Suchtkongress

Alkohol steigert Gewaltbereitschaft

18. September 2009, 08:55

Bei den meisten Gewaltverbrechen ist Alkohol im Spiel - Suchtexpertin fordert Verbot der "Happy Hour"

Köln/Freiburg - Alkohol und Gewalt treten oft im Doppelpack auf. Neun von zehn in Schlägereien Beteiligte sind zuvor bereits alkoholisiert und auch bei jedem dritten Fall von schwerer oder tödlicher Körperverletzung, von Vergewaltigung oder Raubmord ist Alkohol im Spiel. Das zeigen Statistiken, die am Suchtkongress präsentiert wurden, der derzeit in Köln stattfindet. "Gewalt infolge von Alkohol ist kein Randgruppenthema. Es ist eher die Regel als die Ausnahme", betont Jeanette Piram, Leiterin der Drogenhilfe Freiburg. Da unser Kulturkreis Alkohol nicht als Sucht- sondern stets nur als Nahrungsmittel behandle, sei das Problem vernachlässigt worden. "Die meiste alkoholische Aggression geschieht im familiären Kreis. In Diskussion kommt das Thema jedoch erst langsam und nur dort, wo alkoholisierte Jugendliche in Diskotheken oder Partyzonen zu Straftätern werden."

Die weit verbreitete Meinung, dass Jugendliche mehr als früher trinken, ist laut Statistik nicht haltbar. "Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen stagniert oder ist sogar leicht rückläufig. Allerdings steigt der problematische Konsum, der in der Öffentlichkeit viel stärker auffällt", berichtet Piram. Betroffen seien vor allem junge Männer, da diese häufiger Gewalt in Bars oder Discos erleben, während dies bei jungen Frauen vorwiegend im häuslichen Bereich geschieht. Trinken und Schlägereien hätten in früheren Generationen zu beliebten und anerkannten Wochenendvergnügen gezählt. "Heute wird Gewalt gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert, das übermäßige Trinken toleriert man jedoch weiter. Damit trennt man den Konsum des Alkohols von seinen Folgen, was ein großes Problem ist. Denn zurecht verstehen einen die Jugendlichen nicht, wenn man sie vor Aggressionen durch Alkohol warnen will." Entsprechend fehle es auch in der Behandlung an Kooperation der Bereiche "Gewalt" und "Sucht".

Impulsive Jugendliche

Dass Alkohol die Schwelle der Gewaltbereitschaft sinken lasse, schreibt Piram seiner kurzsichtig machenden und Hemmungen lösenden Wirkungen zu. "Wer betrunken ist, nimmt Reize aus der Umgebung weniger gut wahr. Übersehen werden somit auch Vorwarnungen von Aggressionen, die einem sonst das Einhalten gebieten würden. Andererseits wirkt Alkohol angstlösend und lässt Betrunkene auf Situationen zugehen, in die sie sich in nüchternem Zustand aus Angst nicht trauen würden." Diese Wirkung sei bei Jugendlichen und Erwachsenen gleich. "Allerdings sind Jugendliche weitaus impulsiver und bedenken die Konsequenzen weniger. Ein Student findet Gewalt eher als probates Mittel um den Platz in der Gesellschaft einzunehmen als jemand im fortgeschrittenen Alter, der bereits im Berufsleben steht."

Die meisten Dramen als Folgen von Alkohol geschehen allerdings fernab von der Öffentlichkeit im privaten Umfeld der Familie. Kinder von Abhängigen leiden deutlich häufiger unter Gewalt, was ihre Prädispositionen für spätere Abhängigkeiten nur weiter verstärkt. Das Problem werde jedoch kaum in seinem tatsächlichen Ausmaß berücksichtigt, da man Vorkommnisse vielmehr als tragische Einzelfälle behandle und es in Bestandteile zerlege, kritisiert Piram. "Man betrachtet Gewalt durch Alkohol etwa aus der Frauensicht und errichtet Frauenhäuser. Es fehlt jedoch an Männerhäusern für Männer, die von den Frauen geschlagen werden, oder an Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige, die von ihren Pflegern misshandelt werden." Der Weiterbestand solcher gesellschaftlichen Tabus bringe für die Gesellschaft kaum Vorteile, so die Suchtexpertin. "Erst wenn man offen über das Thema Alkohol und Gewalt spricht, können richtige Maßnahmen getroffen werden."

