EU-Referendum in Irland

"Die EU ist eine moderne Form des Kolonialismus"

21. September 2009, 11:00
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    foto: youtube

    Des Dalton ist seit seinem 18. Lebensjahr Mitglied des Republican Sinn Fein (RSF), einer Abspaltung der irischen Sinn Fein-Partei. Der RSF versteht sich als "wahrer Vertreter des irischen Republikanismus" und fordert einen sozialistischen, föderativen Staat Irland. Angebliche Verbindungen zur paramilitärischen Splittergruppe Continuity Irish Republican Army (CIRA) werden offiziell immer wieder zurückgewiesen.

Der irische Lissabon-Gegner Des Dalton erklärt im derStandard.at-Interview, warum er für ein zweites Nein kämpft

Während Umfragen auf eine Zustimmung der Iren zum Lissaboner Vertrag hindeuten, ruft die Nein-Bewegung ein zweites Mal dazu auf, den EU-Reformprozess mittels Referendum zu blockieren. Des Dalton, Vizepräsident der linksnationalistischen irischen Partei Republican Sinn Fein, erklärt im Gespräch mit derStandard.at, warum er sich dem Druck des Ja-Lagers nicht beugen will.

***

derStandard.at: Wirtschaftlich hat kaum ein Land so von der EU profitiert wie Irland. Verstehen Sie Menschen, die Ihr Land aus der Union ausschließen wollen, wenn es die EU-Reform weiter aufschiebt?

Des Dalton: Die Ja-Kampagne versucht das Lissabon-Referendum als Abstimmung über eine Fortsetzung der EU-Mitgliedschaft darzustellen, was es natürlich nicht ist, weil die bisherigen Verträge in jedem Fall gültig bleiben. Den erhaltenen Subventionen stehen aber die Kosten des Beitritts für Irland gegenüber, zum Beispiel die Zerstörung der irischen Fischerei und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Tausende Bauern haben seit dem Beitritt 1973 ihr Land verloren. Wenn man über die Nutzen redet, muss man auch die negativen Konsequenzen erwähnen.

derStandard.at: Aber soll Irland Ihrer Meinung nach austreten, wenn es ein zweites Nein gibt?

Des Dalton: Der Standpunkt des Republican Sinn Fein ist, dass Irland gar nicht erst hätte beitreten sollen. Nicht nur wegen der Situation in Irland selbst, sondern vor allem wegen der zutiefst undemokratischen Struktur der EU. Wir sind für Handel und Kooperation zwischen freien Nationen, aber das sollte in Form einer Zusammenarbeit passieren und nicht in Form einer politischen Union. Und wenn die Iren ein zweites Mal Nein sagen, wird sie das nicht in ein Eck drängen. Die Realität ist ja, dass Tschechien genauso wie Polen den Lissaboner Vertrag noch ratifizieren muss und auch das deutsche Parlament noch zustimmen muss. Ein Nein der Iren würde völlig neue Szenarien eröffnen.

derStandard.at: Laut einer Umfrage der Sunday Business Post wollen 62 Prozent der Iren mit Ja stimmen. Alles Verblendete?

Des Dalton: Man muss sich bei solchen Umfragen immer ansehen, wie gefragt wurde. Es wird ja auch oft so dargestellt, als würden die Anpassungen des Lissaboner Vertrags auf die Ängste reagieren, die die Menschen in Irland beim letzten Mal geäußert haben. Die jüngsten Umfragen deuten auf eine Konsolidierung des Ja-Lagers hin, es hat aber in den Wochen vor dem letzten Referendum genau so ausgesehen und es gibt auch heute noch ein großes Lager von Menschen, die ihre Meinung noch nicht geäußert haben. Es ist noch immer ein Kampf, der gewonnen werden kann. Das Ja-Lager hat ja mächtige Fürsprecher auf seiner Seite, etwa die irische Regierung, diverse EU-Institutionen und die Massenmedien. Wir haben jedenfalls eine wichtige Botschaft zu verbreiten und werden das bis zum letzten Tag vor dem Referendum auch tun.

derStandard.at: Was soll, wenn es nach Ihnen geht, nach einer zweiten Ablehnung geschehen?

