Die NS-Diktatur im normalen Salzburger Leben

21. September 2009, 18:01

Eine 30-köpfige Wissenschaftergruppe ruft die Stadtbewohner dazu auf, ihre Arbeit mit der Suche nach Quellen zu unterstützen

Salzburg - Tagebücher, Briefe oder Feldpost - der Salzburger Historiker Ernst Hanisch ist sich sicher, dass auf vielen städtischen Dachböden bisher unbekannte historische Quellen zu finden sind. Der pensionierte Universitätsprofessor leitet eine 30-köpfige Wissenschaftergruppe, die im Auftrag der Stadt in den kommenden fünf Jahren die Geschichte Salzburgs im Dritten Reich aufarbeiten soll. Die Salzburger selbst sollen die Historiker unterstützen, indem sie gezielt nach Briefen und anderen Alltagsquellen suchen und diese dem Stadtarchiv zur Verfügung stellen.

Wesentlicher Inhalt des Forschungsprojektes sei, aufzuzeigen, wie sich eine menschenverachtende Diktatur im "normalen" Leben habe festsetzen können, so Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) zur Forschungstätigkeit. Neben der politischen und militärischen Vergangenheit stehen das Alltagsleben und die Kultur, aber auch die Machtstrukturen in Justiz, Exekutive und Stadtverwaltung im Zentrum.

Dabei geht es aber auch um Informationen für die Bürger. Kaum jemand wisse, dass die Staatsbrücke im Zentrum der Landeshauptstadt von Zwangsarbeitern errichtet werden musste, nennt Hanisch ein Beispiel. Die Ergebnisse der Forschungstätigkeit sollen mit einer eigenen Vortragsreihe den Bürgern vermittelt werden. Kommenden Donnerstag startet die erste Reihe, die sich mit der Vorgeschichte des Nationalsozialismus an der Salzach beschäftigt. Neben einer Bibliografie, einer Sammlung von Bildern und einer Chronik von 1938 bis 1945 ist auch ein biografisches Lexikon im Entstehen. Hier sollen Täter, Opfer und Gegner des Regimes erfasst werden.

Die Bürgerliste nimmt das NS-Projekt zum Anlass, um die einzige Bücherverbrennung auf österreichischem Boden (am 30. April 1938) zu thematisieren. Bis heute erinnert in Salzburg trotz eines aufrechten Gemeinderatsbeschlusses nichts an die Bücherverbrennung am Residenzplatz. Das ursprüngliche Projekt - ein vom Architekten Max Rieder entworfenes, bewegliches Lichtmahnmal - wird, nachdem die gesamte Neugestaltung des Residenzplatzes auf Eis gelegt wurde, nicht umgesetzt werden. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 9. 2009) 

Flavio Maffia
20
27.9.2009, 09:45

Och sowas wollte ich auch mal machen.

"Ich rufe das Stadtarchiv auf, schaut in euren Archiven nach. Ist der Adi noch Ehrenbürger? Stehen noch ein paar verdächtige Eichen rum?
Denkmäler die nicht Salzburgerisch sind?
Schiebts nicht auf die Lange Bank.
Die Dinosaurier hat ein Meteorit ausgelöscht das ist Bewiesen, die Säugetiere nicht!"

Kahuna
12
22.9.2009, 14:23
"Die Salzburger selbst sollen die Historiker unterstützen, indem sie gezielt nach Briefen und anderen Alltagsquellen suchen...."

Waren fast alle Nazis, da sollte doch eine LKW-ladung zusammenkommen.

fluffer
03
21.9.2009, 22:11

'Kaum jemand wisse, dass die Staatsbrücke im Zentrum der Landeshauptstadt von Zwangsarbeitern errichtet werden musste, nennt Hanisch ein Beispiel.' ...

naja, eine gedenktafel an dieser bruecke weist aber schon darauf hin!

GulGarak
11
22.9.2009, 17:42

Dafür hatten die was zu Essen und ein Dach über dem Kopf, anstatt vom Betteln bzw. unter Brücken leben zu müssen.

klingsor
00
26.9.2009, 09:58

... bevor sie starben...

derhotz.
15
22.9.2009, 09:31
Ja schon, ...

... aber erst nach jahrelangen Streitereien seit 2007. Aber immerhin.

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