USA

Krieg gegen Drogen seit 40 Jahren ohne Erfolg

20. September 2009 21:09

Armut und Korruption in Südamerika nehmen aber zu - Allein in diesem Jahr sind 5000 Menschen wegen Drogen-Konflikten getötet worden

Vor 40 Jahren startete der "War on Drugs" - der Krieg gegen Drogen - der US-Regierung. Einwände, dass dadurch Armut und Korruption in Südamerika zunehmen, werden immer lauter - Von Alexander Fanta 

***

Washington / Mexiko Stadt - Am 21. September 1969 wurde an der Grenze zwischen den USA und Mexiko alles anders. Um zwei Uhr Nachmittag verkündete US-Präsident Richard Nixon übers Radio eine neue Initiative im Kampf gegen illegale Drogen. Am selben Tag nahmen zweitausend Polizisten und FBI-Beamte in der Region ihren Dienst auf. In Tijuana und an anderen Grenzübergängen wurde jeder Wagen durchsucht. Im Visier der Beamten: Marihuana

Antidrogenkrieg geht seit 40 Jahren

"Operation Intercept" war die erste Polizeioperation im "War on Drugs" der US-Regierung, eines Antidrogenkrieges, der nunmehr seit 40 Jahren andauert. Fast 40 Milliarden US-Dollar (27,2 Milliarden Euro) gibt Washington jedes Jahr dafür aus, drei Viertel geht in die Strafverfolgung von Dealern und Konsumenten. Eine halbe Million Menschen sitzt in den USA wegen Drogen im Gefängnis, meist Süchtige und kleine Händler.

Ziel: Angebot vernichten

Erklärtes Ziel der langjährigen Offensive ist es, das Angebot zu vernichten. Die Verantwortlichen in der US-Regierung glauben, dass eine Verringerung der verfügbaren Menge an Drogen die Nachfrage mindert. "Die Bemühungen bei der Zerstörung von Kokafeldern und die Beschlagnahmungen haben zu deutlichen Spannungen am Markt geführt", erklärt der Leiter des UN-Drogenbüros Antonio Mario Costa in einem Gespräch mit dem Standard in Wien. Geringere Profite für die Drogenhändler kann Costa jedoch nicht ausmachen.

Politik und Justiz ist unterwandert

Die Drogenpolitik der USA habe verheerende Konsequenzen für Lateinamerika, hieß es in einem im März 2009 erschienenen Bericht der Kommission für "Drogen und Demokratie". Schätzungen zufolge würden jedes Jahr Drogen im Gegenwert von rund 30 Milliarden Euro in die USA geschmuggelt. Syndikate hätten - mithilfe von Drogengeld - längst Teile von Politik und Justiz etwa in Mexiko und Kolumbien unterwandert. In der Kommission sitzen z. B. Brasiliens Ex-Präsident Fernando Cardoso sowie die Schriftsteller Mario Vargas Llosa und Paulo Coelho. In ihrem Bericht fordern sie alle amerikanischen Regierungen auf, ihre repressive Politik zu beenden.

Konsumfreigabe als Ausweg

Im letzten Monat sind zwei Länder diesem Ziel ein Stück nähergekommen. Ende August urteilte ein argentinischer Gerichtshof, dass die Verhaftung von fünf Jugendlichen wegen einiger Marihuana-Joints illegal gewesen sei. Mexiko ging noch einen Schritt weiter und erlaubte den Besitz kleiner Mengen verschiedener Drogen. Hintergrund dieser Maßnahme ist die eskalierende Auseinandersetzung der mexikanischen Regierung mit den Drogenkartellen. Allein in diesem Jahr sind 5000 Menschen in dem Konflikt getötet worden.

Ende März 2009 inszenierten die USA ein kleines Revival von "Operation Intercept". Heimatschutzministerin Janet Napolitano entsandte 360 zusätzliche Beamte an die südliche Grenze. Indes sendet die US-Regierung unter Präsident Barack Obama zarte Signale zur Lockerung der Drogenpolitik. Die Bundesbehörden sollen auf seine Weisung hin in 13 US-Staaten nicht mehr gegen Marihuana für medizinische Zwecke vorgehen.

Die Kommission "Drogen und Demokratie" jedoch meint, dass erst die Dekriminalisierung von Marihuana und Aufklärungskampagnen längerfristig die Nachfrage nach Drogen reduzieren würde. Dann trockne der Markt aus, Gewalt und Korruption in Lateinamerika könnten ein Ende finden.(DER STANDARD Printausgabe 21.9.2009)

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20 Postings
Anarchon
21.09.2009 17:25
Am besten alles verbieten ...


... was mit Denken, Bewusstseinserweiterung, geistiger Erfrischung und Glücksgefühlen zu tun hat.

Und sowieso alle Menschen 24h sedieren!

139389
21.09.2009 13:41

Solange das System Korrupt ist (siehe auch Beispiel Ungarn und Kroatien), wird sich nichts ändern und das Land kann sich nicht entwickeln. Kleine "Subkulturen" blühen dann auf Kosten aller anderen.

139389
21.09.2009 13:40

Die Korruption ist das Problem.