Des Dalton: Was ich derzeit sagen kann ist, dass es sich bei dem Vertrag um ein Papier handelt, das zu 90 bis 95 Prozent jenem gleicht, das schon von den Franzosen, Niederländern und zuletzt den Iren abgelehnt wurde. Wenn Lissabon jetzt zum vierten Mal zurückgewiesen wird, würden die Menschen in Europa sehen, dass ein neuer EU-Superstaat nicht gewünscht wird. Was es dann braucht, ist ein radikales Umdenken über den künftigen Kurs Europas, und das soll nicht nur in Irland stattfinden, sondern in allen Ländern.

derStandard.at: Sie haben das Bild vom europäischen Superstaat gezeichnet. Im Kontext der irischen Teilung: was ist so schlimm an einem Europa ohne Grenzen?

Des Dalton: Auch dieser Punkt führt zurück auf die Frage, was eine funktionierende Demokratie ist und wie eine solche funktionieren soll. Nicht nur die irische, sondern die europäische Geschichte lehrt uns, dass Demokratie am besten funktioniert, wenn sie möglichst nahe an den Menschen arbeitet. Entscheidungen, die Menschen direkt betreffen, sollten von Menschen oder Strukturen getroffen werden, die sehr nahe an den Betroffenen sind und berechenbar sind. Die irische Geschichte war blutig und von Unterdrückung und Fremdherrschaft bestimmt. Ich sehe keinen Sinn darin, die Kontrolle über Irland einfach von Westminster (Parlament des Vereinigten Königreichs in London, Anm.) auf Brüssel zu übergeben. Wir betrachten die EU als moderne Form des Kolonialismus, zutiefst undemokratisch und nur den Interessen der großen Staaten verpflichtet. Es ist doch eine Quadratur des Kreises, 500 Millionen Menschen aus verschiedenen Nationen und mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen in einen Superstaat pressen zu wollen und dabei demokratisch sein zu wollen. Manche Vertreter des Ja-Lagers sind ehrlich genug, das auch zuzugeben.

derStandard.at: Sie wollen die Entscheidungsfindung in der EU regionalisieren. Wie soll das bei Themen wie Klimaschutz und bei der aktuellen globalen Wirtschaftskrise denn funktionieren?

Des Dalton: Unsere Vorstellungen schließen internationale Zusammenarbeit ja nicht aus. Die gab es immer und wird es auch immer geben. Im Laufe der Jahrhunderte war das leider nicht immer zum Vorteil der Bevölkerung. Klar, Dinge wie Umweltschutz muss man natürlich global angehen, aber es gibt keinen Grund, warum die Regierungen nicht zusammenarbeiten können, ohne dabei die Bevölkerung auf undemokratische Weise einfach zu übergehen.

derStandard.at: Bei Ihrer Rede in Wien nannten Sie die EU ein "imperialistisches Projekt". Glauben Sie, dass sie damit etwa den Slowaken oder den Rumänen aus dem Herzen sprechen?

Des Dalton: Man muss sich die Dinge langfristig ansehen, vor allem, zu welchem Preis die osteuropäischen Länder nun von der EU profitieren. Außerdem sind viele Aspekte der derzeitigen Krise das Resultat der neoliberalen Laissez-faire-Politik der EU. Alleine auf dieser Ebene ist die EU nicht die Lösung sondern das Problem. Die Menschen in Osteuropa müssen sich fragen, welchen Preis sie dafür zahlen, die Kontrolle über ihre Demokratie, ihre Wirtschaft und ihren Platz in der Welt aufzugeben. Wann immer die Menschen in der EU gefragt wurden, haben sie Nein gesagt. (Florian Niederndorfer, derStandard.at, 21.9.2009)

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webinformationat
34
27.9.2009, 22:43
Die Schweizer Eidgenossenschaft ist Vorbild für Österreich.

Österreich braucht mehr direkte Demokratie. Jedes wichtiges Gesetz muss - wenn etwa 50000 Unterstützer das wollen - einer Volksabstimmung unterzogen werden.

net-diver
 
00
28.9.2009, 12:21
Und...

... jetzt schätzen Sie mal wieviel die Schweiz im Gegensatz zu A dafür ausgibt?

net-diver
 
00
28.9.2009, 12:33
Ups...

... sorry, das gehört weiter nach unten zu achtung-start und seiner Neutralitätsbetrachtung.

achtung-start
22
27.9.2009, 22:42
Ich fordere den Frieden für Österreich durch bewaffnete Neutralität nach Schweizer Muster.

Die EU schreibt die Aufrüstung vor. Der Vertrag von Lissabon schreibt Mission in Drittstaaten im Kampf gegen den Terror vor.

Das ist neutralitätswidrig!

