Fernsehen und Kinder vertragen sich nicht

18. September 2009, 14:35

Auch ohne Hinsehen schlechtere Eltern-Kind-Interaktion - Persönliche und intellektuelle Entwicklung des Kindes verzögert

Amherst/München - Läuft ein Fernseher im Hintergrund, widmen sich Erwachsene weniger ihren Kindern. Das berichten Psychologen der University of Massachusetts in der Fachzeitschrift Child Development. "Studien haben schon früher gezeigt, dass das Spiel der Kinder von einem laufenden Fernseher gestört wird. Wir konnten jetzt auch zeigen, dass der Fernseher die Zeit verkürzt, in der sich Eltern ihren Kindern widmen, auch wenn niemand zusieht. Zusätzlich verringert sich auch ihre Aufmerksamkeit", berichtet Studienleiterin Heather Kirkorian. Ein ständig laufender Fernsehen sei somit schädlich und könne die persönliche und intellektuelle Entwicklung eines kleinen Kindes verzögern, schließen die Forscher.

Hinwendung geringer

In einem Experiment ließen die Wissenschaftler 50 Kinder zwischen ein und drei Jahren eine Stunde lang mit jeweils einem Elternteil spielen. Die Hälfte der Zeit war ein Fernseher im Raum eingeschaltet und zeigte je nach Wunsch der Erwachsenen eine Comedy oder Spieleshow, dann wurde der Fernseher abgedreht. Während der gesamten Zeit beobachteten die Forscher, wie sich Eltern und Kinder zueinander verhielten. Dabei zeigte sich, dass die Sprechzeit der Eltern mit den Kindern bei eingeschaltetem Gerät um ein Fünftel zurückging, zudem waren die Hinwendungen weit weniger aktiv und aufmerksam, oft gaben Erwachsene auf Fragen der Kinder keine Antwort. Dasselbe Ausmaß, in dem die Erwachsenen weniger sprachen, war auch bei den Kindern zu beobachten. Sowohl Quantität als auch Qualität der Interaktionen zwischen Eltern und Kind litten somit unter dem Laufen des Gerätes.

Beim Fernsehen stillen

Dass der Fernseher ständig im Hintergrund läuft, obwohl niemand zusieht, war früher nur von Familien in den USA bekannt. Aktuelle US-Studien zeigen, dass jedes dritte Kind oder Baby in so einem Haushalt lebt. In Europa gibt es dazu noch keine Untersuchung, berichtet Michael Gurt vom Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. "Das Phänomen nimmt auch bei uns stark zu, wenngleich es noch nicht flächendeckend verbreitet ist." Gurt hält es für nachvollziehbar, dass durch den ständig laufenden Fernsehapparat die Beziehung zwischen Eltern und Kind beeinträchtigt werde. "Auch wenn der Fernseher nur im Hintergrund läuft, bindet er stets Aufmerksamkeit. Das Extrembeispiel dafür sind Mütter, die beim Stillen fernsehen. Sie konzentrieren sich durch die zusätzliche Reizquelle nicht mehr voll auf das Kind, was die Interaktion stört."

Fernsehen überfordert

Die Medienpädagogik weist schon länger darauf hin, dass Fernsehen für Kleinkinder nicht geeignet ist. Die ersten Lebensjahre sei der Mensch damit beschäftigt, die reale Umwelt besonders über alle Sinneseindrücke oder über Interaktion mit Bezugspersonen zu erleben, während er das Medium Fernsehen kaum nachvollziehen könne. "Es gelingt Kleinkindern nicht, die Bilder und Geräusche als gemachte Realität einzuordnen. Sie werden daher vom Medium überfordert und erhalten nichts, was ihre Entwicklung oder ihr Weiterkommen fördert. Das hat sich auch in der Analyse von Baby-TV-Formaten gezeigt", so der Münchner Medienpädagoge. Eltern von Kleinkindern unter drei Jahren rät Gurt, erst zu deren Schlafenszeiten das Fernsehgerät einzuschalten. "Für Kleinkinder sind andere Medien weitaus besser geeignet, wie etwa auf Hörbücher, Kinder- und Bilderbücher, die man auf andere Weise sinnlich begreifen kann. Diese ermöglichen auch ganz andere Formen der Interaktion."

