Kunststoff mit Nebenwirkungen

17. September 2009, 18:29
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    foto: nsf

    Sich verlieren in den Plastikwüsten der westlichen Zivilisation: Filmemacher Werner Boote geht auf dem "Plastic Planet" einkaufen.

Der österreichische Filmregisseur Werner Boote sagt der fortschreitenden Plastifizierung unserer Welt den Kampf an

Sein Dokumentarfilm "Plastic Planet" startet jetzt im Kino.


Wien - "Bin ich eigentlich der Einzige, der vor Plastik Angst hat?" Die Frage, die sich Regisseur Werner Boote im letzten Drittel seines Filmes stellt, wird sein Publikum zu diesem Zeitpunkt wohl tendenziell verneinen. In der Manier, die vor allem der US-Filmemacher Michael Moore mit Bowling for Columbine (2002) massentauglich machte, und mit der entsprechenden Mischung aus Drastik, kluger Beharrlichkeit und Sich-blöd-Stellen hat Boote Industrievertreter und Experten aufgesucht.

Er hat sich an der Reinigung eines japanischen Strandes beteiligt, ein Blutbild gemacht, eine Studie in Auftrag gegeben und immer wieder Bilder gefunden, die die Allgegenwart von Plastik in ihrer Ambivalenz veranschaulichen. Das produziert durchaus eindrückliche Effekte: Den Slogan - "Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken." - würde man unmittelbar nach Verlassen des Kinos sofort unterschreiben. Wie nachhaltig diese Wirkung ist, ist eine andere Frage.

So omnipräsent der synthetische Werkstoff ist - eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, an der auch der Großvater des Regisseurs gewissen Anteil hatte -, so vielfältig sind die Probleme, die sich aus der Plastifizierung unserer Welt ergeben: Neben der oberflächlichen Vermüllung selbst in entlegensten Gegenden (und der Tatsache, dass Plastik alles andere als schnell verrottet) widmet sich Plastic Planet vor allem der schleichenden Einsickerung in biologische Kreisläufe und in menschliche und tierische Körper. Dort sorgen unbekannte Zusatzstoffe für hormonelle Störungen, Mutationen, Unfruchtbarkeit und noch gravierendere, bleibende oder tödliche Schädigungen.

Die entsprechenden Ausführungen von Forscherinnen gehören mit zum fesselndsten und beklemmendsten, das man in Plastic Planet hört. Andererseits stiftet die sprunghafte Dramaturgie des Films auch einige Verwirrung. Manche kurze Episode wie jene vom Plastikmüll in der marokkanischen Wüste oder der Schlenker nach Venetien, der das Problem der Gesundheitsgefährdung von Arbeitern bei der Herstellung streift, endet abrupt und wäre in dieser Kürze auch gleich ganz verzichtbar gewesen.

Plastikdekoration

An anderer Stelle wünscht man sich Vertiefung. Die Idee, Familien in verschiedenen Kontinenten dabei zu filmen, wie sie ihren gesamten Bestand an Plastik aus ihren Haushalten ins Freie räumen, ist so einfach, wie ihr Ergebnis anschaulich ist. Leider bleiben diese Szenen aber eher dekorative Inserts.

Vor allem kommt man bei Plastic Planet wie bei anderen Vertretern dieser dokumentarischen Spielart nicht umhin zu fragen, was dabei zu gewinnen sein soll, wenn man einen Vertreter der Industrie mit den möglicherweise verheerenden Auswirkungen seines Produkts konfrontiert.

Das kann auch dieser Film nicht schlüssig beantworten. Solche Spiegelfechtereien bleiben hauptsächlich dramatischer Effekt. Und sie zeugen auch von einer gewissen Faszination dafür, sich mit Alphatieren zu messen, anstatt stärker mit und an der Basis zu operieren. Dabei heißt es auch im Film einmal, wirksamer als alle Studien sei die Macht der Konsumenten. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.9.2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 112
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johann boehm
92
23.9.2009, 21:11
VÖLLIG EINSEITIG!