Österreich muss seine Integration in die EU begrenzen. Die Grenze ist: Einhaltung der Neutralität und der Gesetze des B-VG.

In das B-VG sollen Artikel aufgenommen werden, die Grenzen der Integration ziehen und Grenzen ziehen, wie sich die B-VG überhaupt ändern darf.

net-diver
 
11
28.9.2009, 12:20
Wie immer...

... das schreibt der Vertrag nicht vor. Mehr gibt es nicht zu sagen. Ganz einfach.

Das steht nirgends, das wird nirgendwo gefordert sondern Ihre Aussage entspringt einzig und alleine den subjektiven Angstzuständen der geschätzten EU-Gegner.

Mostbluzer
00
5.10.2009, 17:06
sie wollen auch sowas wie in den usa,

ist ja das grosse vorbild

http://www.americanpolicegroup.com/index.html

Stirnrunzel .
 
12
28.9.2009, 16:20
doch, tut er.

art I-41, abs. 3, unterabs. 2vv

"die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen fähigkeiten schrittweise zuverbessern..."

oder lässt diese formulierung ihrer meinung nach interpretationsspielraum offen?

falls sie zweifel haben, ein link zur militarisierung der eu: http://www.schattenblick.de/infopool/... z-114.html

net-diver
 
11
28.9.2009, 16:55
Da muss...

... ich Sie trotzdem enttäuschen.

In Summe der Artikel 42 bis 46 wird grundsätzlich die Freiwilligkeit diverser Aktionen sowie die Stimmigkeit mit der jeweilige nationalen Verfassung ganz eindeutig festgelegt.

Insoferne gibt es tatsächlich keine Interpretationsmöglichkeit.

Stirnrunzel .
 
11
28.9.2009, 17:38
http://www.uni-kassel.de/fb5/fried... assel.html

aufrüstung ist verpflichtend. punkt.

teilnahme an kriegen hängt ausschließlich an der regierung. ausnahme: ein eu-mitglied wird angegriffen. dann ist eine verteidigungspflicht (paradoxerweise) für "neutrale" staaten nicht gegeben.

auf die stimmigkeit mit der verfassung wird ganz allgemein "gepfiffen", wenn die regierung mitspielt. so wie das in einigen staaten der eu schon bei der ratifizierung - unter anderem schließlich auch in österreich - der fall war.
da hilft nach mehreren bitteren erfahrungen nicht mal der verfassungsgerichtshof.

an ihrem posting scheidet sich ihr gutmeinender geist von meiner bitteren erfahrung... ;-)

net-diver
 
10
28.9.2009, 21:07
Das...

... ist ja das nächste Problem. Alle wettern gegen die EU und auf Nachfrage stellt sich eigentlich alles laufend als nationales Phänomen dar.

Wobei ich nach wie vor der Meinung bin, daß eine Ratifizierung von Lissabon nicht notwendig war und ist. Aber so ist das nun mal mit den Meinungen.

Stirnrunzel .
 
01
29.9.2009, 10:41

hier spielen einander eu-interessen und nationaler politik-schwachsinn sicher in die hände. tja.

ilster
211
26.9.2009, 10:53
Tipp: http://www.youtube.com/watch?v=n... r_embedded

und: http://www.youtube.com/watch?v=0... r_embedded

RAUS AUS DER EU-DIKTARUR!!

Die Völker werden versklavt, ausgebeutet, überwacht und in EU-KRIEGE gehetzt. Wer ist der nächste Feind? Iran, Norkorea oder Somalia?

Die neuen EUSSR-Machthaber machen eine Politik "Brot und Spiele". Almosen statt Arbeit.
Die EU-Politik ist ein sozialisitischer Faschismus.

Banken und Konzerne werden mit Billionen gefüttert, die EU-Gesetze brachten die Krise, die jetzt die ärmsten der Gesellschaft ausbaden können.

Das nennt man Friedensprojekt. Es ist zum Weinen!

IRLAND VOTE NO!!!!!



net-diver
 
31
28.9.2009, 12:24
Langsam...

... tun Sie mir leid. Aber es gibt Hilfe für solche Angstzustände.

Ggg14
12
27.9.2009, 22:09

Sie sollten sich was verschreiben lassen.

zimbo
 
00
2.10.2009, 18:16
Ein irisches Neine wäre die richtige Medizin, noch besser aber ein Zerfall.

ilster
26
25.9.2009, 15:57

EUSSR: NEIN DANKE!

net-diver
 
22
26.9.2009, 08:45
Hehe...