Gemeinsam Fernsehen

Medienerziehung und insbesondere die Vermittlung des Umgangs mit dem Fernseher beginnt somit bereits im Kleinkindalter und setzt sich in allen weiteren Altersstufen fort. "Bei älteren Kindern wäre es ideal, wenn sie Sendungen gemeinsam mit ihren Eltern ansehen. Die Eltern sehen dabei, ob es den Kleinen Spaß oder Überforderung bereitet und können zum Beispiel durch Erklärungen darauf sensibel reagieren", erklärt der Medienexperte. Es gehe darum, einen sinnvollen Umgang als Unterhaltungs- oder Informationsmedium zu vermitteln statt das Gerät stets laufen zu lassen. "Es ist problematisch, wenn man Kinder ständig vor dem Fernseher parkt, um sie ruhig zu stellen. Sie werden sich schnell an diese Form der Überwindung von Langeweile gewöhnen." Vom eigenen Fernseher im Kinderzimmer sei völlig abzuraten. Eltern hätten so keine Möglichkeit mehr, die gesehenen Inhalte zu kontrollieren, außerdem nehme dadurch die Fernsehzeit automatisch zu. (pte)

 

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Posting 1 bis 25 von 38
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Aracni Santini
11
20.9.2009, 13:24
Fernseher = Babysitter

Man stelle sich vor, man kann sich nicht 100 % vom Tag um seine Kinder kümmern. Man muss einmal kochen, Wäsche waschen, putzen etc. Vielleicht sollten die Medienpädagogen einmal Pädagogische Sendungen erfinden. Von Disney gibt es da schon einige und meine Kinder sind davon sehr angesprocchen (bei anderen flippigen Sendungen sind sie überfordert, bzw extrem grausliche od. gruselige - was das in einem Kinderprogramm verloren hat...) Es gibt zu wenige pädagogische Sendungen für Kinder und meine machen gerne mit. So wie Englisch bei Dora od die kleinen Einsteins etc. Cajou ist auch nett od die Biene Maja etc.

Boanna
00
12.12.2009, 14:39
so ein schwachsinn!

Sei mir nicht böse, die von dir genannten Sendungen sind ja eh ganz nett, aber für die Zielgruppe (unter 3 Jährige) einfach nicht geeignet! Steht doch ganz klar im Artikel, das Fernsehen für Kinder unter 3 Jahren nichts ist. Punkt!
Medienpädagogen tun gut daran keine Sendungen für diese Zielgruppe zu entwerfen!

Und mir tuts weh, auch wenn es nur eine Folge von 20 Minuten ist und nicht täglich, die ein so kleines Kind sehen muss...

Ich lerne meinem Kind lieber sich auch mit anderen Sachen so zu beschäftigen, dass ich nebenbei den Haushalt schupfen kann.

(und nur nebenbei, 2 Stunden stillen, das kommt schon mal vor...)

gingerbread
00
20.9.2009, 11:59

"Das Extrembeispiel dafür sind Mütter, die beim Stillen fernsehen. "

Gebe zu, hab ich auch gemacht in Abwechslung mit lesen.

Meine Kleine hat am Anfang ungefähr zwei Stunden zum trinken gebraucht, und ich wollt dabei ehrlich gesagt auch manchmal (un-)geistige Unterhaltung haben.

Bin halt gerne extrem ;-)

dr toolittle
00
8.10.2009, 14:26
ähm...

ich will ja nix sagen, aber wenn ein kind zwei stunden durchgehend gestillt wird...


mariefred
00
21.9.2009, 09:48

:-) für mich war das die einzige Zeit, wo ich endlich einmal in Ruhe ein paar Zeilen lesen konnte, wenn ich nicht vor lauter müd neben meinem Kind eingeschlafen bin ...

