malte Amerling seine Freunde und Bekannte, darunter den Bildhauer Thorwaldsen, Franz Grillparzer oder auch eine Angebetete, die sein Angebot, sich "ihm als Lebensgefährtin anzuschließen", tunlichst ausschlug. Er variiert dabei Halb- und Dreiviertelporträts, manchmal ungewöhnlich von oben, mit gesenktem Blick.

Jeweils ein Galerieraum widmet sich einer Themengruppe, und so führt das Zimmer mit den 13 Selbstporträts aus sämtlichen Schaffenszeiten den Wandel vom bescheidenen Künstler bis hin zum leicht arroganten, bärtigen alten Meister, einer lokalen Größe, vor Augen.

Die zwei berühmtesten Bilder des Künstlers sind dies zu Recht: das Porträt einer keck mit Blumendeko im Haar versehenen Bürgerstochter und vor allem die im Besitz des Cleveland Museum of Art befindliche Morgenländerin. Verschiedene "Volkstypen" und "Studienköpfe" brachte Amerling ebenso auf Leinwand, über die gängige Orientalismus-Mode der damaligen Zeit hinausgehend.

Alles in allem ein Stück österreichische Geschichte, die da plastisch und auch manchmal kitschig aus den Gesichtern blickt. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2003)

Von Doris Krumpl

Ausstellung bis 22. 6.

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Belvedere

  • Dekoration und Charakter: Elise Kreuzberger, 1837 gemalt von Friedrich von Amerling (1803-1887).
    foto: österr. galerie

    Dekoration und Charakter: Elise Kreuzberger, 1837 gemalt von Friedrich von Amerling (1803-1887).

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