Von "ökologischen Geldanlagen" und "grünem Geld"

21. September 2009, 18:03
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Nachhaltige Investments: Eine Chance auch für öffentliche Haushalte?

Begriffe wie "Nachhaltiges Investment", "Ökologische Geldanlage", "Grünes Geld" oder "Ethisch-ökologisches Investment" beschreiben im herkömmlichen Sprachgebrauch Formen von Veranlagungen, bei denen ökologische, soziale bzw. ethische Komponenten bei der Auswahl und Realisierung des Investments berücksichtigt werden. Nachhaltige Veranlagungen werden so beispielsweise in Unternehmen investiert, die in ihrer Geschäftspolitik ökologische und/oder soziale Grundsätze verfolgen und deren Produkte und Dienstleistungen einen gesellschaftlichen Nutzen erwirken. Doch auch der verantwortungsvolle Gebrauch von Mitspracherechten, die mit Anteilspapieren verbunden sind, kann mit "nachhaltigem Investment" gemeint sein.

Grüne Geldanlagen ergänzen die drei "klassischen" Dimensionen von Anlageprodukten - Rentabilität, Sicherheit und Liquidität - um eine neue Dimension: die sozialen und ökologische Ausrichtung eines Finanzprodukts. Der/die AnlegerIn kann dadurch z.B. die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien unterstützen, eine an langfristigem Umweltschutz orientierte wirtschaftliche Entwicklung fördern, Menschenrechtsverletzungen verhindern oder an einem sinnvollen Wertewandel und einer Steigerung der allgemeinen Lebensqualität mitwirken.

Um diese Ziele zu erreichen, werden unterschiedliche Ansätze angewandt, wie z.B. der "Best-in-Class-Ansatz", der besagt, dass stets die Anlageobjekte bevorzugt werden, welche die Nachhaltigkeitskriterien jeweils am besten erfüllen (z.B. innerhalb einer Branche werden die besten Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit ausgewählt). Dieser Ansatz fördert den Wettbewerb hin zu einer Stärkung der Natur- und Sozialverträglichkeit in Ländern und Unternehmen. Oder es werden Ausschluss-, Negativ - bzw. Positivkriterien angewandt - ein Beispiel für ein Auschlusskriterium wäre z.B. die Rüstungsindustrie. Häufig werden beide Ansätze für die Entwicklung eines nachhaltigen Investments genutzt. Eigens dafür spezialisierte Ratingagenturen bewerten die umwelt-, sozial- bzw. nachhaltigkeitsbezogene Performance.

Konkrete Anlageformen

Nachhaltige Anlageprodukte gibt es in folgenden Formen: Sparformen, Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Immobilien/Immobilienfonds, Unternehmensbeteiligungen/Direktbeteiligungen und Lebensversicherungen. Die Website "Grünes Geld" bietet dazu umfassende Informationen. Im aktuellen Monatsthema wird dazu ein kurzer Überblick über eben diese Anlageformen gegeben.

Die Rolle des Staates und öffentlicher Haushalte in Zeiten der Finanzkrise

Die aktuelle Finanzkrise führt vor Augen, dass die derzeitige Finanzmarktstruktur nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung führen kann. Dabei gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt Warnungen vor einer tiefen Krise unseres auf Wachstum ausgelegten Wirtschafts- und Finanzsystems.
Die Deregulierung der Finanzmärkte seit Beginn der 70er und v.a. in den 80er und 90er Jahren war im Grunde der untaugliche Versuch, die Verlangsamung des industriellen Wachstums durch übermäßige Expansion der Finanzdienstleistungen zu kompensieren und trifft inzwischen auf breite internationale Kritik.

