Schönen Gruß und Gratulation

31. März 2003, 16:06
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Verkaufsrate von 59 Prozent bei der 43. Kunstauktion "im Kinsky"

Wien - Das Bild eines Stammtisches im Bierkeller, gemalt von der Münchnerin Hedwig Oehring im 19. Jahrhundert, oder auch eine St.-Wolfgang-Ansicht des Zweitliga-Malers Adolf Helmberger ist dem heimischen Kunstpublikum immer noch näher als eine wirklich gute Arbeit des gesellschaftlich ohnehin bereits satisfaktionsfähigen Christian Ludwig Attersee. Zu diesem Schluss muss man u.a. nach der diesen Dienstag abgehaltenen 43. Kunstauktion "im Kinsky" kommen, zu denen die "Wiener Kunst Auktionen" geladen hatten. Helmberger & Oehring wurden nämlich ersteigert, Attersee blieb nebst Bildern von internationalen Kunst-Shootingstars wie Fabian Marcaccio liegen.

Das neue Konzept - neues Erscheinungsbild plus qualitative Straffung - sei aufgegangen, heißt es "im Kinsky". Immerhin fuhr man - voraussichtlich - 1,54 Millionen Euro oder 59 Prozent nach Wert ein. Dabei hatte es nicht gerade gut angefangen. "Schönen Gruß und Gratulation" - die Worte von Auktionator Otto Hans Ressler an den Telefonbieter, der eine Avramidis-Fünffigurengruppe um 95.000 Euro erstanden hatte, konnte er bei der Sparte "Zeitgenössische Kunst" kaum mehr einsetzen. Außer bei einer Skulptur des Biennale-Teilnehmers Bruno Gironcoli (48.000 €). Der Wein-&-Co-Chef Heinz Kammerer ersteigerte im Saal ein Werk des kürzlich verstorbenen Walter Navratil um niedrige 10.000 Euro.

Adolf Loos' Möbel namens "Knieschwimmer", angeboten in der diesmal schmal bestückten Sparte Jugendstil, ging baden. Die Stimmung verbesserte sich bei den Antiquitäten: Tiffany-, Lötz- sowie Murano-Vasen verkauften sich gut, ebenso possierliche Schnapsgefäße des 18. Jahrhunderts, die den Sammlern immerhin bis zu 10.000 Euro wert waren. Ein Gotikglas, der Form halber "Krautstrunk" genannt, brachte 48.000 Euro.

Einen guten Griff hatte man "im Kinsky" mit den Gemälden, allein das Top-Los, Carl Spitzwegs ewiger Hochzeiter, blieb unbeboten. Dies begründete man mit der jüngsten Absenz von Bietern bei Auktionen in Deutschland. Das zweite Top-Los, Alfons Waldes Winteridylle, kam auf hohe 90.000 Euro, die restliche Walde-Offerte war ebenfalls erfolgreich. Den Vogel schossen aber drei sehr modern wirkende quadratische Ölbilder von Carl Moll ab. Deren positive Stimmung, expressiv und mit Verve auf die Leinwand gesetzt, wirkt als Antidepressivum in düsteren Zeiten. Das heftig umworbene Mohnblumenfeld kletterte von der unteren Taxe von 18.000 Euro auf stolze 95.000, zwei weitere Molls gingen mit 45.000 und 32.000 Euro an neue Sammler. (Kunstmarkt, DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2003)

Von Doris Krumpl
  • (Zum Vergrößern)Mit breitem
Pinselstrich
flott und locker
auf die Leinwand
gebrachtes,
auf 18.000
Euro geschätztes
"Mohnblumenfeld"
von
Carl Moll.
Das wurde von
einem Sammler
mit 95.000
Euro (Kaufpreis 117.000 Euro) honoriert.
    foto: im kinsky/katalog

    (Zum Vergrößern)

    Mit breitem Pinselstrich flott und locker auf die Leinwand gebrachtes, auf 18.000 Euro geschätztes "Mohnblumenfeld" von Carl Moll. Das wurde von einem Sammler mit 95.000 Euro (Kaufpreis 117.000 Euro) honoriert.

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