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Verborgene Geheimnisse, unterdrücktes und vergessenes Wissen

18. September 2009, 09:40
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    foto: festspielhaus st. pölten

    Eine geheime Tanzschrift: "Apocrifu".

"Apocrifu" ist die Verbindung von zeitgenössischer Tanzkunst, inhaltlicher Aussage und einer Prise Humor

Alle Macht der Schrift? Grundfragen unseres Daseins werden in der 2007 uraufgeführten Choreografie Sidi Larbi Cherkaouis gestellt. Apocrifu steht vor allem für verborgene Geheimnisse, unterdrücktes, vergessenes Wissen, geheime Schriften.

Zehn Männer. Sieben Sänger, drei Tänzer. Sidi Larbi Cherkaoui, charismatisches Bewegungswunder, entfacht in Apocrifu ein Feuerwerk unterschiedlicher Tanz-Temperamente. Es entsteht eine Verbindung von zeitgenössischer Tanzkunst, inhaltlicher Aussage und einer Prise Humor, die unter die Haut geht. Jedoch ohne die Ernsthaftigkeit der Thematik dadurch abzuschwächen.

Zentrales Thema des Stückes ist die grundlegende Frage nach Bedeutung und Macht des geschriebenen Wortes für den Menschen. Von Mao bis Marx, von der Bibel zum Koran - alle großen Ideologien und Religionen der Welt basieren auf geschriebenem Wort. Diese Schriften sind Grundlage für Meinungen, entfachen Diskussionen, weisen den Weg. Die mittelalterlichen Gesänge der korsischen Sänger der Gruppe A Filetta verbinden sich mit dem Geschehen auf der Bühne. Sie interagieren mit den Tänzern und füllen mit reichen, erdigen Tönen den Raum. Individualität ist Prozess, nicht Schicksal. Durch diese Erkenntnis, so die Kernaussage des Werkes, findet der Mensch den Mut, zu einer freieren Existenz zurückzukehren. Die ritualisierten Formen der Kultur, des Denkens und der Einstellungen, die ihn einzuengen versuchen, kann er jetzt durchschauen und erhält erst so die Möglichkeit, sie aufzulösen.

Sidi Larbi Cherkaoui

Der flämisch-marokkanische Choreograf und Tänzer Sidi Larbi Cherkaoui ist in allen Stilsprachen und Ausdrucksmoden zu Hause und denkt sie gleichzeitig weiter. Er ist bekannt für seine kulturübergreifenden Inszenierungen. 1976 in Antwerpen geboren, wurde er von Alain Platel für seine Compagnie „Les ballets C. de la B." entdeckt. Seit seinem Debüt als Choreograf 1999 erarbeitete Cherkaoui über 15 Stücke und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter unter Anderem der Fringe First Award, der Total Theatre Award (Edinburgh), der Barclay Theatre Award (London), den Special Price beim BITEF Festivals (Belgrad) sowie den Promising Choreograph Price im Rahmen der Verleihung der Nijinski Awards in Monte Carlo, den Movimentos Award in Deutschland und den australischen Helpmann Award 2007. 2008 ernannte Ballettanz zum Choreografen des Jahres in Anerkennung für seine Arbeit während der Spielzeit 2007/2008, während der die Stücke Myth, Apocrifu, Origine und Sutra entstanden. Die Alfred Toëpfer Stiftung würdigte ihn mit dem Kairos Preis 2009 in Anerkennung seiner Arbeitsphilosophie und seines Strebens nach kulturellem Dialog.

Während er seine ersten Stücke - Rien de rien (2000), Foi (2003) und Tempus Fugit (2004) - als Ensemblemitglied der Belgischen Compagnie "Les Ballets C. de la B" erarbeitete, beteiligte er sich parallel auch an weiteren Projekten, die seinen künstlerischen Horizont maßgeblich bereicherten und seine Philosophie festigten. Unter den daraus entstandenen Arbeiten sind Ook (2000) in Zusammenarbeit mit der Choreografin Nienke Reehorst, D'avant (2002) mit Damien Jalet und Mitgliedern der Sasha Waltz & Guests company sowie Zero Degrees (2005) mit Akram Khan.

Seit 2006 lebt und arbeitet Cherkaoui in Antwerpen am Het Toneelhuis Theater, das Myth (2007) und Origine (2008) produzierte. Eastman, seine zukünftige Compagnie wird ebenfalls in Antwerpen ansässig sein - 2010 soll die erste Arbeit Babel erscheinen.

Österreich Premiere: Donnerstag, 8. Oktober 2009,  19.30 UHR, Großer Saal

Choreografie: Sidi Larbi Cherkaoui

Assistenz: Satoshi Kudo, Nienke Reehorst

Tanz: Sidi Larbi Cherkaoui, Dimitri Jourde, Yasuyuki Shuto

Musik: A Filetta (Jean-Claude Acquaviva, José Filippi, Paul Giansily, Jean-Luc Geronimi, Ceccè Acquaviva, Maxime Vuillamier, Jean Sicurani)

Bühne: Herman Sorgeloos

Licht: Luc Schaltin

Kostüme: Dries Van Noten

Puppenbau: Filip Peeters

Dokumentation: Gilles Delmas

Künstlerische Beratung: Guy Cools

Eine Koproduktion von La Monnaie ¦ De Munt und dem Festival de danse de Cannes

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 18.30 Uhr, Box
Einführungsgespräch mit Andrea Amort

Karten 8 Euro bis 35 Euro; Reservierung unter +43(0)2742/908080-222, karten@festspielhaus.at bzw. www.festspielhaus.at.

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