Zentralbetriebsratsobmann moniert erste Kündigungen im Sender - ATV-Chef: ORF kauft Rechtemarkt leer
Wien - "Dem ORF geht es wie dem Fußball: Auch noch so Ahnungslose reden mit", beschwerte sich ORF-Redakteurssprecher Fritz Wendl im Rahmen der ORF-Enquete. Zu Wort meldeten sich am Donnerstag aber auch ORF-Mitarbeiter, wie etwa Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser, die vor einem Kaputtsparen des ORF warnten. Moser kritisierte den rigiden Personalabbau im Sender und monierte, dass es derzeit im ORF erstmals zu Kündigungen komme. Wolfgang Burtscher, Sprecher der Landesstudios, unterstrich die Bedeutung der Regionalberichterstattung, die es weiter aufrechtzuerhalten gilt.
Sowohl Wendl als auch Moser kritisierten ein Rasenmäherprinzip bei den Personaleinsparungen. Burtscher wies darauf hin, dass die Landesstudios, die in dem Ruf stehen, aufgeblähte Personalstrukturen haben, bereits seit Jahren in großen Reformschritten "beispielhafte und budgetwirksame Maßnahmen gesetzt" hätten. Die Studios produzieren ausschließlich österreichisches Programm und leisten den gesetzlichen Auftrag der ORF-Regionalberichterstattung. "Wenn man die Berechtigung der Landesstudios anzweifelt, ist das so, als ob man die Bundesländer abschaffen wollte", so Burtscher.
Monopolist
Mangelnde Selbstkritik musste sich der ORF von ATV-Geschäftsführer Ludwig Bauer vorwerfen lassen. Der ORF begreife sich noch immer als Monopolist, der "am liebsten keinen anderen neben sich duldet". Dabei sei dem Sender seit der Verbreitung der Privatsender längst jegliche Differenzierung verloren gegangen, er kaufe den Rechtemarkt leer und nutze seine Vorteile, die er aus der Gebührenfinanzierung hat, "schamlos aus". Bauers Resümee: "Retten Sie den ORF vor sich selbst, machen Sie ihn werbefrei, ein erster Schritt muss ein Werbeverbot nach 20 Uhr sein." Markus Breitenecker, Geschäftsführer von Puls 4, forderte eine klare - am besten quantitative - Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrages.
Danny Krausz, Obmann des Fachverbands der Audiovisions- und Filmindustrie, legte ein Plädoyer für das Film- und Fernsehabkommen ab. Der ORF dürfe dieses Abkommen nicht aufkündigen, es müsse im Gegenteil noch von sechs auf zehn Millionen Euro aufgestockt werden. Sein Fortbestand müsse gesetzlich verankert werden. (APA)