"Gaydar Studie"

Software soll homosexuelle Facebook-User erkennen

21. September 2009, 13:02

Vorlieben und Einstellungen anhand der Freunde erkennbar?

"Zeig mir deine Freunde, und ich sag dir wer du bist." Auf diesen Schluss könnte man die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfassen, die in den vergangenen Jahren zu Social Networks durchgeführt wurden. Am MIT beispielsweise wollen Studenten mit dem Projekt "Gaydar" anhand der Facebook-Freunde homosexuelle Nutzer identifizieren können, berichtet der Boston Globe. Die Studien werfen erneut Fragen zu Privatsphäre in Social Networks auf - doch die Rückschlüsse sind einigen Fällen zweifelhaft.

"Gaydar"

Die MIT-Studenten haben im Rahmen eines auf "Gaydar" getauften Projekts mit einer Software die Profile von 1.544 heterosexuellen Nutzern, 21 bisexuellen und 33 homosexuellen Nutzern analysiert. Homosexuelle Männer hätten demnach proportional mehr homosexuelle Freunde als heterosexuelle Nutzer. Gefüttert mit diesen Daten haben die Studenten die Facebook-Profile von 947 weiteren Männern ausgewertet, die keine Angaben zu ihrer sexuellen Orientierung gemacht haben. Zehn Personen, die das Programm als homosexuell auswies, seien nach privaten Informationen der Studenten wirklich homosexuell. Bei bisexuellen Nutzern und lesbischen Nutzerinnern habe "Gaydar" allerdings nicht funktioniert. Die Arbeit sei anonymisiert und auch mit einer Ethik-Kommission am MIT besprochen worden.

Wissenschaftlicher Anspruch

Der wissenschaftliche Anspruch der Arbeit, wie sie im Boston Globe beschrieben wurde, ist jedoch zweifelhaft. Die Studenten konnten laut dem Bericht nicht umfassend recherchieren, ob sie bei den anderen von "Gaydar" als homosexuell "erkannten" Personen richtig lagen. Bislang sei die Arbeit noch nicht publiziert worden.

Idee hinter Social Networks

Grundsätzlich sind derartige Ergebnisse nicht überraschend, da ja die Idee hinter Social Networks ist, dass Personen mit ähnlichen Interessen und Einstellungen eine mehr oder weniger geschlossene Online-Community bilden. Wissenschaftler weisen aber daher daraufhin, dass man auf Facebook weitaus mehr von sich Preis gibt, als man tatsächlich im eigenen Profil veröffentlicht. Wenn die meisten Nutzer eine gewisse politische Einstellung haben oder einer Religion angehören, gehe man schnell davon aus, dass auch andere Mitglieder der Gruppe - oder eben Facebook-Freunde - dieselben Einstellungen teilen, meint Kevin Bakston von der Electronic Frontier Foundation.

Politische Einstellung

An der Universität von Texas hätten Forscher beispielsweise die politische Einstellung von Nutzern vorhersagen können, indem sie 167.000 Profile und drei Millionen Verbindungen der User analysiert haben. Mit einer kombinierten Analyse der Profildetails und Beziehungen hätten sie entdeckt, dass eine Verbindung zwischen u.a. einem bestimmten Musikgeschmack und der politischen Einstellung bestehe.

User lernen schnell

Nutzer müssten sich darüber im Klaren sein, dass sowohl sie selbst als auch andere User ihrem Ruf schaden können, zitiert der Boston Globe Jason Kaufman vom Berkman Center for Internet and Society an der Harvard Universität. Man müsse davon ausgehen, dass alles, was man online veröffentlicht, für immer im Internet weiterbestehe. Er sei aber davon überzeugt, dass die Menschen schnell lernen würden, mit den Informationen in Social Networks umzugehen.

