Ein Bobo fährt Karbon

glu, 20. September 2009, 16:52
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    foto: www.gluschitsch.com

    Jürgen bezeichnet sich selbst als "sanften Materialisten".

Jürgen, 37 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Wien, leitet zwei Firmen, hat ein protziges Auto und ein Karbon-Fahrrad - Interview

derStandard.at: Wie oft fährst du mit dem Rad?
Jürgen: Von Montag bis Freitag fahr ich täglich mit dem Fahrrad in die Arbeit, wenn es das Wetter erlaubt. Kleine Einkäufe erledige ich mit einem alten, violetten Damenrad mit Einkaufskorb, ins Büro fahr ich mit dem Karbon-Rad. In die Firma brauch ich zehn Minuten, nach Hause geht es aber schneller. Da liegt mein Rekord bei sechs Minuten. Aber da waren zwei rote Ampeln dabei. Könnte ich durch den Stadtpark fahren, wäre ich noch schneller.

derStandard.at: Wärst du also dafür, den Stadtpark für Radfahrer zu öffnen?
Jürgen: Der Stadtpark ist wunderschön, und für mich wäre er eine tolle Abkürzung. Man könnte ja den Park zu den Stoßzeit öffnen - in der Früh sind dort eh keine Touristen, außerdem würde ich langsam fahren.

derStandard.at: Du hast ein „batzen" Auto daheim stehen - warum fährst du trotzdem mit dem Fahrrad?
Jürgen: Ich hab ja auch ein „batzen" Rad, warum soll ich dann mit dem Auto fahren? Ich hab ein ästhetisches Auto, wenngleich es mit seinem Verbrauch von 7 bis 8 Litern ökologisch ist. Das Auto brauchen wir für die beiden Kids - das heißt also nicht, dass ich jeden Tag drinn sitzen muss und es am Sonntag vier Stunden lang poliere. Ganz im Gegenteil. Ich geh auch gerne zu Fuß und fahr manchmal mit den Öffis, oder eben mit dem Rad. Je nachdem, was gerade am effizientesten ist.

derStandard.at: Dein Fahrrad war wohl nicht ganz günstig. Warum hast du dich gerade für dieses Rad entschieden?
Jürgen: Ich brauchte ein neues Rad, weil man mir mein voriges gestohlen hat. Bei diesem Rad war es die Optik - die Ästhetik, die mich angesprochen hat. Aber ich hatte auch ein bisserl "High-Tech" im Hinterkopf. Das Karbon hat mich einfach gereizt. Auch die übrigen Komponenten sind vom Feinsten. Klar gibt's nach oben noch Luft, aber im Grunde ist das schon zu viel für mich. Sagen wir mal so, es hat vom Budget her grad gepasst und mich optisch total angesprochen. Mit KTM unterstütze ich auch die heimische Wirtschaft, und somit war es für mich eine stimmige und "runde" Entscheidung.

derStandard.at: Bist du ein Bobo?
Jürgen: Was ist ein Bobo? Man lässt sich ja eigentlich ungern klassifizieren, aber die Definition sanfter Materialismus trifft es ganz gut, korrekt und kreativ bin ich auch, sowie idealistisch. Ob ich ein kulturelles, gesellschaftliches oder politisches Leben präge, weiß ich nicht. Aber wenn das die Definition ist, ich denke, ich könnte sowas wie ein Bobo sein.

derStandard.at: Hast du keine Angst, dass dir einmal die Krawatte in die Kette kommt?
Jürgen: Ich hab schon länger keine Krawatte mehr getragen. Es ist nicht so, dass mir Krawatten nicht gefallen, oder ich sie uncool finde, aber ich brauch keine. Wenn ich einen formellen Termin mit konservativen Kunden hab, dann reicht auch ein schönes Hemd ohne Schlips.

derStandard.at: Bist du mit deinem Rad schon im Gelände gefahren?
Jürgen: Bitte sag es nicht weiter, aber bis jetzt noch nicht. Ausreden dafür hab ich genug gehabt, aber langsam gehen sie mir aus. Das heißt, der nächste Ausritt ist in greifbarer Nähe. Das notwendige Equipment dazu hab ich jedenfalls schon.

