Unternehmensberater Roland Berger empfiehlt Bundesbahnen, B-Strecken zu streichen, um Kosten zu senken
Die finanziell schwer angeschlagenen ÖBB bereiten sich auf ein massives Kürzungsprogramm bei ihren Strecken vor. Betroffen sollen davon nicht nur Nebenbahnen sein, sondern auch das B-Netz der Regionalbahnen. Dies berichten "Kurier" und "STANDARD" (Dienstag-Ausgaben) mit Hinweis auf eine entsprechende Studie des internationalen Beraters Roland Berger. Die Staatsbahn war kurzfristig für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Morgen, Dienstag, tagt der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding und der hat neben der brisanten Studie auch die Datenaffäre um Krankenstandsdiagnosen abzuarbeiten. Bei letzterem hat Verkehrsministerin Doris Bures klaren Tisch vom Aufsichtsrat gefordert.
Insgesamt stehen im Personen- und Güterverkehr laut Insidern 1.600 Kilometer Schiene zur Disposition, darunter nicht wenige Streckenabschnitte, die von der ÖBB-Infrastruktur Betrieb noch im Jänner 2007 mit "W" klassifiziert wurden. "W" bezeichnet jene 1620 Kilometer Bahn im mehr als 5.000 Kilometer langen ÖBB-Schienennetz, für die "gesamthafte Mobilitätskonzepte erstellt werden bzw. eine zielgruppenorientierte Bedienung erfolgen" sollte, heißt es im "Standard".
Entbehrliche Strecken
Bedroht sind demnach unter anderem die Abschnitte Ebensee-Stainach-Irdning, Neusiedl-Wulkaprodersdorf, Bad-Fischau-Brunn-Puchberg/ Schneeberg, Spielfeld/Straß-BadRadkersburg, oder Wels-Sattledt. Letztere sind laut Regionalbahnkonzept für die Rail Cargo Austria (RCA) entbehrlich und für den "mittelfristigen Rückzug" am Radar. Da sich Streckenauslastung und Kosten bei einem Solobetrieb des Personenverkehrs massiv verschlechtern, stünden die Chancen für eine Erhaltung nun schlechter denn je.
Die ÖBB würden sich allein durch Einstellung bereits nicht mehr befahrener und/oder die Abgabe von Schmalspurbahnen und Normallinien (Kategorie Y; u. a. Weitersfeld-Drosendorf, Feistritz-Rosenbach oder Neukirchen-Haag/Hausruck) jährlich 7,5 Mio. Euro ersparen. Zähle man geplante Investitionen hinzu, die durch "Netzoptimierung" vermeidbar oder einsparbar wären, ersparte sich die ÖBB-Infrastruktur bei Erhaltung und Betrieb jährlich fast 20 Mio. Euro.
Bei der Bahn ist man jedenfalls skeptisch, dass die Berger-Vorschläge realisiert werden können. "Wenn wir das alles umsetzen", so ein Aufsichtsrat zum "Kurier", "dann können wir die Bahn gleich zusperren". Denn ein großer Teil der Maßnahmen sei politisch schlicht nicht durchsetzbar. (APA)