Kritik

Worauf weder die zitierten Studien, noch der Artikel des Boston Globe eingehen, ist die Tatsache, dass anhand der Profile und Freundschaften nicht nur Rückschlüsse auf Nutzer möglich sind, sondern dass diese Rückschlüsse natürlich auch total falsch sein können. "Computer Wissenschaftler identifizieren die Art, wie jeder vom potentiellen Arbeitgeber bis zum Werbetreibenden in der Lage ist, sachkundige Vermutungen über eine Person anzustellen", heißt es in dem Artikel. Das suggeriert jedoch, dass die meisten dieser Vermutungen tatsächlich stimmen - was sowohl für wissenschaftliche als auch journalistische Publikationen ein gefährliches Fazit sein kann. (br)

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NONE
00
23.9.2009, 14:28

Das eigentliche Problem ist das gewaltige Thema Datamining. ALLES wird genutzt, denn irgendwer kann jede noch so unbrauchbare Information über Personen gebrauchen.

Global Stalin 2010. :>

Andreas Schmidt
00
22.9.2009, 23:10
Der Wappler arbeitet im September 322h

Ich bin so fleißig

joergipoergi
02
22.9.2009, 13:39
Überwachungstart

kommt offensichtlich ersten anders und zweitens als man denkt...Orwell würde wahrscheinlich nur mehr lachen...

mfg

CaptainKB
03
22.9.2009, 12:04

Wer jeden Schwachsinn "freiwillig" ins Netz stellt, darf sich nicht darüber aufregen, dass er gesehen werden kann. .... Wir brauchen keine weitere Zensur im Netz !!! ...

randolf
01
22.9.2009, 11:51
Ja ja

Die Note wäre interessant. Weil der eine aus dem Fenster springt, springen alle seine Freunde auch raus. Das ist doch das Ergebnis der Studie.
Nun jetzt kann man wenigsten Diktatoren von Amokläufern unterscheiden. Wir erinnern uns. Der Zusammenhang zwischen Heavy Metal und Amokläufern. Alle Heavy Metlar sind potenzielle Amokläufer und schaffen in einem guten Lauf sagen wir mal 100 Leute. Klassik Fans hingegen sind potentielle Diktatoren und schaffen in 2-5 Jahren 6 Millionen und noch mehr. Also, die Studie ist absoluter Schrott...

lentoswien
 
01
22.9.2009, 11:49
Facebook und deren Werbeverhalten

Bei facebook gibts rechts auf der Seite eine Spalte für Werbung, und die ist anscheinend zielgruppenorientiert. Ohne dass ich irgendwo Angaben zu meiner sexuellen Orientierung gemacht hätte,bekomme ich ständig "schwulenoriente" Werbung... die Software scheint also zu funktionieren.

packerl suppe
01
22.9.2009, 17:12

die werbung direkt auf FB steck quasi noch in den kinderschuhen. sehr billig und nicht wirklich zielgruppen gesteuert. arg wirds wenn man sieht welche schlüsse aus profilen gezogen werden, die ja oft mit irgendwelchen (spass)angaben gefüllt sind und was mit diesen (falschen) daten alles angestellt wird....

randolf
00
22.9.2009, 16:00
Ja ja

Wenn man bei lieblingsfilm brüno angibt braucht man sich nicht wundern...

otis b. driftwood
06
22.9.2009, 12:02

kann das nur bestätigen >> ich bekomm immer werbung für penisvergrösserungen.

lentoswien
 
00
22.9.2009, 12:07

Das klassifiziert einen aber höchstens als Mann, egal ob schwul oder hetero... :-)

joergipoergi
00
22.9.2009, 13:41

und es sagt vor allem etwas über die Größe, die alles entscheidend ist, aus...

natoll
00
22.9.2009, 11:42

die gefahr liegt ja nicht in den einzelnen datensammlungen selbst, sondern in der masse die es inzwischen gibt und die inzwischen kostenmäßig machbaren verknüpfungen dieser daten.

da würden manche staunen was für ein komplettes bild der gewohnheiten und vorlieben eines menschen man generieren (und dann auch manipulieren) kann.

mauna kea
00
22.9.2009, 10:42
Eine wirklich bahnbrechende Entdeckung!

Mathias
 
01
22.9.2009, 10:25
Wenn die meisten Nutzer eine gewisse politische Einstellung haben oder einer Religion angehören, gehe man schnell davon aus, dass auch andere Mitglieder der Gruppe - oder eben Facebook-Freunde - dieselben Einstellungen teilen

Was für eine einfache Weltanschauung! Als ob es nicht möglich ist, dass homosexuelle und heterosexuelle befreundet sein können? Oder wie gibt es dann überhaut Freundschaften zwischen Rock-/Metalfans? Wer Mittelaltermusik mag, mag auch kein Deathmetal?