Der Film ist völlig einseitig, von Objektvität ist nicht einmal ansatzweise etwas zu bemerken. Es wird nur angeprangert, ohne auch nur eine einzige Alternative aufzuzeigen! Wenn ein Kind diesen Film sieht, muß es annehmen, daß die Erde demnächst im Müll erstickt oder vergiftet wird.
In Wahrheit ist der Regisseur jahrelang auf Kosten der österreichischen Filmförderung bzw. des Filminstitutes munter durch die Welt gereist und ist mit dieser miesen Ausbeute schließlich heimgekehrt.

stella witt
00
28.10.2009, 22:29
PCs für Afrika

Hat jemand die Doku gesehen,wo " als Hilfsgüter für Afrika" bezeichnete Schrottpcs landen?
In Ghana...sollen die Bimbos mit dem spielen gell...
Leider spielen die Kinder wirklich dort,suchen nach Kupferteilen,um ein bischen Geld zu machen...Krebsrate:steigend.....

Sternchen100
02
28.10.2009, 11:27

Nicht in der Schule aufgepasst? Plastik verrottet nicht (oder benötigt dazu etliche tausend Jahre), wird aus Erdöl hergestellt und vermüllt wirklich alles. Giftige Zusatzstoffe werden aus Plastik herausgespüllt und gelangen in den Körper, z.B. aus PET-Flaschen, Plastikwurstverpackungen usw.

Alles was man früher aus Holz, Blech, Glas oder Keramik gemacht hat, macht man heute aus Plastik (= Erdöl). Sogar Fensterrahmen. Dabei gibt es eine Alternative: man kann heute (eigentlich seit 80er Jahre) abbaubares Bio-Plastik herstellen aus Holzstreu oder Gras. Wenn die Erdöllobby das zulässt. Besagtes Bioprodukt verwittert innerhalb von einigen Jahren.

Wo glaubt ihr eigentlich, landet der ganze Plastikmüll, den jeder Mensch täglich produziert?

stella witt
00
19.10.2009, 22:36
eifersüchtig???

wohl neidig daß Sie nicht die Nerven und Idee hatten zu recherchieren?
Man hat doch ein Hirn um selbst nachzudenken,wo man Plastik vermeiden kann....
Gefördert wurde In Wien am Praterstern zB auch die Metallständer,das regt Sie nicht auf?
oder die Fahnenestangen am Westbhf,die nie in Verwendung waren,aber 1Million Euro kostete?
Da ist es doch gut sollte, der Film gefördert worden sein!

chris 8104
00
5.10.2009, 10:41

Das Bioplastik zählt nicht als Alternative? ok ist natürlich nur begrenzt einsetzbar, aber ich glaube, jeder der diesen Film gesehn hat muss sich anstrengen und selbst nach Alternativen suchen.

Olivio Tasso
01
25.9.2009, 01:09
Stimmt so nicht ganz . . .

an der Idee hat Boote ein gutes Jahrzehnt herum gebrütet, was natürlich eine höhere "interne Leistungsverrechnung" bedeuten kann, aber welcher Filmschaffende in Österreich macht das nicht? Wir haben hier in Ö eine Förderfilm-Kultur, da ist es total unwichtig, ob der Film sein Geld einspielt oder nicht, weil's eh schon vom Öffi "abgesegnet" wurde.

Das zum einen, zum anderen muss man sagen, dass Boote eine unglaubliche Leidenschaft gepackt haben muss diese Doku zu machen, zehn Jahre(!) an einer Idee zu werkeln, ist erstaunlich. Er muss also einen verdammt Motivationsantrieb gehabt haben, um an der Idee dran zu bleiben - und das schafft nicht jeder.

Lina01
00
23.9.2009, 12:12
mm

Olivio Tasso
30
23.9.2009, 03:17
Boote

macht einen auf Michael Moore! Sehr unterhaltsam, aber teilweise auch langatmig wie "Let's Make Money". Warum müssen Dokus bloß so fad sein. Es gibt genug schlechte Spielfilm-Regisseure und wahrscheinlich noch weitaus mehr Dokfilm-Regisseure.

peter schmidt
 
01
21.9.2009, 16:00
Ich hatte mal in so einer grenzstadt thailand/burma

ein prägendes plastik erlebnis. kaufe mir eine flasche cola. der verkäufer schüttet die cola in einen plastiksack mti ein bisschen eis und einem strohalm. und nimmt die flasche zurück.

ganz schön viel müll für eine cola.