Aracni Santini
00
20.9.2009, 13:20
Zustimmung

Ich bin vor dem Internet gesessen, beim Stillen - manchmal gefernseht. Es hin und wieder auch um die Mütter.

Herr Plumm
00
20.9.2009, 11:25

DVD player und beamer. die nette alternative.

marty fink
41
19.9.2009, 12:08
Bumm!

da hat's sicher wieder eine Bombenstudie gebraucht...

macindd
00
20.9.2009, 10:00
Es ist ein himmelweiter Unterschied,

ob Du Dir das halt so und so denkst oder ob es mit wissenschaftlichen Methoden überprüft wird.

lichte werk ing
00
20.9.2009, 11:41

denn marty ist jetzt wissenchaftlich sicher, dass das, was er vorher schon gewusst hat, auch wissenschafler herausfinden können

--: SID :--
00
19.9.2009, 11:52
Fernsehen lenkt generell ab ..

.. nicht nur bei Kindern :-)
Ich kann nicht verstehen, wie man etwas Anderes machen kann, während der Fernseher im Hintergrund läuft. Ich würde mir da immer denken, daß ich meinen schönen Fernseher vernachlässige. Das wäre doch unerträglich, oder ?
Und ohne Fernseher im Kinderzimmer wüßte ich nur halb so viel heute.
Der richtige Killer allerdings war der eigene Computer im Kinderzimmer, ein faszinierendes Ding mit sehr hohem Suchtfaktor (den mußte man allerdings noch selber programmieren, WoW, DS,.. waren noch nicht mal Wunschgedanken). Die Noten waren damals miserabel, aber heute verdiene ich viel Geld mit Softwareentwicklung; also auch kein Nachteil. Der sinnlosen Zeitverplemperung mit Computerspielen stehe ich aber kritisch gegenüber.

Max User
03
19.9.2009, 19:25

"Viel Geld verdienen" ist nach wie vor ein Indikator dafür, "irgendwas richtig" gemacht zu haben - oder?

YHBT HAND
01
19.9.2009, 13:56
"Und ohne Fernseher im Kinderzimmer wüßte ich nur halb so viel heute."

D.h. also daß fast 50% ihres Wissens aus Filmen und Serien bestehen? Oder haben sie die ganze Zeit Telekolleg geschaut?

Broda
01
19.9.2009, 11:07

Mich fasziniert das. Die unbewussten Fehler die Eltern in der Erziehung machen auf den Fernseher abzuschieben.

Noch weiter fasziniert mich, dass ich eigentlich nur halb so intelligent sein dürfte und meine Persönlichkeit nur halb so gut ausgeprägt sein dürfte.

Fernsehen in der Kindheit: Good Times™

Mutiger Franzose
12
19.9.2009, 01:47
wann soll man denn fernsehen wenn nicht als kind?

als kind hat mir fernsehen am meisten spass gemacht und ich hab irre viel gelernt.
serien wie a-team, knight rider, baywatch und enterprise waren einfach nur toll und haben mir viel von der welt vermittelt was ich in meidling nie erfahren hätte können.
als ich dann erwachsen wurde hab ich das interesse dran völlig verloren und inzwischen ödet es einfach nur mehr an, immer dasselbe.
lasst den kindern den fernseher: 3h fernsehen am tag is völlig ok

Mad_Max86
 
00
21.9.2009, 11:21
Mir tun

die Kinder eh immer Leid, die irgendwo in der Stadt aufwachsen müssen. Da kann man wahrscheinlich nur Fernsehen, weils vor der Haustür nix anderes gibt als Autos und Beton.