Alternativen anbieten

Um Alkoholexzesse und deren negative Folgen zu vermeiden, fordert Piram ein ganzheitliches Umdenken in Bezug auf das Trinken. "Alkohol soll mehr als Genuß verstanden werden und weniger als Mittel zum Zweck". Sinnvoll seien bessere Überprüfungen des Jugendschutzes, eine Abschaffung von Preispromotionen wie "Happy Hour" oder Freigetränke, die Beschränkung alkoholverkaufender Einzelhändler sowie ein Verbot der Alkoholwerbung an jugendrelevanten Plätzen. Auch die Anhebung des generellen Alters für Alkoholkonsum auf 18 Jahre, die derzeit in vielen EU-Ländern geschieht, begrüßt Piram. "Wie bei allen Suchtmitteln hat die Zugangsnähe wesentlichen Einfluss auf das Ausmaß der Verwendung." Wichtig sei jedoch auch, Jugendlichen Alternativen anzubieten. "Erkennt man etwa das Motiv der Langweile als Hauptauslöser für jugendliche Alkoholexzesse, so muss man eben ein anderes Angebot bieten, das Jugendliche anspricht." Ähnlich sinnvoll seien auch Maßnahmen, mit denen man allzu ruhige oder verlassene Plätze in Städten, die Jugendlichen zu großen Freiraum geben, neu belebt. (pte)

 

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Posting 1 bis 25 von 49
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Sinfioetli
00
28.1.2010, 13:55
ALLES VERBIETEN, DAS NICHT DEM ÖKONOMISCHEN IMPERATIV DIENLICH IST!

Alpenschreck
00
20.9.2009, 00:13
gebt den Volk Opium

und nicht Alkohol, den das Opium haut ja nur den Opi um,-,,der Alkohol leider macht viele dumm!

jcMaxwell
04
19.9.2009, 12:19

wäre nur marihuana zur volksdroge Nr.1 geworden, dann hätten wir statt den gewaltausbrüchen nur lauter lethargische leutln mit unerklärlichem verlangen nach toblerone ^_^

Sunflare
00
18.11.2009, 10:48

Also noch mehr fette und träge Menschen, die nimmer gradeaus denken können. Super Alternative... :)

Warum immer dieses Entweder-Oder-Denken?

Sinfioetli
00
28.1.2010, 13:48

Der Mensch ist ein Drogen nehmendes Wesen.

Shark Abuser
02
19.9.2009, 11:56

Langsam und leise schleichen sich die Gutmenschen an den Alkohol heran...

Sunflare
00
18.11.2009, 10:50

...und das mit dem "fadenscheinigen" Vorwand, dass Alkohol bei 50% aller Gewalttaten eine Rolle spielt... also wirklich, diese Gutmenschen...

Sharks Lieblingsaussage lautet übrigens: "Rauchen verlängert das Leben!"

Mehr muss man über den nicht wissen. :)

Lethawae
01
19.9.2009, 04:17

Die wahrhaft wichtige und interessante Erkenntnis scheint niemandem hier aufgefallen zu sein.

"Man betrachtet Gewalt durch Alkohol etwa aus der Frauensicht und errichtet Frauenhäuser. Es fehlt jedoch an Männerhäusern für Männer, die von den Frauen geschlagen werden, oder an Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige, die von ihren Pflegern misshandelt werden."

Sunflare
05
18.9.2009, 19:56
An alle, die sich das "Wow - was für eine sensationelle Erkenntnis!" nicht verkneifen können:


Die Probleme der Menschheit liegen meistens nicht daran, dass wir etwas nicht wissen - sondern daran, dass wir es sehr wohl wissen, aber nicht wahrhaben wollen...

Von daher können Wiederholungen dieser Art sicher nicht schaden.

lieblingsfarbe?
00
18.9.2009, 22:07

da gebe ich ihnen vollkommen recht, die frage ist nur an welcher stelle die von ihnen angesprochenen wiederholungen wirklich sinn machen. ob dies hier im standard der fall ist, wage ich zu bezweifeln.

