Anwalt will Auslieferung aus USA an Frankreich verhindern
London (APA/AFP) - Panamas ehemaliger Machthaber Manuel Noriega
versucht mit einem Gnadengesuch an den französischen Präsidenten
Nicolas Sarkozy, seine Auslieferung aus den USA nach Frankreich zu
verhindern. Das teilte sein Anwalt Giovanni di Stefano am Samstag in
London mit. Der 75-Jährige war 1999 in Frankreich wegen Geldwäsche in
Abwesenheit zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die
französische Justiz will ein neues Verfahren gegen Noriega eröffnen.
Di Stefano macht unter anderem geltend, dass sein Mandant in den USA
wegen der gleichen Delikte verurteilt wurde, die ihm in Frankreich
angelastet werden. Dafür habe er bereits mehr als zehn Jahre im
Gefängnis gesessen.
Die US-Justiz hatte im April entschieden, Noriega an Frankreich
auszuliefern. Dagegen legten seine Anwälte vor dem Obersten
Gerichtshof der USA Berufung ein. Der Supreme Court tritt nach seiner
Sommerpause erst Anfang Oktober wieder zusammen.
Drogengeschäfte und Geldwäsche
Noriega hatte in den USA eine langjährige Haftstrafe wegen
Drogendelikten verbüßt, blieb wegen des juristischen Streits um seine
Auslieferung aber in US-Gewahrsam. 1992 war er in den USA zu 40
Jahren Haft verurteilt worden, die wegen guter Führung schließlich
auf 17 Jahre reduziert wurden. Frankreich beschuldigt den
Ex-Machthaber, in den 80er Jahren rund 3,15 Millionen Dollar aus
Drogengeschäften auf Konten französischer Banken gewaschen zu haben.
Noriega war von 1971 bis 1983 Chef des militärischen
Geheimdienstes Panamas und regierte das mittelamerikanische Land von
1983 bis 1989. Unterstützung erhielt er von den USA. Da er aber nach
Einschätzung der US-Geheimdienste zunehmend mit den Drogenkartellen
zusammenarbeitete, marschierten US-Truppen Ende 1989 in Panama ein
und nahmen Noriega fest.