Putschpräsident

Micheletti zu Gespräch mit Zelaya bereit

23. September 2009, 14:14

Übergangsregierung knüpft Dialogangebot an Bedingungen - Sicherheitskräfte gehen gegen Zelayas Anhänger vor

Tegucigalpa - In Honduras ist die Lage nach der Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya weiter extrem gespannt. Übergangspräsident Roberto Micheletti knüpfte ein Gesprächsangebot am Dienstag (Ortszeit) an weitreichende Bedingungen. In der Hauptstadt Tegucigalpa gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Zelayas Anhänger vor und belagerten dessen Zufluchtsort, die brasilianische Botschaft.

Zelaya soll Wahlen anerkennen und sich Haftbefehl beugen

Als Voraussetzung für einen Dialog müsse Zelaya die für den 29. November von der Übergangsregierung geplante Präsidentschaftswahl anerkennen, hieß es in einer Erklärung von Micheletti, die sein Außenminister Carlos Lopez verlas. Es sei ausgeschlossen, dass Zelaya wieder ins Amt zurückkehre. Außerdem müsse sich der entmachtete Präsident dem vom Obersten Gericht ausgestellten Haftbefehl beugen, forderte Ex-Parlamentspräsident Micheletti. Wenn Zelaya diese Voraussetzungen erfülle, könnten die Gespräche in der kommenden Woche "im Rahmen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS)" unter internationaler Beobachtung stattfinden. Als "Bürger von Honduras" habe Zelaya selbstverständlich das "Recht, hier zu sein", hieß es in der Erklärung Michelettis weiter.

Heimliche Rückkehr

Drei Monate nach dem Putsch gegen ihn war Zelaya am Montag heimlich nach Honduras zurückgekehrt und hatte in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa Zuflucht gefunden. Nachdem sich die Nachricht von der Rückkehr verbreitet hatte, versammelten sich tausende seiner Anhänger vor dem Botschaftsgebäude. Armee und Polizei trieben die Menge am Dienstag mit Tränengas und Knüppeln auseinander. Einige Demonstranten hätten zuvor Autos angezündet sowie Geschäfte und Wohnungen zerstört, hieß es zur Begründung des gewaltsamen Vorgehens.

18 Verletzte

Nach Krankenhausangaben wurden 18 Anhänger Zelayas verletzt. Die Anführerin einer Indianer-Organisation lastete den Sicherheitskräften zwei Todesopfer sowie die Misshandlung von Demonstranten an. Andere Menschenrechtsorganisationen sprachen von Massenfestnahmen. Die landesweite Ausgangssperre wurde bis Mittwoch in der Früh (Ortszeit) verlängert. Viele Menschen hielten sich bereits am Dienstag nicht daran; es kam zu vielen Festnahmen.

Ohne Strom und Wasser in brasilianischer Botschaft

Unterdessen verschärfte sich auch in der brasilianischen Botschaft die Lage. Die etwa 300 Diplomaten, Zelaya-Anhänger und Journalisten in dem Gebäude waren von der Strom- und Wasserversorgung abgeschlossen, die Telefonleitungen waren tot. Außerdem gingen die Essensvorräte zuneige. Die Botschaft sei abgeriegelt, sagten Sicherheitskräfte. Die brasilianische Regierung teilte mit, eine Honduras-Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats beantragt zu haben

Gerüchte, die honduranische Armee wolle die Botschaft stürmen, wies die Übergangsregierung zurück. Ein solches Vorgehen sei nicht einmal in Erwägung gezogen worden, sagte Vize-Außenministerin Martha Lorena Alvarado im Rundfunk. Zugleich forderte sie Zelaya auf, sich den Behörden wegen des Vorwurfs des Hochverrats zu stellen.

Zelaya fordert Gegenmaßnahmen der UNO

Zelaya warf der Übergangsregierung vor, eine "unterdrückerische und kriminelle Diktatur" zu errichten. Die UNO solle sofort Gegenmaßnahmen ergreifen, sagte er kurz vor der UNO-Generaldebatte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Dem Sender "Radio Habana Cuba" sagte Zelaya, Handelssanktionen würden "den Staatsstreich in weniger als zwei Minuten" beenden. Er selbst habe Kontakt zu einigen Vertretern von Armee und Polizei aufgenommen, um die Krise im Land zu entschärfen.