Sunflare
00
19.9.2009, 02:05

Generell kann man sich wohl an die Faustregel halten: Besser 1x zu oft als 1x zu wenig. :)

Wowbagger
00
18.9.2009, 18:40

Mei Bier is ned deppat! Und wer was anderes behauptet kann was erleben! ;-)

fokyoo
18
18.9.2009, 18:12
alkolol verbieten - kiffen legalisieren !

und das sage ich als absoluter nichtraucher !

Aussteiger1
10
19.9.2009, 10:02
Dann empfehle ich ihnen das Buch vom .......

....... anerkannten Suchtexperten:

Reinhard Haller, (un)Glück Sucht!

Dann gehens auf das Kapitel, wo eine Mutter ihr Kind zu Hause verhungern läßt, weil das Gehirnkastel vom Marihuana so beeinträchtig war!

Viel Spaß beim Lesen!

Zarathustra
04
18.9.2009, 22:45
Menschliches Allzumenschliches....Der Drang des Individuums, der Gesellschaft sein Weltbild aufzudrücken...

Sie sind wiederum das beste Beispiel dafür.Ich sehe überhaupt nicht ein,wie mir ein Staat, als Über-Papa, vorzuschreiben hat,was ich als Individuum, das niemanden Rechenschaft schuldig ist solange ich die Freiheit des Anderen nicht beschränke,konsumieren darf. Bei den Fristenlösungen argumentieren wir mit "Mein Körper gehört mir", obwohl dieses Argument gerade in diesem Fall eher problematisch ist, aber bei Alkohol und Drogen hat jeder sein Patentrezept, das andere zu befolgen haben, sobald selbiger "das Sagen hat".
Alle Drogen endlich legalisieren, dem Individuum Selbstverantwortung zurückgeben und die Eltern ihre verdammte Pflicht der Kindererziehung machen lassen und nicht de*ppad den Wirt verklagen, wenn die Kinder angsoffen heimkommen.

Sunflare
01
18.11.2009, 11:10

Sobald Sie in Ihrer (hypothetischen) Rolle eines Alkoholikers im Endstadium zusammen mit etlichen Kollegen stationär betreut werden müssen... zu einem Zeitpunkt, an dem Sie schon vor vielen Jahren einen Großteil Ihrer Arbeitskraft, geistig wie körperlich, eingebüßt haben und dem Hausarzt mit Unmengen von kleinen und großen Beschwerden gekommen sind... und eine Heerschar von Krankenschwestern beschäftigen, die sich sonst z.B. auf verletzte Kinder konzentrieren könnten...

Sind Sie der Gesellschaft sehr wohl Rechenschaft schuldig.

Ihre blauäugige Sichtweise der Gesellschaft - und Ihrer "Unabhängigkeit" - zeigt lediglich, warum sich der Staat immer noch als "Überpapa" aufspielen MUSS.

Zarathustra
00
18.11.2009, 15:19
Der Alkoholismus als "Krankheit" - meine Forderung geht doch viel weiter:

Es gibt keine Pflicht der Gesellschaft dem Alkoholiker gegenüber - auch das gehört zur Selbstverantwortung. Reden sie mit alten Leuten: Früher gab es ein wesentlich gravierenderes Alkoholproblem. Mein Großvater hat gesoffen...mein Urgroßvater ebenso..alles schwere Alkoholiker. Gearbeitet haben sie dennoch. In Grund und Boden hätten sie sich geschämt wenn sie arbeitlos daheim vergammelt wären, weil sie ja sooo krank sind. Der Nannystaat produziert erst die Kranken, macht das Dahingammeln und Betreuen erst salonfähig. Wieviele Leute waren denn unter Mao opiumabhängig? Gearbeitet haben sie alle und mit ihrer Sucht gelebt bzw. sie innerhalb eines Tages überwunden (Befehl Mao alle Opiumkonsumenten zu erschießen).

So Nina
00
14.6.2010, 10:16
Es mag schon sein....