Morire
02
18.9.2009, 17:18
Joghurt gehört endlich wieder in den Tonbecher und der Tonbecher in den Biomüll. Vgl. Lassi in Indien.

major grubert
02
19.9.2009, 10:26
waere schoen

wenn die loesung so einfach waere. alleine das transportproblem. abgesehen davon hat gerade indien ein umweltproblem das sich gewaschen hat. dort laesst eine jeder alles fallen wo er geht und steht wenn er es nicht mehr braucht.

ravenna
50
18.9.2009, 16:52
An alle Glasflaschenfreunde

Wie lange braucht eine Glasflasche zum Verrotten?

a) 1 Tag
b) 1 Jahr
c) 200 Jahre (wie angeblich Plastik-Flaschen)
d) 1.000 Jahre
e) länger

Aber ok, der Dreck, der am Meeresgrund liegt, interessiert nicht.

LexBarker
00
23.7.2010, 02:50

schickes kleid, heute.

ravenna
00
23.7.2010, 22:42

Na wui, Ihnen muss ja wirklich langweilig sein. Haben Sie eigentlich ein Leben? Oder verbringen Sie Ihre Zeit damit, den Standard nach Postings von mir um 02:50 zu durchforsten? Armselig.

LexBarker
00
24.7.2010, 12:07

pffhhh, hat auch urlang gedauert für alle 1.974.

Sternchen100
00
28.10.2009, 11:43

Glas besteht aus simplen geschmolzenem GESTEIN und verhält sich völlig umweltneutral. Man kann es kleinsplittern und einfach eingraben, oder wiederverwerten.

Gianandrea Sikowski
00
22.9.2009, 13:57

Guat, dass du oam bist...

ayur veda (m.)
03
22.9.2009, 11:48

deine polemik hat diesselbe qualität, wie wenn du nach der verrottungsdauer von steinen frägst.
glas ist chemisch mehr oder weniger inert, wird mechanisch zerkleinert, und von allen organismen wie eben steine behandelt.

plastik hingegen...

ravenna
50
22.9.2009, 19:54
Polemik ist...

...Plastik "vorzuwerfen", dass es ewig zum Verrotten braucht, bei Glas dann aber kein Problem damit sieht.

Laut der aktuellen Werbung für den Film braucht Plastik "500 Jahren zum Verrotten". Tja, für mich ist damit Plastik auch quasi chemisch inert und wird in dem Zeitraum so wie auch Glas mechanisch zerkleinert.

ayur veda (m.)
04
23.9.2009, 11:28
stellst du dich nur du*m oder bist du es?

=> plastik ist chemisch NICHt inert - toxische stoffe werden z.b. bei nahrungs-aufnahme über stoffwechsel aufgenommen
=> Glas sinkt auf den meeresboden und ist dort einfach weiterer stein; plastik schwimmt und schwebt im ozean
=> fische fressen plastik und verhungern weil plastik zwar den magen füllt, aber nicht nährt

genug argumente?

Sternchen100
00
28.10.2009, 11:32

Nicht nur Fische, vor allem auch Vögel, sie fressen es aber können es nicht mehr ausscheiden, weil nicht verdaubar.

ravenna
40
23.9.2009, 19:18
Bravo!

Der Anteil an Stahl, der für die Waffenherstellung verwendet wird, ist vergleichbar mit dem an Plastik, das in den Weltmeeren landet. An Waffen sterben bekanntlich jedes Jahr 1000e Menschen. Sind Sie deshalb für ein Waffenverbot? Ach, das wäre also dumm. Bei Plastik, ist es aber ok....

Und bitte erleuchten Sie mich in Ihrer Weisheit, welche Plastik-Artikel z.B. im Supermarkt toxische Stoffe abgeben. Bin schon gespannt auf Ihr pauschales Viertelwissen.

chris 8104
00
5.10.2009, 10:47

Leiden sie an Gedächnisschwund?

THE MGT.
03
19.9.2009, 03:09

Glas lässt sich allerdings sehr viel besser wiederverwerten als Kunststoff. Und im Glas sind üblicher Weise nicht derart viele - oft eben nur den Herstellern der Kunststoffe bekannte - Zusatzstoffe, deren Auswirkungen auf den Organismus in den meisten Fällen garnicht bekannt ist (zumindest außerhalb der Labors der Hersteller).

ravenna
10
19.9.2009, 10:27
Kunststoff lassen sich...

...ausgezeichnet wiederverwerten. Ein gutes Beispiel war (leider "war") das Jughurtbecherrecycling, dass wir so Ende der 80er-Jahre hatten.

Potentiell für den Menschen gefährliche Zusatzstoffe finden sich übrigens nur in den wenigsten Kunststoffen bzw. deren Anwendungen. Und wenn, dann meistens in Billigprodukten aus China und Co.

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