derStandard.at: Trägst du am Weg in die Arbeit einen Fahrrad-Helm?
Jürgen: Für die paar Meter zur Arbeit würde ich mir nie einen Helm aufsetzen. Als wir Kids waren, hat kein Mensch einen Helm getragen. Ich finde nichts uncooler als diese Bürotypen mit Helm und Brille und den Klettverschlüssen an den Anzugshosen. Der Nachwuchs trägt natürlich Helm. Aber fürs Gelände hab ich einen, und weil ich ja Perfektionist bin, musste es das Topmodell von Giro sein. Das schaut zumindest aus, als wäre es aus Karbon.

derStandard.at: Du hast einen Wheeley-Kurs mit dem Motorrad gemacht - hilft dir das dort Gelernte beim Hinterradeln mit dem Fahrrad?
Jürgen: Ein bisschen. Das Grundprinzip und das Balancegefühl sind das gleiche, nur der Speed ist am Motorrad höher, und somit ist es theoretisch leichter, das Gleichgewicht zu halten; wobei ich beides nicht gescheit kann und zu wenig Zeit zum Üben hab.

derStandard.at: Die Polizei schenkte im Sommer den Radfahrern besondere Aufmerksamkeit. Hat dich die Polizei schon bei dem einen oder anderen Vergehen ertappt?
Jürgen: Heuer zum Glück noch nicht. Ich hab aber einen 100% legalen Weg in die Arbeit gefunden, für den ich maximal eine Minute länger brauche als für den kürzesten, großteils illegalen. Ich versuche, ein verantwortungsbewusster Jungpappi zu sein und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Also heuer so gut wie keine roten Ampeln gehabt. (Guido Gluschitsch, Foto: www.gluschitsch.com)

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 167
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a nockater im hawelka
00
27.9.2009, 21:41
Das radl is ja ned umgfalln...

warum dann diese ausführliche berichterstattung?

Christ Kind
00
23.9.2009, 16:41
"sags bitte nicht weiter"

keine Sorge, im Internet siehts eh kaner

Simplicius Simplicissimus
00
23.9.2009, 14:53
Der versteht einfach ...

... nichts von Ästhetik. Aber bitte, angepasste Geschmacklosigkeit kann nützlich sein.

vor diktat verreist
03
23.9.2009, 11:34
ich bin keine coole bobo-radlfahrerin,

aber mit meinem steyr-waffenrad (ca. 17 kg, ich hab's sogar schon einmal in den 7. stock geschleppt und hatte dann mit einem kleinen schwächeanfall zu kämpfen) in weinrot samt cremefarbenen reifen nehm ich's mit euch allen auf!
braucht euch gar nicht so viel einbilden!
ein helm oder eine radlerkluft kommt für mich natürlich nicht in frage, ich laß lieber meine lockenmähne im wind wehen und meinen rock auch - manchmal krieg ich sogar applaus, aber nicht wegen der geschwindigkeit *lol*
http://www.waffenrad.at (da ist das radl abgebildet, für die neugierigen :))

liebenfels
00
28.9.2009, 20:49
Wenn ich die 17kg, die Ihr Rad wiegt, abnehme

würde ich mir wahrscheinlich ein leichteres kaufen. So bleibt mir nur mein www.weltrad.de in dunkelgrün...

Überraschungsgast bei "The Tribute"
21
27.9.2009, 16:52

Ich finds viel lässiger mit dem Auto rumzudüsen und sämtlichen Passanten den Stinkefinger zu zeigen (ist ein kleines Hobby von mir geworden). Ich finde, dass Fortbewegung unter 12 Liter Superbenzin auf 100 km langweilig ist, aber das werden die Hüter der Menschheit nicht gern hören.

bad hair day
00
28.9.2009, 09:49
überraschungsgast

Satire oder pathologisch?

Überraschungsgast bei "The Tribute"
01
28.9.2009, 12:32

Fan von Weird Al?

