Gute Geschäfte mit Nazi-Devotionalien in der Wiener Innenstadt
Wien - Harald Mayer will keine Anlaufstelle für Neonazis sein. Er betreibe in der Opernpassage unter dem Wiener Karlsplatz lediglich Handel mit Waren aller Art - und dazu gehören in diesem Fall auch alte Ansichten von Adolf Hitler. In der Auslage hängen mehrere Porträtkarten des Nazi-Führers. Gleich daneben ein in Plastikfolie verschweißtes Flugblatt zur Nazi-Wanderausstellung "Der ewige Jude" in der Wiener Nordwestbahnhalle im Jahr 1938 (das gleichnamige filmische Machwerk kam zwei Jahre später in die deutschen Kinos).
Laut Mayer sind die Bilder des Braunauer Massenmörders ein Renner bei Touristen. "Vor allem Besucher aus den USA nehmen sich für zehn, elf Euro gern einen Hitler mit nach Hause. Den kennt ja auch jeder", verteidigt der Krämerladenbesitzer die opulent braune Auslagengestaltung. Beschwerden über die Nazi-Devotionalien im Herzen der Wienerstadt habe es noch nie gegeben, beschwört Mayer. Ein wenig verunsichert durch die Standard- Nachfrage kündigte er aber am Montag an, seine Auslage weitgehend zu entnazifizieren. Auf seinem Webportal hat der steirische Schmuck- und Altwarenhändler übrigens keine Nazi-Überbleibsel im Angebot.
Nicht verboten
Verboten ist der Handel mit Hitler-Bildern nicht - so lange sie nicht zu verbotenen Handlungen "aneifern", wie es im Verbotsgesetz heißt. Verbotene Orden, Uniformen und Symbole (Hakenkreuz) fallen unter das Abzeichengesetz. Nicht erlaubt ist in Österreich auch der Handel mit Hitlers Buch Mein Kampf, dessen Copyrigth in Europa dem Freistaat Bayern gehört. In Deutschland dürfen nur Ausgaben von Mein Kampf nicht ver- und gekauft werden, die nach der Gründung der BRD im Jahr 1949 gedruckt wurden. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 22.9.2009)