139
21.09.2009 13:05

"Ziel: Angebot vernichten"

nicht möglich

Nachfrage vernichten

kurzer Blick auf die Menschheit, nicht möglich

desperate chicken
21.09.2009 10:46
"WAR ON DRUGS"

der film zum thema:

www.war-on-drugs.com

unbedingt ansehen - sehr empfehlenswert!

clemens1001
21.09.2009 11:05
schwach

ich fand den film schwach. der regisseur/produzent hat sich zwar bemüht, aber die qualität ist sehr begrenzt. der titel verspricht definitiv zu viel. inhaltlich wurden viel zu viele aspekte der drogenbekämpfung angesprochen, dadurch hat sich der film irgendwie verlaufen und den roten faden verloren...

desperate chicken
21.09.2009 11:24
sehen sie

so unterschiedlich werden filme rezipiert.
ich fand den film wichtig und BESONDERS gelungen. er schafft es, mich einerseits über dieses schreckliche kapitel der geschichte aufzuklären, während er mich gleichzeitig mit seinen figuren aus fleisch und blut und deren unglaublichen schicksalen emotional berührt.
so ähnlich ging es im übrigen allen, mit denen ich über den film diskutiert habe.

Cereal Killer
 
21.09.2009 13:48
ich schließe mich dem desparaten huhn an:)

hat mich auch sehr beeindruckt, noch mehr weil der film eine österreichische produktion ist, demnach wohl eher "low budget"..

desperate chicken
21.09.2009 18:00

nicht notwendigerweise sind ö-prod. low budget. in diesem fall eindeutig: yes!

Schwedenbåmbe
 
21.09.2009 10:28

Ueberraschen tuts mich nicht. Aber es gut, auch mal Zahlen zu sehen.

juanpablo85
21.09.2009 09:58

Solange Menschen Drogen konsumieren solange werden auch Drogen geliefert. Wenns der Anbieter x nicht mehr liefern kann wird eben der Anbieter y liefern.

Ob es mehr bringen würde wenn man versucht die Nachfrage statt das Angebot zu verringern weiss ich nicht. Fakt ist, dass der Drogenkrieg eine nette Beschäftigung für das US-Militär und einige andere US-Behörden ist. Deshalb und nur deshalb dauert er schon 40 Jahre.

amergut
21.09.2009 08:22
... seit 40 Jahren ohne Erfolg

Ich meine schon, dass der Krieg so erfolglos scheint, weil sich die heimische Bevölkerung durch das Drogenkartell des Weltpolizisten übergangen fühlt.

Mit Recht fordert das angestammte Volk seinen Anteil an den Produkten des Landes!

opti
21.09.2009 08:02
die reale welt und die verschiednen religionen

in der realen welt lebt ein grosser teil der mafia, der beamten und der industrie vom drogenhandel der eng mit den anderen altivitäten dieser branche wie menschen- und waffenhandel verknüpft ist.
natürlich sind nicht alle politiker und geschäftsleute kriminell aber das ganze system ist unterwandert und es findet ein ständiger "krieg" statt.
ein ganz kleines beispiel, an dem erkannt werden kann, wie so ein netzwerk funktioniert ist der letzte skandal in der formel1 mit renault, ganz nahe sind die salzburger olympia bewerbung oder unsere bankdirektoren und so geht es ohne ende weiter.
der drogenkrieg wird auf dem rücken einer winzigen zahl von tragisch kriminalisierten kranken von politikern, industrie und mafai wie eine religion inszeniert

van.der.stiege
21.09.2009 07:23
versteh nicht ganz...

... wieso marihuana, sobald legal hergestellt und vertrieben die längerfristige nachfrage reduzieren und weiters den markt der gewalt und korruption in lateinamerika austrocknen könne.

nur weil ich's legal produziere ändert dies ja nicht unbedingt was. die gleichen leute haben ja noch immer ihre kontakte. produzieren dann wahrscheinlich mehr was eventuell zu einer verbilligung des produkts fuehrt, folglich ist es fuer mehr erschwinglich bzw. ist bei niedrigeren deckungskosten möglich mehr "gratistestprodukte" abzugeben.

somit gibts nur einen sieger. und der sitzt auf produzentenseite.

peter schmidt
 
21.09.2009 10:21
Ich glaube aber nicht das mariuhana

den entscheidenden teil zum entstehen von mafia strukturen etc. beigetragen hat.

es ist doch a) eine relativ günstige droge b) gibts im gegensatz zu heroin und kokain usw weltweit 100.000e kleinstanbieter mit indoor plantagen bis hin zum studenten der bei der oma 5 stauden anpflanzt.

auch wenn mariuhana z.t. in solchen mafia strukturen vertrieben wird ist es sicher nicht die haupteinnahmequelle. hiezu kommt dass es vom image her nicht so "hart" und "verwerflich" ist wie das andere zeugs und daher einfach sehr viel mehr normale leute auch im verkauf und vertrieb sowie anpflanzung mitmischen.

ausserdem wächst es ja auch überall.

daher wird umgekehrt die legalisierung von mariuhana leider nur einen kleineren teil der mafia schad.

FMGD
21.09.2009 10:02

Die Gewinnspanne sinkt erheblich!
Es zahlt sich nicht mehr aus, Gras zu verkaufen.
Wenn Lizenzen vergeben werden - wo würden Sie kaufen - bei dem der es offiziell verkauft (mit gewissen Qualitätskriterien) oder bei irgendwem?
Der Staat hätte mehr Steuereinnahmen.

Die Anzahl der Konsumenten wird nur unerheblich steigen. Am Anfang vielleicht ein paar Neugierige.
Wer es jetzt will, bekommte es auch.
Man müsste die Gesetze in Bezug auf Gras endlich einmal der Realität anpassen!

Roter Baron
21.09.2009 13:58

entweder das
oder man behandelt weinbauern genauso


roter baron

FMGD
21.09.2009 14:52

Wäre zumindest logisch

Würde aber nicht funktionieren - siehe Prohibition - darum legalisierung von THC

NONE
20.09.2009 22:13

Im Gegenteil - ich glaube der Plan funktioniert hervorragend.

Fragt sich natürlich nur welcher Plan.

Nr.3645
21.09.2009 03:51
DER* plan...

*der richtige plan - welcher sonst?

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