Lethawae
11
23.9.2009, 19:37

Kleine Tour am Wochenende gefällig?
Bin auch kein Bobo, trage am Rad Lycra und mein Rad wiegt immerhin fast die Hälfte von deinem!
;-)

vor diktat verreist
00
24.9.2009, 15:19

siehe ein stückerl weiter unten ;)

bloody-nine
00
23.9.2009, 13:41
das bei den kundenanfertigungen,

rechts unten? wo der artikel in den "fahrradnachrichten" steht, "warum muss es immer schmuck sein"?

das is cool.
und hat dir das jemand geschenkt?

vor diktat verreist
00
23.9.2009, 16:03
bloody nine,

jaaaaaaaa! genau das! ich liebe es!

bloody-nine
00
24.9.2009, 09:58
..und wo

sieht man dich damit herumfahren?

vor diktat verreist
00
24.9.2009, 15:17
b.n.

natürlich in ur-bobostan *g*
na du weißt schon..... naschmarktgegend, untere wieden. beim pöhl halten sie schon freiwillig die gekühlte proseccoflasche beim türl raus, wenn sie mich am horizont dahercruisen sehen.
du erkennst mich an den fehlenden birkenstöcken *zwinker*

bloody-nine
00
25.9.2009, 16:16
alles klar

da bin ich eh öfter :-)
werd die augen offenhalten :-)

der interviewte Bobo
 
00
23.9.2009, 12:22

stell ich mir grad sehr attraktiv vor! Thumbs up.
Mir waren halt die 17KG zuviel. Ich bin ja nicht so kräftig gebaut wie man sieht. Da trag ich lieber 9,8KG in den 2. Stock täglich. Das geht recht gemütlich und ist ein gutes Warm up für den Büroarbeitstag...

vor diktat verreist
00
23.9.2009, 16:01
interviewter bobo

um der wahrheit die ehre zu geben: ich wär' eh fast zusammengebrochen nach dem act (17 kg in den 7. stock tragen, mehrere pausen einlegen), bin ja schließlich keine hünin *lol*.
wollte nur meine willensstärke und verborgene kräfte auf die probe stellen und das radl in sicherheit haben.

der interviewte Bobo
 
00
23.9.2009, 17:09

Respekt! Ich ziehe meinen Bohemien Hut :).

mediocrity
01
22.9.2009, 14:41
Ein cooler Kerl

Das ist ja ein besonders cooler Kerl (Karbon!). Aber bitte. Besser die Leute fahren mit einem Protz-Radl in die Arbeit als mit einem aufgemöbelten Angeber-Porsche.

Sigi Miniman
00
22.9.2009, 10:41
KTM

in wiefern unterstützt man mit einem KTM die österreichische Wirtschaft?

gxe10sc
03
23.9.2009, 10:36

war neulich in mattighofen, da gibts eine ktm fahrrad gmbh.

was die dort genau treiben weiß ich aber auch nicht...

1 Wolfgang 1
10
25.9.2009, 14:39
Sie bauen Fahrräder zusammen?

human ic
01
22.9.2009, 13:57

laut ktm werden die radln hier entwickelt, zusammengeschraubt, lackiert und getestet.

Lorem ipsum dolor sit amet
00
22.9.2009, 02:45
Danke Jürgen

dass Du Verantwortung übernimmst, für deine Kinder, deine Angestellten, dein eigenes Leben, deine Gesundheit und die Luft in der Stadt.
Dass du deine Arbeitskraft in Österreich entfaltest und hier deine Steuern zahlst.
Dieses Land braucht Menschen wie dich dringender als vielen bewusst ist.

Hätte man mich an deiner Stelle interviewt, ich hätte für das wheelie Foto wohl Gummistiefel angezogen.

jumpingjack flash
00
22.9.2009, 09:38

nur des jetten nach usa für den wheeliekurs trübt die co2 bilanz (der audi steht ja eh in der garage) - vielleicht kann man mal was in wien organisieren - samstag ab 22 uhr am parklatz von der scs.

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