Autor will mit einem Teil des Preisgeldes Schlingensiefs Festspielhaus-Projekt in Afrika unterstützen
Osnabrück - Für seine engagierte Schilderung des Lebens in Afrika und der Probleme des Kontinents ist der schwedische Autor Henning Mankell am Freitag mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet worden. Einen Sonderpreis erhielt der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss, der in seinem Roman "Hundert Tage" die Verstrickungen der Schweizer Entwicklungshilfe in den Bürgerkrieg in Ruanda 1994 zum Thema hat.
Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler würdigte in seiner Laudatio
Mankell als einen Erzähler, der Afrika als einen Kontinent "voller
Kreativität und kultureller Vielfalt" zu Wort kommen lasse. "Henning
Mankell führt uns buchstäblich nach Afrika", sagte Köhler. "Wir erleben
den Lebensmut, den Zusammenhalt, die Aufgeschlossenheit der Menschen
Afrikas. Und es verschlägt uns die Sprache zu sehen, wie ignorant wir
sind."
Unterstützung für Schlingensief
Der 61 Jahre alte Mankell forderte in seiner Rede zur Bekämpfung der Armut auf. "Es gibt nur ein Problem: die Armut. Alle anderen Probleme können und müssen im Licht dieser Armut gesehen werden", sagte er. Auch der Westen trage in hohem Maß Verantwortung für die afrikanischen Zustände. So sei das Land Mosambik, in dem er seit vielen Jahren viele Monate im Jahr verbringe, durch Kolonialismus und Ausplünderung verarmt. Er glaube daran, dass auch Mosambik in fünfzig Jahren ein Land sein könnte, in dem die Menschen ein gutes Leben hätten.
Mankell versprach einen Teil des Preisgeldes in Höhe von 25.000 Euro
dem Regisseur Christoph Schlingensief, der bei der Preisverleihung
dabei war. Das Geld soll Schlingensief bei dessen Projekt helfen, in
Afrika ein Festspielhaus zu bauen. Der Sonderpreis ist mit 5.000 Euro
dotiert.
Auszeichnung für Bärfuss
Der 37 Jahre alte Schweizer Dramatiker Lukas Bärfuss habe mit seinem ersten Prosawerk "Hundert Tage" einen "überwältigend dicht geschriebenen Roman" vorgelegt, sagte dessen Laudator, der "Spiegel"- Kulturredakteur Volker Hage. Der Völkermord in Ruanda sei eine der größten menschlichen Katastrophen seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Die Verwicklungen der Schweizer Entwicklungshilfepolitik in diesen Genozid habe Bärfuss akribisch recherchiert.
Bärfuss wies in seiner Rede darauf hin, dass die Industrieländer viele Interessen in Afrika haben. "Afrikanische Potentaten" wiederum nutzten das Interesse des Westens an stabilen Verhältnissen für die Stützung ihrer Unrechtsregime. Ironisch beschrieb er die Duldung afrikanischer Diktaturen durch viele westliche Länder: "Lieber strukturelle als offene Gewalt." Es gebe kein "unabwendbares Schicksal, das die afrikanischen Länder ins Elend zwingt", betonte Bärfuss. "Hunger, Krankheit und Armut sind Weiterführungen der Politik mit anderen Mitteln. Und ich weiß auch, wie wütend die Menschen sind, die ich getroffen habe, wie zornig, weil sie sehen, was ihnen vorenthalten wird. (APA)