Das große "Aua" vermeiden

27. März 2003, 12:17
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Kinder sind kreativ - Nicht nur beim Spielen und Lernen, sondern auch beim Sich-weh-Tun - eine Firma will die Risiken minimieren

Wien - Glucke? Wieso Glucke? Nicole Hansen schüttelt energisch den Kopf: Davon, dass sie übervorsichtig sei oder die Sorge von jungen Eltern ausnutze, könne keine Rede sein. Im Gegenteil. "Kinder sollen sich ruhig auch anhauen. Dass man manchmal auf die Nase fällt, gehört zum Großwerden einfach dazu."

Unterschiede

Nur: Es gibt eben Unterschiede zwischen aufgeschürften Knien und schweren, für ein ganzes Leben entstellenden Verbrennungen - nur weil der Topf mit dem kochenden Wasser halt doch nicht so unerreichbar war. Und wenn Nicole Hansen dann mit ihrer elendslangen Checklist durch eine Wohnung marschiert, entdecken auch viele Eltern erst, wo sich der Nachwuchs mehr als bloß blaue Fleck holen könnte: Nicole Hansen macht Wohnungen sicher. Kindersicher.

"Babysafe"

"Babysafe" nennt sich das Consultingunternehmen, das die zweifache Mutter im Jahr 2000 gegründet hat. Und wie bei so vielen anderen Serviceideen auch, stand das eigene Unwissen und der Wunsch, sich beraten zu lassen, bei der Gründung Pate: "Ich hatte keine Ahnung", erinnert sich die Wienerin, "und habe jemanden gesucht, der sich auskennt und mich berät."

Bloß: Es gab halt niemanden. Jedenfalls niemanden, der jenen Unternehmen nahe kam, die Hansen bei Aufenthalten in den USA kennen und schätzen, aber mangels Eigenbedarf nicht nutzen gelernt hatte. Der Rest der Gründungsgeschichte erklärt sich sich von selbst.

Binsenweisheiten Natürlich sei das meiste von dem, was sie den Leuten rate, logisch. Binsenweisheiten. Dass Stiegenabgänge, Medizinschränke oder Steckdosen gesichert werden müssen, sei jedem klar. Doch spätestens wenn auf der Checklist "Luftlöcher in alle Truhen bohren", "Kleiderständer kippsicher machen" oder "Leitern liegend aufbewahren" steht, gibt es Aha-Erlebnisse. Und wo es Treppenschutzgitter mit geringerer Spaltbreite als zehn Zentimeter, magnetische Küchenkasterlverriegelungssysteme oder tatsächlich zertifizierte Sicherungstools gibt, sei nicht unbedingt Allgemeinwissen, erklärt Hansen.

Mit Angstmache, betont die Kindersicherungsfachfrau, habe das nichts zu tun, im Gegenteil: Nur Unfälle, die nicht passieren, tauchen in keiner Statistik auf. Und in Österreich verletzen sich immer noch 180.000 Babys und Kinder pro Jahr zu Hause, referiert Hansen: "Kinder sind unheimlich kreativ: Die finden immer was, wo sie sich weh tun können. Nur sollte das halt nicht zu dauerhaften Schäden oder schweren Verletzungen führen." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 27.3.2003)

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