.. der nächste Schreihals. Was erwarten sich eigentlich unsere geschätzten EU-Gegner von diesen ewigen Capslock-Orgien? Soll das jemanden überzeugen?

Ist aber schon witzig, die einen wettern gegen die Eussr, die anderen wollen unser Parlament davon jagen, die nächsten wollen "nur" Friede auf Erden und alles zusammen wird auf die Abstimmung der Iren projeziert, als ob das im Ganzen so viel ändern würde. Nochmals: scheitert Lissabon bleibt es bei Nizza und ob das im Sinne der Gegner ist, wage ich hier zu bezweifeln. Aber egal wir oft ich darauf hinweise, es kommt hier nie eine Antwort oder Meinung (wahrscheinlich hat hier Schachtschneider keine Sätze für´s copy paste zur Verfügung gestellt).

webinformationat
23
26.9.2009, 10:43

Den EU-Beitritt und die Folgeverträge wurden ja auch beim VfGH angegriffen. Es gibt zahlreiche Änderungen, die der "Lissabon-Vertrag" gegenüber dem "Nizza-Vertrag bringt. So beispielsweise wird die EU mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit ausgestattet. Es kommt die gemeinsame Verteidigungspolitik dazu. Polizei- u. Justiz wird weitgehend EU-Recht. Das EU (Schein) Parlament wird gestärkt.

Und vieles anderes mehr. Eben auch die Art. 352, Art. 48/6 und Art. 311 oder auch die Möglichkeit der Einführung der Todesstrafe für Mitgliedsländer unter gewissen Voraussetzungen. Es ist für die Integrationspolitiker und die Eliten im Hintergrund fraglos wichtig, den EU-Vertrag von Lissabon durchzusetzen, weil es den Bundesstaat EU weiter festigt.

net-diver
 
11
28.9.2009, 16:50
Also...

... nur mal als Beispiel: Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) trat in Österreich 1958 in Kraft. Sie steht im Verfassungsrang und ist durch Behörden unmittelbar anwendbar.

und hier ein Auszug:
Abschnitt I. Menschenrechte und Grundfreiheiten

Artikel 2. Das Recht auf Leben:
(2) Die Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie sich aus einer unbedingt erforderlichen Gewaltanwendung ergibt:

...

c) um im Rahmen der Gesetze einen Aufruhr oder einen Aufstand zu unterdrücken.


Kommt das nun wem irgendwie bekannt vor?

Bitte wieder um mehr Recherche und Realismus anstatt Angstmacherei und Populismus.

Forschungsprojekt
00
29.9.2009, 22:23

österreich hat aber sowohl das 6. als auch as 13. zusatzprotokoll zur emrk unterzeichnet und ratifiziert.
alle eu ms haben das 6 zp ratifiziert, nur 3 (von 27) noch nicht das 13.
die todestrafe ist in der europäischen union ausnahmslos abgeschafft.

net-diver
 
11
30.9.2009, 12:57
Mein...

... ich ja. Die Todesstrafe ist in A abgeschafft. Außer es betrifft die oben angeführten Unruhen. Es ist anzumerken, daß dieser Artikel seit 1958 Verfassungsrang hat und sich somit durch den Vertrag von Lissabon nichts geändert wird.

Hier sollte nur mal aufgezeigt werden, wohin so manche paranoide Ansicht führt. Mit aller Kraft gegen die "Todesstrafe" im neuen Vertrag wettern, aber keine Ahnung zu haben, daß wir fast den selben Wortlaut seit 1958 in der Verfassung stehen haben.

Forschungsprojekt
41
26.9.2009, 14:17

sie sind nicht nur ahnungslos, sondern im höchsten maß paranoid

JA zum EU-Austritt
33
26.9.2009, 14:51

Und als was würden Sie sich bezeichnen?

Darf man raten, ach ja, so in etwa:
Zukunftsträchtig, gebildet, philantrop u. dgl. nicht wahr?
Weil so sehen sich die EU-Trolle gemeinhin.....

Forschungsprojekt
40
26.9.2009, 15:10

ich versuche hier nur aufklärungsarbeit zu leisten

Stirnrunzel .
 
12
28.9.2009, 15:24

aha? wo bitte? wenn sie bei ihren postings die 4. checkbox anklickten, wäre das vielleicht nachvollziehbar. die beiden postings auf dieser seite haben jedenfalls informativen nullwert.

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