Die sogenannte Rio-Gruppe, der mehr als 20 lateinamerikanische Staaten angehören, forderte die honduranische Übergangsregierung auf, die Bevölkerung nicht zu unterdrücken. Außerdem müsse sie Zelayas Wohlergehen sicherstellen.

Zelaya war Ende Juni vom Militär außer Landes gebracht worden, weil ihm unterstellt wurde, mit Hilfe einer Verfassungsänderung eine weitere Amtszeit angestrebt zu haben. Nach der geltenden Verfassung darf Zelaya bei der bevorstehenden Präsidentenwahl nicht kandidieren. (APA)

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NONE
00
23.9.2009, 22:02

Welche Forderung die Putschisten stellen ist komplett irrelevant.

Sie können Zelaya auch nicht zum Verzicht aufs Präsidentenamt zwingen. Wo bleibt hier eigentlich der Druck aus der EU und den USA? Warum mischt sich nicht Mexiko stärker ein?

E. Wart.
01
23.9.2009, 21:44
Wenn die internationale Staatengemeinschaft will, kehrt in Honduras Zelaya und die Demokratie wieder ein

Dieser gefährliche Clown Pinocheletti hat überhaupt keine Bedingungen zu stellen !
Es ist - wie Brasiliens Präsident Lula sagte - Präsident Zelaya unverzüglich wieder in sein Amt einzusetzen - und zwar bedingungslos.
"Verhandlungen" mit den Putschisten in Honduras dürfen keinesfalls zu deren Straffreiheit führen - wie Herr Stackl richtig schließt.
Diese von Washington gezüchteten und scharf gemachten "Gorillas" - wozu dient denn die US-Militärbasis im bettelarmen Honduras und das US-Ausbildungslager für Folter und Unterdrückung, die umbenannte "School of the Americas" ? - dürfen im Interesse aller Völker nicht ungeschoren davonkommen.

Johannes Morla
 
00
23.9.2009, 19:45
Keine Verhandlungen bitte.

Für Micheletti und seine Putschkollegen kann es nur eines geben: Prozess wegen Hochverrats, Gefährdung des inneren Friedens, Mordes (an Demonstranten) und noch einigen Delikten und zwar vor einem Militärgericht - denn das kann auch die Todesstrafe, die ihnen gebührt, aussprechen.

GrexMachine
15
23.9.2009, 16:51
Als "Bürger von Honduras" habe Zelaya selbstverständlich das "Recht, hier zu sein", hieß es in der Erklärung Michelettis weiter.

Aha, vor 3 Monaten war das anders, oder was?
Es wird wirklich Zeit, dass die Putschisten ihre Niederlage eingestehen. Weder das Volk noch die internationale Gemeinschaft sind auf ihrer Seite.

Viper001
40
23.9.2009, 20:41
die Betonung liegt


auf "Bürger von Honduras", nicht aber als potentieller Reservechavez...und zukünftiger Machthaber aufs Lebenszeit..

mit solchen Typen haben die Lateinamerikaner ganz schlechte Erfahrungen gemacht, und machen's noch immer..

darum war das kein Putsch in Honduras, sondern der ganz legitime Versuch eine Verfassung, die potentiellen Diktatoren Einhalt gebietet, zu verteidigen..

wenn wer ursprünglich via "Referendum" putschen wollte, dann war das der Zelaya..

Gen.Takumi
00
23.9.2009, 16:07
die süddeutsche zeitung spricht auch von toten

"Die Polizei verletzt 20 Demonstranten, einige tödlich."
> http://www.sueddeutsche.de/politik/1... 8568/text/

Gen.Takumi
00
23.9.2009, 16:30
nicht ganz korrekt

sie spricht von 2 Toten

Gen.Takumi
01
23.9.2009, 16:06
Medienfreiheit auf honduranisch (Quelle Telepolis)

Das Putschregime reagierte panisch. Die Mobilfunknetze des größten Betreibers Tigo wurden gesperrt, Medien zunächst vorübergehend abgeschaltet. Am Dienstagvormittag besetzten Militärs dauerhaft die Senderäume des TV-Kanals 36. Zugleich wurden die Zufahrtsstraßen nach Tegucigalpa von der Armee gesperrt. Radio Globo hatte zuvor berichtet, dass tausende Menschen aus dem Umland in die Hauptstadt unterwegs seien...