Grundsätzlich ist es an der Zeit, dass der Staat seine Verantwortung, die in der Vergangenheit zunehmend auf private Institutionen ausgelagert wurde, für das Funktionieren des "Gemeingutes" Finanzmarkt wieder deutlicher wahrnimmt bzw. geeignete Lösungen dafür sucht und schafft.
Demnach muss der Staat dafür sorgen, geeignete Rahmenbedingungen für ein an einer nachhaltigen Entwicklung orientiertes Finanzsystem herzustellen. Ziel muss es sein, Missständen, die dem Staat die Umsetzung dazu geeigneter Maßnahmen erschweren oder verunmöglichen (z.B. falsche Anreizsysteme), entgegenzuwirken und eine ethisch-ökologische Gesamtreform des Finanz- und Wirtschaftssystems herbeizuführen.

Welche Maßnahmen das konkret sein könnten, ist im aktuellen Monatsthema nachzulesen.
Eine vorbildliche Führung öffentlicher Haushalte ist unabdingbar, auch wenn diese gerade in Zeiten der Finanzkrise besonders angespannt sind.

ExpertInnengruppe der Bundesfinanzierungsagentur

Einen Schritt in eine solche Richtung setzte die österreichische Regierung mit der Beauftragung einer ExpertInnengruppe, die mit dem Ziel gegründet wurde, Richtlinien für künftige Veranlagungen des Bundes auszuarbeiten. Die von Universitätsprofessor Stefan Pichler (Institut für Bankwesen der WU Wien) geleitete Arbeitsgruppe setzt sich aus einem Konsortium unabhängiger und anerkannter Expertinnen und Experten zusammen und erarbeitet derzeit im Finanzministerium ein Instrumentarium zur Risikominimierung bei der Veranlagung von Steuergeld. Bis Ende September soll ein Ergebnis dieser Arbeit vorliegen.

Neben Willi Hemetsberger (Investmentbanker und Ex-Bank Austria-Vorstand), Martha Oberndorfer (Chefin der ÖBFA), Wolfgang Duchatczek (Vizegouverneur der OeNB) und Wolfgang Peschorn (Präsident der Finanzprokuratur und oberster Anwalt der Republik) ist auch der "CSR"-Experte Christian Plas ("Denkstatt") als Vertreter der Plattform "Ethisch-ökologische Veranlagung in der Expertengruppe tätig.

Nachhaltige Investments sind das Thema des Monats September 2009 im Internetportal

 




Logo: Nachhaltigkeit.at




 

Autorin: Sigrid Grünberger, www.seri.at. Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik

Direkt-Link zum Monatsthema 9/2009
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

Christian Plas stellte sich als "Kopf des Monats" für eine persönliche Stellungnahme zum Thema "Nachhaltige Investments" zur Verfügung.

Neben DI Dr. Plas äußerten sich auch zahlreiche weitere ExpertInnen zum Thema. Ihre Statements finden Sie in der Rubrik "Thema & Dialog".

Kommentar posten
22 Postings
R. M.
02
22.9.2009, 18:16
"Finanzprodukt" und "ökologisch"...

...schließen sich aber bei der derzeitigen Beschaffenheit von Geld allerdings schon aus...

aRoma
00
22.9.2009, 14:53
passt nicht ganz in die Wissenschaftsrubrik?

Misko
 
01
22.9.2009, 14:00
Grünes Geld:

Was! Nur mehr Hunderter?

Nick Tameer
00
28.9.2009, 09:16

Mir schien schon lange, dass die 100-Euro-Scheine nachhaltiger sind als z.B. die Fünfziger oder Zwanziger.

Jo Boe
00
23.9.2009, 20:39

Ja, weil er eh nix Wert ist.

Kapitalismus Luege
01
22.9.2009, 13:29
Das Kapital lebt vom Blut des Arbeiters und der Erde

ein paar Stellschrauben hier und dort nachzuziehen ist sicherlich zu wenig.

Nur ein globaler Paradigmenwechsel in einem Weltstaat kann der Weltherrschaft des Kapitals Einhalt gebieten.

denk mal
21
23.9.2009, 11:34
Paradigmenwechsel, ok.

Nämlich in Form der Abschaffung des Feudalsystems "Zins".
Aber "Weltstaat" hört sich für mich wie eine gefährliche Drohung an!