Da ist es auch nicht verwunderlich das die Leute dann zu Krochern, Gangstern (also die mit den XXXXXL Leiberl und der Hose bei den Knien) oder Pseudo-Punks werden.

bibliothekar
00
20.9.2009, 11:21

Einigen wir uns auf 45 minuten jeden zweiten tag?

presonic
01
18.9.2009, 21:48
nicht vergessen:

fernsehen macht dick!

den fernsehkonsum einzuschränken ist also in mehrerer hinsicht gut. (neben der unmenge an manipulation, die vom fernsehen ausgeht)

silence
10
18.9.2009, 15:27
erstaunlich

wer hätts gedacht :-)

Clemens Schwarz
12
18.9.2009, 14:59
Warum werden die Kinder und wir erwachsenen ruhig dabei.

Die Hirnforschung kann uns viele Hinweise geben. Wir gehen in einen "hypnotischen" tranceähnlichen Zustand.

Nebst dem gibt es auch eine Studie die natürlich schon etwas älter sit. Es gab mal ein Tal, ich glaube in Kanada, da hatten sie keinen Fernsehempfang. Man konnte die Veränderung von Gewaltdelikten während der Einführung von Fernsehen beobachten. Wenn ich die Zahl richtig in Erinnerung habe stieg sie um den Faktor 2-3. Jetzt kann man wegen der Statistik diese Untersuchungen nicht mehr machen. Wir haben ja, wie jeder der hier ein wenig Statisik gelernt hat eine homogene Gruppe von Fernsehschauern. So ein Glück für die modernen "Hypnotiseure", die uns die wichtige und richtige Welt von klein auf vor Augen führen.

ositolindo
317
18.9.2009, 15:54

Wir haben eine kleine Tochter (3 1/2) welche NICHT fernsieht. Einmal pro Woche ein kinder - geeignetes Video: max 1h. Und wir sehen daher AUCH NICHT fern. Der Gewinn an Lebensqualitaet war / ist erstaunlich..., und noch erstaunlicher die positive Auswirkung auf die Entwicklung unserer Tochter:
wesentlich ruhiger, und 10 mal so kreativ... und hat das sprachliche Niveau einer 5 - 6 jaehrigen.
Ich kann nur zum Marchenvorlesen / erfinden raten.
Das tut Erwachsenen auch gut...

der_kleine_nick
 
00
20.9.2009, 12:05
Wir haben 9 kleine Kinder (1,2.....9) welche n i c h t fernsehen !!!!!

Einmal im Jahr (geburtstag oder Weihnachten) dürfen Sie ein ausgewähltes Video (sic!) anschauen. Wahlweise Bambi in der Klassikerversion von 1942 oderdie Trapp-Familie.
Ansonsten spielen wir Schach, Mikado oder Mensch-ärgere-nicht. Oder wir sprechen.Miteinander.Meistens über die Entstehung des Universums.
wir hören gerne Radio.Maria.Oder wenn wir gut drauf sind Ö1.
Wir sind 10xerstaunlicher und sprachlich niveauvoller als die Anderen.
Das tut uns gut.Wir sind gut. Wir Nicht-Fernseher.

ositolindo
00
20.9.2009, 15:30

Zu den 9 Kindern GRATULIERE ich !!! Jedes Kind ist ja ein Universum. - Auch wenn´s manchmal sicher sehr anstrendend ist.

Sad Max
00
19.9.2009, 15:53
interessant

"10 mal so kreativ", hmm.. im vergleich zu?!
ich bin ja grundsaetzlich ihrer meinung, ich fuehre meine sophistische bemerkung auf meine unausgeschlafenheit ((aufgrund zuviel maerchenerzaehlen(s?)) zurueck.

Lotte Nexa
00
19.9.2009, 15:25
Besser, schneller, weiter, höher!

Und sie sehen nicht fern? Begabungen sind so verschieden wie wir Menschen selbst. Und btw. wieso wird das frühe Beherrschen von Fertigkeiten so überbewertet, welche die Kinder ohnedies später in der Schule erlernen? Was der Vorteil von "nicht Fernsehen" sein soll ist für mich als Erwachsenen noch nachvollziehbar: Es is eh kaum was Gscheits in der Glotze. Doch die meisten Kinder lieben Cartoons und jetzt ganz Ehrlich: Wer will nicht mal für eine halbe Stunde seine Ruhe haben?

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