Wiener Konfitüre
20
23.9.2009, 15:12
Viva el presidente!

Oder ein kleines bisserl Honduras für zuhause ...

... die Tropico 3 Demo ist da!

http://www.tropico3.com/

Gen.Takumi
01
23.9.2009, 14:58
no comment

»Wir werden den inneren Frieden um jeden Preis bewahren«, drohte General Vásquez Velásquez, »selbst wenn das Leben kosten sollte.«

NONE
03
23.9.2009, 13:53

Was mir weiter auffällt ist das einige Medien von "Übergangsregierung" sprechen.

Ich finde das eine Schweinerei wenn zugleich Menschen sterben weiterhin von einer "Übergangsregierung" zu sprechen.

Gen.Takumi
02
23.9.2009, 13:50
weitere tote

nachdem das regime die demonstranten mit aufstandsbeseitigungstruppen äußerst brutall auseinandertrieb und die bisher bereits bekannten menschenrechtsverletzungen geschahen, sind die die nicht gleich in das stadium der stadt deportiert wurden weiterhin von derpolizei bedrängt wurden. in verschiedenen stadtteilen der hauptstadt kam es zu demonstrationen und barikadenkämpfen. bei einer demo wurde ein weiterer mensch getötet. zahlreiche verletzte gab es leider bisher auch....

Peterk K
20
23.9.2009, 13:46
Verkehrte Welt

Weder ist die Vorgangsweise der dzt. Regierung akzeptabel, einen Präsidenten außer Landes zu bringen, sondern sie hätte eine rechtliche einwandfreie Vorgangsweise zu wählen und Anklage gegen den Präsidenten zu erheben, noch ist die Vorgangweise Zelayas zu tolerieren und sich gegen die Verfassung derart eine weitere Amtsperiode bzw. auch nur eine verfassungsgebende Versammlung genehmigen zu lassen.

Auch Reagan hätte noch gerne eine 3.Amtsperiode und wohl auch die Mehrheit der Wähler hinter sich gehabt, aber es war nicht verfassungsgemäß und was würde in Österreich sein, wenn der BP nach 2 Amtsperioden noch weitermachen will und meint, es genüge einfach das Volk zu befragen.
Insofern liegt die Ursache des Problems zunächst bei Zelaya!

Gen.Takumi
02
23.9.2009, 14:57
leider sind sie einer medienlüge aufgessen

zelaya hatte niemals vor wiedergewählt zu werden, dass ist schlicht erlogen. die streitgegenständliche vierte urne diente tatsächlich nur dazu einen demokratisierungsprozess in gang zu setzen, der in einer neuen magna carta geändet hätte. sowas gibt es durchaus auch bei uns, nur nicht auf einem solch basisdemokratischen niveau(leider!).

insoweit ist es schlicht falsch zu sagen: der zelaya trägt ja eine mitschuld.

Nebenbei wer hat interesse an dieser vision? die sie, hier so schön wiedergaben. warum wird sie so eifrig, auch von unseren medien verbreitet? nachtigal ick hör dir trapsen.

Gelsomina
00
23.9.2009, 22:37

Nehmen wir einmal an, Zelaya hatte wirklich nicht vor, eine Wiederwahl fuer sich zu arrangieren. Warum war die Verfassungsaenderung dann so dringend, dass er den Truppenbefehlshaber Romeo Vasquez entlassen hat, als dieser seinem Befehl nicht folgte, das Referendum gegen den Willen des Parlaments und des Obersten Gerichtshof zu organisieren?

Warum musste Zelaya, an der Spitze eines Mobs, in ein Gebaeude am Flughafen einbrechen, um die Wahlurnen zu stehlen, die auf Anordnung des Justizministers dort aufbewahrt wurden?

Der Praesident im Kampf gegen jede Instanz einer demokratisch gewaehlten Regierung? Das ist der Versuch, eine Diktatur zu errichten.