...dass es in einer Arbeitswelt vergangener Zeiten auch Möglichkeiten für Alkoholiker gegeben hat.
Die Arbeitswelt ist heute aber wesentlich komplizierter geworden - und ein Arbeitsunfall, bei dem Alkohol im Spiel war, hat auch für den Arbeitgebern unangenehme Folgen, vor allem, wenn er über die Alkoholsucht des Mitarbeiters informiert war.
Fehler, wie sie einem Alkoholabhängigern passieren (Unzuverlässigkeit, Versäumnisse, Verwechslungen, usw.) sind in den meisten Jobs heute nicht mehr tragbar, auch die Kollegen wollen eine solche Mehrarbeit nicht mehr leisten.
Es ist immer wieder erschreckend, wie überhöhter Alkoholkonsum in Österreich verharmlost wird.

Die dritte Seite der Medaille
00
5.10.2009, 01:55

naja, das Problem bei Drogen dieser Art ist ja, dass man eben dadurch auch andere gefährdet. Eben darum gehts ja in dem Artikel.
Deshalb würde ich das nicht so einfach sehen.

Sunflare
51
18.9.2009, 19:32

Jeder zweite Deutsche, der eine Drogenberatungsstelle auf- und um Hilfe ersucht, tut dies wegen Marihuana.

Die Zeiten, in denen man das Kiffen verharmlost hat, sind längst vorbei...

Im Kontext des Artikels haben Sie natürlich recht: Gewalttaten würden zurück gehen. Die Sucht an sich ist trotzdem kein Bemmerl, deshalb: Gegen Legalisierung.

Lethawae
02
19.9.2009, 04:12

"Jeder zweite Deutsche, der eine Drogenberatungsstelle auf- und um Hilfe ersucht, tut dies wegen Marihuana."

Geschieht das in allen Fällen aus freien Stücken oder kann das eine Auflage des Gerichts bei einer Verurteilung sein? Ich habe dazu leider nichts gefunden.

Sunflare
10
19.9.2009, 13:44

Ich hab's aus einem Zeitungsartikel - da war von Menschen die Rede, die von sich aus um Hilfe ansuchen.

Und erst letztens hab ich eine Dokumentation gesehen, in der ein deutscher Mediziner und Leiter einer Entzugsanstalt davon sprach, dass seiner Meinung nach Marihuana die "härteste" Droge am Markt sei - sie ist die einzige, die unter ungünstigen Umständen schon beim ersten Mal eine nicht reversible Psychose hervorrufen kann.
Als Fallbeispiele wurden einige Patienten gezeigt & interviewt, die unter schlimmster Paranoia litten.

Das ist alles drastisch & tritt eher selten auf, schon klar. Ich mag's nur nicht, wenn man das Zeug verharmlost - jeder sollte wissen, welche Risiken damit verbunden sind.

Lethawae
00
19.9.2009, 16:19

Keine Frage - wer sich eine bewußtseinsverändernde Substanz reinhaut sollte sich auf jeden Fall informieren.

Ich empfehle trotzdem die Doku "The Union" zu dem Thema.
Infos unter http://www.imdb.com/title/tt1039647/ und in allen einschlägigen Börsen zu finden.

silence
15
18.9.2009, 15:31
"Alkohol steigert Gewaltbereitschaft"

so ein schwachsinn.
alkohol senkt unter anderem die hemmschwelle.
wenn jemand von haus aus nicht gewaltbereit ist, wird er es auch unter alkoholeinfluss nicht werden.
alkohol zeigt lediglich den schweinehund, den unterdrückten.
vielleicht wärs gar keine so schlechte idee, menschen als komplett besoffene kennenzulernen.
ehrlichere eindrücke wird man kaum gewinnen können ;-)

Mynnia
00
18.9.2009, 22:34

Aber das ist es ja. Kein Mensch kann als absolut gewaltfrei bezeichnet werden. Gewalt, Gedanken an Gewalt gehören zum Menschen. Es ist die Frage, wie man diese potentielle Gewalt anwendet, ob man es sich anstauen lässt, säuft und dann alles rauskommt dank niedrigerer Hemmschwelle, oder ob man sich ev. sobald man aggressiv wird, sportlich betätigt und Konflikte (verbal) zu lösen probiert oder andere Wege die mir jetzt nicht einfielen.

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