50 Prozent Gebühren, 50 Prozent Werbung. Ein gemischter Satz.
Helmuth Thoma, der ehemalige RTL-Chef, und Josef Cap, Klubobmann der SPÖ im Nationalrat, sind sich einig: Je höher die Quote, desto höher auch die Qualität. Und damit möglichst viele zuschauen, müsse es eine gemischte Finanzierung des ORF geben. 50 Prozent Gebühren, 50 Prozent Werbung. Ein gemischter Satz.
Von "Mischung" war bei den ORF-Debatten der letzten Tage so oft die Rede, dass man meinen konnte, die Psyche der Politiker und Experten habe sich bereits auf den Weinkonsum als das wahre Maß aller Dinge eingestellt.
Offiziell werden auch die Programme "gemischt". Aber immer, wenn von der Qualität der Information die Rede ist, sind, wie beim Club 2 am Mittwoch, die Promi-Männer peinlich berührt. Nach "Unterhaltung" riefen sie, als verdienten sie alle am "Musikantenstadl". Dominic Heinzl, sagte einer, der stehe für Unterhaltungsqualität. Wrabetz & Heinzl, das war dann in der jüngsten Ausgabe von News auch das neue Rettungsduo - unterstützt von der Jeannée-Post der Krone.
Selbst im Club 2 entpuppten sich Experten als das, was sie offenbar sind: mitverantwortlich nicht nur an der Misere des ORF, sondern gleichzeitig an der sinkenden politischen Kultur des Landes.
Denn was bedeutet das Feiern der "Quote"? Forcierung des Gesellschafts-Tratsches, des Seelen-Striptease à la Barbara Karlich und der amerikanischen Soap-Serien. Damit immer mehr Leute zuschauen, geht man zusätzlich hinein in Gewaltklischees und Promi-Erotik. Das soll mit Werbung finanziert werden.
Der große Fehler im Denken der Heinzl-Männchen ist der Verzicht auf Ansprüche. Um der Kritik zurückgelehnter Lust- und Frust-Spechte zu entgehen, senkt man das Niveau. Anstatt den Leuten etwas zuzumuten - wie es in der Ära Bacher der Fall war.
In der Diskussion der Klubobleute mit Ingrid Thurnher scherte Karlheinz Kopf von der ÖVP aus: Qualitätsvolle Nischensendungen, die dem ORF-Programmauftrag entsprechen, seien keine Quotenanwärter, weshalb man eine Mehrheitsfinanzierung mit den Gebühren überlegen sollte. Für Michael Jeannée muss auch diese Ansicht "links-links" klingen (Siehe seine Samstag-Post). Klar, denn die Vernunft stand immer im Links-Verdacht, sie war und ist kein Quoten-Renner. "Volk" muss unterhalten werden, damit man's leichter zum Narren halten kann.
Deshalb braucht der ORF zur Erfüllung seines Auftrags einen Info-Kanal. Natürlich auch mit Unterhaltung: Politisches Kabarett wie jetzt schon. Oder die Minichmayr mit ihren "Struwwelpeter"-Liedern.
Dann sollen die Caps, Jeannées und wie sie alle heißen, vor den Quoten-Schießern am Unterhaltungskanal sitzen, in die Soletti-Stangerl beißen und sich auf den Gondeln der Gefühle aufs Ausspannen freuen.
In diesem Ensemble sind sogar die Grünen zu Systemerhaltern geworden. Dieter Brosz wirkte am "Runden Tisch" wie ein Klon von Pius Strobl. Von einer medialen "Solarwende" keine Spur, sondern angepasstes Verhalten, wenn die Grünen (wie im ORF) ein bißchen mitmischen dürfen.
So bleibt es wie bei der Finanzierung auch im Programmieren beim gemischten Satz. Prost. (Gerfried Sperl/DER STANDARD; Printausgabe, 21.9.2009)