Gen.Takumi
02
23.9.2009, 13:24
bereits 3 Tote (Quelle: Indymedia.honduras)

2 erwachsene und ein kleines kind sollen durch den angriff der polizei gestorben sein. das kind ist an den den tränengasdämpfen erstickt. offizielle medidien boykotieren alle informationen im land, auch diese.
ja es wird hier auch davon gesprochen, dass im stadion interniert wird, wird doch der tod des orpheus neu aufgeführt,für alle die ihn damals in santiago oder in auschwitz verpassten.mir wird schlecht!
und da meinen hier welche cool bleiben zu wollen und andere smphatisieren im schutz der anonymität des mediums offen mit diesen faschistoiden bastarden. wiederbetätigung ist in diesem land mit grund ein strafbarer akt.
trotz allem machen verhältnisse geschichte, daher trotz den gräulen,werden die honduras-faschisten letztlich verlieren

wider den rechten Kanaillen
019
23.9.2009, 02:14
300 Demonstranten im Fußballstadion interniert

http://www.aporrea.org/tiburon/n... 42697.html

An was erinnert uns das bloss? Ach ja, der chilenische "Interimspräsident" Pinochet hat das auch gemacht.

Der Amtsvorgänger von H. Clinton appellierte auch an Pinochet und dem Leichnam von Allende, sie mögen sich doch an einem Tisch setzen und die Sache friedlich lösen ... Allende widersprach nicht mehr.

So wie Allende hätten unsere Medienbesitzer gerne Chavez, Morales und Correa. Dann wäre die Berichterstattung nicht gar so negativ über Venezuela, Bolivien und Ecuador.

Aber Lula ist noch für Überraschungen gut. Positive Überraschungen.

Peterk K
110
23.9.2009, 14:11
ziemlicher Unsinn, dies mit Pinochet und Allende

gleichzusetzen, denn 1. hat der Oberste Gerichtshof in Honduras, die von Zelaya angesetzte Volksbefragung für illegal erklärt. Ein solche ist gegen die Verfassung Honduras gerichtet, da Verfassungsänderungen bezüglich der Amtperiode des Präsidenten nicht zulässig sind und ebenso unzlässig sind Volkbefragungen und Volksentscheide dazu.

Zelaya verweigerte in diesem Zushang auch die Umsetzung eines weitern Entscheids des Obersten Gerichtshofes von Honduras mit der Begründung das Volk sei die "Stimme Gottes". Wenn unser Bundespräsident auf Anordnungen bzw. Urteile / Erkenntnisse des OGH / VfGH so antworten würde, wäre hierzulande wohl auch "Ausnahmezustand."

NONE
00
23.9.2009, 13:54

Tja, Geschichte wiederholt sich.

dr.no3
05
23.9.2009, 08:49
always remember the eleventh of september

1973

Cello Swiss
163
23.9.2009, 00:37
Rausholen

Ich hoffe, dass die Regierung Honduras Zelaya einfach aus dem Botschaftsgebaeude herausholt und der Justiz uebergibt.

Was Brasilien hier treibt ist unertraeglich.

dr. kokos
 
00
23.9.2009, 19:11

wie kann man sich nur erblöden, so eine aussage zu tätigen? die brasilianische botschaft ist brasilianisches hoheitsgebiet, eine erstürmung kommt daher einer kriegserklärung gleich. und das kann sich honduras nicht leisten, das müsste selbst einem unterbelichteten holzkopf wie dir einleuchten, wenn er schon von internationalem recht nichts versteht.

edson arantes do nascimento
00
23.9.2009, 18:36
weiss ja nicht in wie weit Sie sich mit

INTERNATIONALEM RECHT auskennen, aber es macht keinen unterschied ob man zelaya mit gewalt aus der brasilianischen botschaft raus holt oder mit einem honduranischen sonderkommando aus seinem hotel in rio de janeiro befreien würde. beides ist brasilianisches territorium!
beides wäre für brasilien ein legitimer kriegsgrund, nämlich die verletzung von brasilianischem hoheitsgebiet! oder ums Dir anders vor augen zu führen: versuche morgen mit einem flugzeug ohne (über)fluggenehmigung in die USA zu fliegen - viel spass!

Nicolas Castillo
01
23.9.2009, 14:08
na, auch kriegsgeil?

spiel doch einfach lieber in deinem Garten Räuber und Gendarm, vielleicht befriedigt dich das.

NONE
02
23.9.2009, 13:55

Du kleiner Troll :)

Im übrigen sind Botschaften extraterritorial.

Da kann man nicht "einfach so" jemanden herausholen.

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