Hoffnung: antientzündliche Medikamente könnten Krebs verhindern helfen - Früherkennung mit Bluttests
Berlin - Krebsprävention mittels der seit mehr als 100 Jahren als
Antirheumatikum, Schmerzmittel und Gerinnungshemmer eingesetzten
Acetylsalicylsäure (ASS; "Aspirin"): Schon seit langem hat man
beobachtet, dass Personen, die ständig ASS einnehmen, zum Beispiel
seltener an Dickdarmkarzinomen erkranken.
Konkrete Forschunsergebnisse dazu wurden nun beim Europäischen Krebskongress (ECCO/ESMO, bis 24. September) in Berlin präsentiert: Zweimal täglich je 300 Milligramm Aspirin halbieren die Häufigkeit von Dickdarm- oder Gebärmutterschleimhautkarzinomen bei Personen, die aufgrund einer vererbbaren Genmutation ein drastisch erhöhtes Risiko für diese Krankheiten aufweisen.
ASS halbierte Dickdarmkarzinomhäufigkeit
Der Brite John Burn und ein internationales Team haben zunächst genetisch Hochrisikopatienten identifiziert - rund 1.000 Personen, die eine Genmutation hatten. Sie erkranken zu einem sehr hohen Prozentsatz und sehr schnell an Dickdarm- oder Endometriumkarzinomen. Die Probanden erhielten daraufhin entweder täglich 600 Milligramm ASS in zwei Dosen oder ein Placebo. Zunächst gab es eine Niederlage für die Wissenschafter. Nach 29 Monaten zeigte sich kein Unterschied.
Erfolg erst nach drei Jahren
Doch bei einer Nachbeobachtung von 711 Probanden zeigten enorme Unterschiede: Bei ihnen kam es zu 52 Dickdarmkarzinom-Erkrankungen. 17 davon wurden in der Gruppe der Personen registriert, die ASS einnahmen, 35 hingegen bei den Probanden, welche keine Acetylsalicylsäure bekommen hatten. Burn: "ASS halbiert die Dickdarmkarzinomhäufigkeit ab einer Behandlungsdauer von rund drei Jahren. Dieser Effekt dauert dann mindestens fünf Jahre an." Dies könnte den Forschungen, die darauf abzielen, durch antientzündliche Medikamente auch Krebs zu verhindern, neuen Aufschwung verleihen.
Bluttests zur Früherkennung
Zwei neue Bluttests können außerdem die Früherkennung von
Dickdarmkarzinomen verbessern. Präsentiert wurden solche
Labor-Untersuchungsmethoden, die auf den neuesten
molekularbiologischen Erkenntnissen basieren. Die Genauigkeit ist
bereits relativ hoch.Eine Studie mit 7.000 Probenden soll nun noch genauere Ergebnisse liefern. (APA/red)