Walter Neumeyer
12
22.9.2009, 16:37
also ...

also meine mitarbeiter sind hoch qualifiziert und bluten nicht; ganz im gegenteil. die verdienen gut und sind auch privat meine freunde. wir profitieren alles zusammen von hochtechnologie.

vom saufen, lotto spielen und motzen wird man halt nicht reich ...

Loonquawl
00
6.10.2009, 12:45

wie wird man reich?

schmeiser
01
7.10.2009, 06:48

steht eh da: mit privaten freunden.

Joe Z.
01
22.9.2009, 10:29

Geld und Ethik werden sich niemals vereinen lassen, das geht schon rein prinzipiell nicht.

Das 3.Auge wacht
00
27.11.2009, 22:31
das werden wir noch lernen müssen

Freiheit (Bildung+Forschung , Menschenrechte..)

Gleichheit ( Gesetzgebung: Der Gesetzgeber muß
den Bürger vor dem Bösen beschützen ..)

Brüderlichkeit (geschwisterlichkeit=gegendert)
::::::Sozial verträglicher Umgang mit Geld, Geld= geronnene Arbeit, Geld kann nicht vermehrt werden, geld ist keine Ware, Geld muß altern ,...
NOCH WAS ?
Lesen Sie mal über "Dreigliederung"

R. M.
00
22.9.2009, 18:12
Hey Joe... :-)

Du irrst Dich.
Wenn Du sagst: "Geld, wie es derzeit konstruiert ist und Ethik lassen sich nicht vereinen." - Dann stimmt es.
Empfehle Dir Silvio Gesell "Die natürliche Wirtschaftsordung" insbesondere Teil 4. Ist von bestechender Logik!

Joe Z.
00
23.9.2009, 12:37

Sagen wir es so:
Solange Geld notwendig ist um ein Dach über dem Kopf und etwas zum Essen zu haben, wird sich Ethik und Geld nicht vereinen lassen. Der Mensch ist schuld an der Misere, den er hat das Geld mi Zufriedenheit verbunden. Solange diese Verbindung besteht, werden sich die Menschen weiterhin prostituieren....

Jojo07
10
22.9.2009, 12:33
Na dann:

Sprechen Sie das nur so aus, weil es irgendjemand einmal mal endlich und überhaupt sagen mußte - oder meinen Sie das ernst?

Wenn letzteres: Meine Kontonummer gebe ich Ihnen gerne bekannt! Sie können mir dann alles Geld, das sich in physischer oder sonstiger Hinsicht (Sparbücer etc.) in Ihrem Besitz befindet, überweisen! Ich bin gerne bereit, diese Last auf mich zu nehmen, um Ihnen ein ethisch einwandfreies Leben zu ermöglichen ;-)

Wie sagt man so schön: Manche Aussagen gelten nur so lange, wie sie bloß für anderen gelten und man sie nicht auf sich selbst bezieht. Im Hinblick auf Religionen spricht man dabei von Bigotterie oder Scheinheiligkeit ...

schmeiser
00
7.10.2009, 06:56
es gibt kein richtiges leben im falschen

billig, ihr posting

Joe Z.
01
22.9.2009, 14:09

habe ich je behauptet das ich mich ethisch korrekt verhalte?
Ich gehöre jedoch zu den Menschen die versuchen ihren Prostituierungsgrad so gering wie möglich zu halten. Sie jedoch gehören zu den Geldgeilen....

aRoma
00
22.9.2009, 11:13
endlich spricht's jemand aus!

Couchsurfer
04
21.9.2009, 20:29
Kapitalismus Luege
00
22.9.2009, 13:19
Danke

hlg
01
22.9.2009, 08:14
das mit den waren ist leider nur der anfang...

in wahrheit gibt es fast nur mehr werbung und kaum mehr information...

selbt information wird zur minderwertigen massenware...

und gezielte fehlinformation begründet die macht einiger weniger.

denk mal
02
21.9.2009, 18:58
Nachhaltig

wäre ein "investment" erst dann, wäre es die dahinterliegende Finanzpolitik. Zinsenbelastet und nachhaltig schließen einander leider aus, jedenfalls makroökonomisch betrachtet.

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