Schubladendenken als System?

Aber eines ist klar. Es gibt sicher keine gemeinsamen Freundschaften zwischen Rapid - Austria-Fans ;-)

Gott Amor selber
04
22.9.2009, 10:24
was für eine erkenntnis!

wer homosexuell ist, hat überproporional viel homosexuelle bekannte. was für großartige forscher!

erinnert mich a die mckinsey "motiv-studie", die vor 7 jahren um 5 mio € bei aldi/hofer-kunden durchgeführt wurde. heraus kam: es ist der preis, warum man dort einkauft!

binsenweisheiten als wissenschaft verkaufen und dann groß in die medien gehen...

Mathias
 
01
22.9.2009, 12:31
mckinsey "motiv-studie"

Sie müssen auch ein Jünger "Pispers" sein ;-)


Wieso nur werden Investmentbanker und Unternehmensberater nicht nach Erfolg bezahlt? Sonst gäbe es auf jedem Friedhof eine McKinsey-Ecke ...

Volker Pispers for President :-)

Kamine glühen leise
00
24.9.2009, 08:19

am besten gefällt mir von ihm:
"wir leben in einer zeit, in der nicht das erreichte zählt,
sonder nur noch das erzählte reicht..."

Gunslinger
10
22.9.2009, 09:55

wird jetzt eigentlich über jede studie, in der facebook vorkommt, berichtet?

wird schon fad

natoll
02
22.9.2009, 09:46

facebook. sehr erstaunlich wie sie es geschafft das die leute öffentlich mehr von sich preis geben als von angesicht zu angesicht. interessantes phänomen.

jacohe
00
22.9.2009, 09:41
...... lesbischen Nutzerinnern

Wo bitte ist der Unterschied zwischen "Homosexuellen Männern" und "Lesbischen Frauen" ? Die Begründung für "Lesbisch" kommt doch ursprünglich von der Insel Lesbos ( sprachlich heute Leswos ) und der Dichterin Sappho, die die Liebe unter Frauen beschrieb. Letztendlich ist aber die sexuelle Ausrichtung in jedem Fall auf das gleiche Geschlecht gerichtet, also Homosexuell. Wenn ich bereits an eine "Studie" sprachlich unwissenschaftlich herangehe, kann ich keine wirklich seriösen, verwendbaren Ergebnisse erwarten. Und weiße lediglich damit auf die eigene konservative, streng homophobe Denkrichtung hin. Folgt man aber dem Artikel, nimmt sich die "Studie" wohl eh nicht ernst. Das lässt hoffen, für das MIT!

GreyPaladin
00
22.9.2009, 09:36

Muss ja ne schwere Studie sein.. Ich würd mir mal einfach die Profile von Homobars suchen und schauen wer aller Fan ist..
und mit sowas Beschäftigt man sich am MIT? dachte die hätten einen guten Ruf?

knievel
01
22.9.2009, 09:34
bruhaha

Mit einer kombinierten Analyse der Profildetails und Beziehungen hätten sie entdeckt, dass eine Verbindung zwischen u.a. einem bestimmten Musikgeschmack und der politischen Einstellung bestehe
---
der erkenntnisgewinn: nur wenige linke hören die neuesten hits von blitzkrieg, nordfront und störkraft wohingegen die rechte partie sich nicht so recht für bob dylan und die goldenen zitronen begeistern kann...

was täten wir dummen durchschnittsbürger nur ohne experten...

Systemkonformist
00
22.9.2009, 10:12

Reine Vermutungen. Wissenschaft ist, gesichertes Wissen zu schaffen, worauf andere aufbauen können.

Kamine glühen leise
02
22.9.2009, 09:28

ich würd so gern wissen, was das programm bei folgender (natürlich rein hypothetischer) konstellation sagt:
ich (mann) habe nur lesbische frauen als freunde.

Beati pauperes spiritu
00
27.9.2009, 22:36
Daraus ließe sich zumindest schließen, daß ...

... du unverheiratet bist und es in absehbarer Zeit auch bleiben wirst ;)

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